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Millionen für veraltete Maschinen — Kaliforniens Colleges zahlen den Preis

14. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Rechnung ist einfach. Siebenstellige Beträge fließen in Systeme, die ihren Zweck nicht erfüllen. An kalifornischen Hochschulen werden Millionensummen für KI-Technologie ausgegeben, die nachweislich fehlerhaft oder veraltet ist. Der Satz, der den Sachverhalt in einem Atemzug zusammenfasst, stammt von einem Anwender vor Ort: „The chatbot is outdated."

Was als Modernisierung verkauft wurde, entpuppt sich bei der Inbetriebnahme als Ladenhüter. Studierende und Lehrpersonal berichten von Chatbots, die Fragen falsch beantworten, von Empfehlungssystemen, die veraltete Datenbanken anzapfen, von Spracherkennung, die Akzente nicht versteht. Die Maschinen lernen nichts dazu, weil die Algorithmen auf dem Stand von vor drei, vier Jahren stehen. Das ist in der Technik eine halbe Ewigkeit.

Wer bestellt diese Ware? Wer zeichnet die Verträge? Wer prüft, was unter der Haube steckt, bevor ein Scheck über eine Million Dollar ausgestellt wird? An den öffentlichen Universitäten Kaliforniens ist die Antwort so unbefriedigend wie absehbar: Einkäufer, die von Informatik wenig verstehen, Verwaltungsmenschen, die auf glänzende Broschüren hereinfallen, Berater, die ihre eigenen Produkte empfehlen. Niemand mit Sender und Empfänger im gleichen Kopf.

Die Summen, die im Spiel sind, lassen aufhorchen. Mehrere Colleges haben Beträge zwischen zwei und sieben Millionen Dollar freigegeben für KI-Plattformen, die laut internen Bewertungen der eigenen IT-Abteilungen Mängel aufweisen. Eine Universität im Süden des Staates bezahlte für ein Chatbot-System, das bereits zum Zeitpunkt der Auslieferung als veraltet galt. Eine andere installierte ein Übersetzungstool, das die Hälfte der getesteten Phrasen falsch wiedergab. Beide Verträge sind unterschrieben. Beide Systeme laufen. Beide liefern schlechte Arbeit.

Der Vorgang trägt die Handschrift eines Einkaufs, der nicht vom Bedarf getrieben wird, sondern vom Prestige. KI kaufen heißt heute, am Puls der Zeit zu sein, heißt zukunftsfähig, heißt wettbewerbsfähig. Wer da nachfragt, ob die Maschine hält, was der Vertreter verspricht, macht sich verdächtig. Also wird unterschrieben. Demonstrationen laufen auf vorbereiteten Daten. Pilotphasen werden gestrichen, weil der Haushalt das Geld nicht doppelt binden soll. Wer hinterher prüft, prüft auf eigene Rechnung.

Dabei wäre die Prüfung einfach gewesen. Die Hersteller veröffentlichen Versionsnummern, Updatezyklen, Trainingsdatenstände. Wer lesen kann, sieht, dass die Software aus dem Jahr 2023 stammt und seither keine substanzielle Überarbeitung erfahren hat. Wer lesen kann, sieht auch, dass Konkurrenzprodukte seit anderthalb Jahren modernere Architekturen ausliefern. Aber Lesen ist nicht die Kernkompetenz der Beschaffungsabteilungen. Rechnungen lesen, ja. Datenblätter nicht.

„The chatbot is outdated" — dieser Satz steht wörtlich in einer Beschwerde, die im Spätsommer an die Hochschulleitung ging. Er steht dort als sachliche Feststellung, nicht als Anklage. Aber er ist beides. Er ist die Bilanz einer Investition, die Millionen gekostet hat und deren Wert bereits zum Zeitpunkt der Auslieferung im Keller war. Er ist der Hinweis, dass jemand im Haus die Dinge sieht, die die Entscheidungsträger übersehen. Er ist ein Hilferuf, der bislang ohne Antwort blieb.

Die Konsequenzen sind absehbar. Studierende werden mit Werkzeugen arbeiten, die ihnen falsche Informationen liefern. Verwaltungsprozesse, die automatisiert werden sollten, erzeugen neue Fehlerquellen. Das Vertrauen in Technik insgesamt sinkt, weil eine schlechte Erfahrung ausreicht, um eine ganze Anwendergruppe abzuschrecken. Und die Millionen? Die sind weg. Sie tauchen nicht in der Bilanz als Verlust auf, sie tauchen als „Investition in Innovation" auf. Innovation ist ein Wort, das in Bilanzen genauso viel wert ist wie in der Werbung — es bedeutet, dass niemand nachfragen soll.

Eine Hochschule hat nach den Berichten die Konsequenz gezogen und den Vertrag mit dem Anbieter überprüft. Ob eine Rückerstattung, ein Upgrade oder eine Stilllegung herauskommt, ist offen. Die anderen schweigen bisher. Sie warten ab. Sie hoffen auf das nächste Semester, auf die nächste Auswertung, auf den Moment, in dem das Problem so offensichtlich wird, dass es keiner mehr leugnen kann. Oder sie hoffen darauf, dass der Chatbot bis dahin ausreichend veraltet ist, um niemandem mehr aufzufallen.

Die offene Frage bleibt: Wie korrigieren die Akademien diesen teuren Fehlkauf? Welche Verträge werden nachverhandelt, welche Systeme vom Netz genommen, welche Millionen zurückgefordert? Wer trägt die Verantwortung — der Hersteller, der Verkäufer, der Einkäufer oder die Hochschulleitung, die unterschrieben hat? Die Aufklärung liegt bei den Institutionen selbst. Sie schulden ihren Studierenden, ihrem Personal und dem Steuerzahler eine Antwort, die bislang aussteht.

Die Drähte summen weiter. Die Rechner arbeiten weiter. Die Rechnungen sind bezahlt. Die Antwort fehlt.

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