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Trinamool Bhavan: 65 MLAs, zwei Banner und die Frage der Schlüssel

14. Juli 2026 — — — Kastner

Kolkata, am Eastern Metropolitan Bypass, in jenem schmalen Streifen Stadt, wo Politik und Immobilie seit jeher eine unglückliche Ehe führen, vollzog sich am Freitag ein Vorgang von beinahe archaischer Klarheit: Männer mit Schlüsseln kamen, Männer mit Mietverträgen kamen ihnen nach, und am Ende hingen zwei Transparente an einer Fassade, zwischen denen sich die Frage nach dem Eigentum an einer Partei hindurchzwängte wie ein Mieter, der seine eigene Wohnung nicht mehr betreten darf.

Die Trinamool Bhavan, das Hauptquartier der Trinamool Congress, ist an diesem Tag nicht länger nur ein Bürohaus. Sie ist Beweisstück, Schlachtfeld und Bühne zugleich. Am Nachmittag des 3. Juli 2026 trifft Ritabrata Banerjee mit einer Gruppe von Abgeordneten ein — Firhad Hakim, Sandipan Saha, Javed Khan, Akhruzzaman — und lässt die Räumlichkeiten verschließen. Vor der Presse sagt er jenen Satz, der in solchen Stunden stets fällt: „Wir sind die echte Trinamool. Das ist unser Büro." Er fügt hinzu, er habe mit dem Eigentümer über Mietangelegenheiten gesprochen. Der Eigentümer, das ist Monotosh Saha.

Die Reaktion folgt auf dem Fuße, wie ein Echo, das sich nicht überlegt hat, ob es antworten soll. Kunal Ghosh, Abgeordneter und langjähriger Loyalist der früheren Chefministerin Mamata Banerjee, trifft gemeinsam mit Baishwanar Chatterjee ein. Chatterjee, im Tonfall eines Mannes, der eine Rechnung in der Hand hält, verweist auf einen Mietvertrag, der bis Oktober 2027 laufe. Das Haus gehöre der Partei. „Es gibt keine Partei ohne Mamata Banerjee, und das ist ihr Büro", sagt er. Ghosh geht einen Schritt weiter. Ritabrata Banerjee sei ein Ausgestoßener, der mit direkter Unterstützung der Regierung und der Polizei agiere — das B-Team der BJP, wie er sagt.

Die Mechanik, die hier sichtbar wird, ist die einer Übernahme, die sich selbst als Heimkehr inszeniert. Die rebellische Fraktion, die tags zuvor in Neu-Delhi vor der gesamten Richterbank der Wahlkommission erschienen war und Anspruch auf die Partei erhoben hatte, bringt am nächsten Tag die Schlüssel mit. Die Loyalisten bringen den Mietvertrag. Beide Seiten haben ein Dokument. Nur eines davon schließt auf.

Am Gebäude hängen nun zwei Banner. Eines zeigt Arup Roy, den neu gewählten Vorsitzenden der Rebellenfraktion. Das andere, das bereits hing, zeigt Mamata Banerjee. Zwei Gesichter, eine Fassade, ein Vorhängeschloss. Die Ikonographie ist so überdeutlich, dass sie beinahe wieder zynisch wirkt — als habe jemand die Spaltung in Auftrag gegeben, ohne sich die Mühe zu machen, sie zu verbergen.

Denn was sich hier abspielt, ist nicht bloß ein Streit um Mietrecht. Es ist der Versuch, die organisatorische Kontrolle über eine Partei zu verändern, die Bengal seit über einem Jahrzehnt dominiert. Ritabrata Banerjee war am 3. Juni 2026 zum Oppositionsführer in der Versammlung von Westbengalen gewählt worden — mit der Unterstützung von 58 Abgeordneten. Einen Monat später, am Tag der Besetzung des Parteihauptquartiers, spricht sein Lager bereits von 65 der insgesamt 80 MLAs der Trinamool-Fraktion. Die Zahl verschiebt sich, wann immer es nötig scheint. Die Mathematik der Macht ist in Bengal schon immer eine flexible Größe gewesen.

Die Wahlkommission hat unterdessen beide Fraktionen angeschrieben und um Stellungnahmen zu den „gegenseitigen Ansprüchen" gebeten, die in Bezug auf die Organisationswahlen und die autorisierten Unterzeichner erhoben wurden. Es ist die nüchternste aller möglichen Reaktionen: ein Verwaltungsschritt, der das politische Erdbeben in geordnete Akten ablegen will. Ob Delhi das Kanoffee der bengalischen Politik trinken oder schlucken wird, ist eine andere Frage.

Die Mechanik folgt einem Muster, das in indischen Regionalparteien seit Jahren zu beobachten ist: Eine Figur der zweiten Reihe, die den Aufstieg in die erste nicht mehr abwarten will, sammelt Abgeordnete, sucht die Anerkennung der Wahlkommission, besetzt die räumlichen Symbole der Partei und zwingt die alte Führung, zwischen juristischer Gegenwehr und physischer Präsenz zu wählen. Was dabei herauskommt, ist selten eine neue Partei und selten eine alte. Es ist ein Zwischengebilde, das sich selbst noch keinen Namen gegeben hat.

Was auf dem Spiel steht, ist nicht nur die Frage, wer künftig auf dem Stuhl der früheren Chefministerin sitzt. Es ist die Frage, wer in Bengal über Wahlallianzen, über Kandidatenaufstellungen, über die Verteilung der Mittel entscheidet, die eine Partei im Besitz der Macht an sich zieht. Die Trinamool ist seit 2011 die politische Gravitation dieses Bundesstaates. Wer sie kontrolliert, kontrolliert einen Apparat, dessen Reichweite weit über die Eastern Metropolitan Bypass hinausgeht.

Der Mietvertrag von Chatterjee läuft bis Oktober 2027. Bis dahin wird sich entscheiden, welche der beiden Unterschriften auf den Papieren, die an diesem Freitag in Umlauf sind, am Ende die schwerere sein wird. Die leichteren werden im Aktenschrank der Geschichte verschwinden, wie schon so oft in diesem Landstrich, in dem jede Partei einmal die wahre war und keine es für immer blieb.

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