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Ende der Hitzewelle. Anfang der Verdrängung

16. Juli 2026 — — — Doc Brenner, irgendwo im Staub

Zwölf Tage hat sie gedauert. Dann haben sie die Warnungen aufgehoben, als wären es Girlanden nach einem Fest. Das Mittelland atmet auf. Basel atmet auf. Zürich atmet auf. Dreihundert Einsätze haben die Basler Sanitäter zwischen Freitag und Sonntag gefahren — das ist nicht die Bilanz eines Sommers, das ist die Bilanz eines Brandes, der ohne Sirene ausbricht.

In Zürich Fluntern hat das Thermometer nachts 23,5 Grad gezeigt. In Basel 23,9. In Engelberg, hoch oben, zum dritten Mal seit Messbeginn 1969 eine Tropennacht. Ein Mann ist in der Aare ertrunken, badend, in einem Fluss, der sich aufheizt wie eine Badewanne. Die WHO zählt in Europa seit dem 21. Juni 1300 zusätzliche Tote im Zusammenhang mit den Temperaturen.

Aber das, sagen sie, ist vorbei. Nächste Woche wird es kühler.

Ich höre das Wort "kühler" und ich rieche den Staub auf den Feldern zwischen Solothurn und Aargau, der seit März auf Regen wartet. Zweihundert Millimeter fehlen. Zweihundert. Das ist keine Lücke in einer Statistik. Das ist eine Verletzung der Erde. Was sie uns für nächste Woche versprechen — wenige Millimeter, im besten Fall fünfzig, oft als Schauer, oft als Gewitter, die in einer Stunde herunterprasseln und auf Böden treffen, die zu trocken sind, um sie zu schlucken — das ist kein Regen. Das ist Wasser, das über eine Wunde rinnt.

So steht es in jedem Lehrbuch der Bodenkunde: Trockene Böden können weniger Wasser aufnehmen als angefeuchtete. Das Wasser läuft rasch ab. Es versickert nicht. Es nährt nicht. Es bleibt nicht.

Die Meteorologen sagen: ab Dienstag tagsüber unter dreißig Grad, nachts sechzehn. Im Tessin bleibt es die ganze Woche über dreißig Grad. Die Wetterlage stellt sich um, vom persistenten Hitzehoch zu wechselnden Tiefs und Zwischenhochs.

Sie sagen das alles, und sie haben recht.

Und sie haben nicht recht.

Denn die statistisch heißeste Zeit des Jahres liegt zwischen dem 23. Juli und dem 23. August — die Hundstage. Wir stehen Ende Juni. Der Hochsommer hat nicht einmal begonnen. Modelle deuten an, dass sich Ende nächster Woche, Anfang übernächster Woche eine neue Hitzewelle aufbauen kann. Was sie uns als Abwechslung verkaufen — Hitze, Gewitter, Hitze, Gewitter —, das ist nicht die Rückkehr zur Normalität. Das ist die neue Normalität, getarnt als Wetter.

Hier ist die Rechnung, die niemand ausspricht: Wir haben keine Hitzewelle hinter uns. Wir haben eine Pause zwischen zwei Hitzewellen. Zwölf Tage Brennen, ein paar Tage Durchatmen, dann wieder Feuer. Die Industrie kühlt ihre Maschinen mit Wasser, das den Feldern fehlt. Die Politik beruhigt uns mit dem alten Wort Hundstage, als wäre das ein Naturgesetz und nicht ein Kalender, der sich verschiebt. Die Redaktionen drucken die Schlagzeile "Ende der Hitzewelle" und schließen das Kapitel, bevor das nächste begonnen hat.

Ich habe den Dust Bowl kommen sehen, als die Felder noch grün waren. Niemand wollte zuhören. Heute lese ich dieselbe Grammatik in den Berichten aus dem Mittelland — nur schneller, nur leiser, nur freundlicher verpackt. Die Erde vergibt nicht. Sie vergisst nicht. Sie ist älter als jede Industrie, älter als jede Regierung, älter als jede Schlagzeile. Was sie in Jahrtausenden an Humus, Grundwasser und Klima aufgebaut hat, das verbrennen wir in Jahrzehnten.

Die nächste Woche wird kühler. Das ist wahr. Es ist auch wahr, dass ein Ertrinkender kurz auftaucht, bevor er wieder sinkt.

Und die Wahrheit, die in den Boden sickert, statt über die Felder zu fließen: Wir haben uns soeben eingerichtet in der schönsten aller Lügen — dass das Schlimmste vorbei sei.

Denn Wasser, das nicht versickert, kommt nicht wieder.

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