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Kalifornien will den Liebesmarkt filtern — das Wie bleibt offen

14. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Sacramento. Die Drähte zwischen der Hauptstadt Kaliforniens und den App-Schmieden an der Küste führen in diesen Tagen viel Verkehr. Das Parlament in Sacramento berät, was bislang nur in Foren und Anwaltskanzleien kursierte: Wer über sein Telefon nach einer Begegnung sucht, soll künftig einen amtlichen Hintergrund-Check durchlaufen, bevor ihn die Plattform überhaupt zu Gesicht bekommt. Anlass ist eine Reihe tödlicher Vorfälle, die über Dating-Apps ihren Anfang nahmen und den Gesetzgeber nicht länger ruhen lassen.

Die Idee ist nicht neu. Was früher der Heiratsvermittler mit einem Blick ins Strafregistertat, soll nun eine Maschine übernehmen, die zwischen Anbieter, Behörde und Endgerät sitzt. Nur — und das ist die entscheidende Lücke in der bisherigen Debatte — was genau geprüft werden soll, das verrät der Entwurf bislang nicht. Genau dort setzt die Skepsis an.

Eine Hintergrundprüfung ist kein einzelner Schalter, den man umlegt. Sie ist eine Pipeline. Sie braucht einen Datenkanal zu Strafregistern, einen zu Identitätsdiensten, einen zu Wohnadressen, am Ende auch zu Bewegungsprofilen. Drei Fragen stehen unausgesprochen im Raum: Wer speist diese Pipeline? Wer wertet sie aus? Wer bezahlt dafür — und wer zahlt den Preis, wenn etwas schiefgeht?

Die übliche Antwort in solchen Verfahren lautet: ein privater Anbieter übernimmt den Check, die App holt sich bei ihm ein Ja oder Nein, der Staat reguliert nur das Mindeste. Das ist schnell, billig und gut skalierbar. Es bedeutet auch, dass jeder, der ein Profil anlegt, seine biografischen Spuren in einer Cloud hinterlässt, deren Eigentümer in keinem Aufsichtsgremium sitzt, das den Bürger ernst nimmt.

Die andere Antwort: Eine staatliche Stelle führt den Check unter eigener Aufsicht durch, mit klaren Löschfristen, mit Widerspruchsrecht, mit unabhängiger Kontrolle. Das ist langsam, teuer und wird die Bürokratie weiter aufblähen. Es bedeutet aber auch, dass der Staat eine vollständige Akte seiner Bürger nach deren Liebesleben sortiert vorhalten könnte. Welche Altersgruppen treffen sich mit welchen, wer hat eine Vorstrafe, wer wurde abgelehnt, warum, wann, durch wen. Eine solche Akte wirft eigene Fragen auf — über Löschung, Zugriff und Zweckbindung, die der Gesetzgeber beantworten muss, bevor das System startet.

Die Terminal Tribune hat bei den zuständigen Ausschüssen in Sacramento nachgefragt. Wir wollten wissen: Welche Daten genau sollen erhoben werden? Welche Stelle führt den Check durch? Welche Löschfristen gelten? Gibt es eine unabhängige Instanz, die den Datenverkehr prüft? Auf diese vier Fragen gibt es Stand jetzt keine öffentliche Antwort. Ein konkreter Gesetzentwurf liegt noch nicht vor; die Bestätigung über den Stand der Beratungen stammt aus einer einzigen Quelle. Wir drucken dennoch, weil das Schweigen in Sacramento inzwischen lauter spricht als die Pressekonferenzen.

Fest steht bisher nur dies

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