Die Geographie des Misstrauens: Baghel, Channi und zwei leere Stühle
Chandigarh, im Juli 2026. Diese Stadt kennt jeder Indienkenner als das, was sie ist: ein Reißbrett, das den Auftrag hatte, die Vernunft sichtbar zu machen. Heute gleicht sie weniger einer Verwirklichung als einem Diagramm in Wartestellung. Bhupesh Baghel, ehemaliger Chief Minister von Chhattisgarh und seit dem Sommer beauftragt mit den Punjab-Angelegenheiten des Indischen Nationalkongresses, reiste am sechsten Juli für eine fünftägige Visite nach Chandigarh, um — wie es im parteioffiziellen Vokabular heißt — Unterschiede zu glätten. Das Wort Glättung gehört in ein Lexikon, das immer dann hervorgeholt wird, wenn der Stoff bereits Falten wirft, die niemand mehr zu kennen vorgibt.
Am folgenden Tag trat Baghel mit den Präsidenten der Distriktkongressausschüsse sowie mit einer Reihe verdienter Parteiführer zusammen: Partap Singh Bajwa, Amar Singh, Vijay Inder Singla, Rana K.P. Singh, Sukhpal Singh Khaira, Hardial Kamboj, Kuljeet Nagra, Brahm Mohindra, Balbir Sidhu, Shamsher Dullo. Eine vollständige Versammlung. Vollständig bis auf zwei Stühle. Charanjit Singh Channi, Vorsitzender des Kampagnenausschusses, fehlte. Sukhjinder Singh Randhawa, Leiter des Kernkomitees, fehlte. In einem Raum voller Anwesenheit werden zwei Abwesenheiten zur Aussage.
Die Personalreform vom ersten Juli hatte den Punjab-Kongress neu geordnet und, je nach Lesart, neu aufgestellt. Amarinder Singh Raja Warring verblieb als Präsident an der Spitze des Punjab Pradesh Congress Committee. Channi, ehemaliger Chief Minister und gegenwärtig Mitglied des Lok Sabha, wurde zum Leiter des Kampagnenausschusses für die Versammlungswahlen bestimmt, die laut Wahlkalender Anfang 2027 stattfinden sollen. Die Entscheidung war, so berichten es Parteikreise, bei Channi auf Unverständnis gestoßen. Er habe, heißt es, mit dem Posten des PPCC-Präsidenten gerechnet oder zumindest mit der Benennung als首席ministeriales Gesicht der Partei. Stattdessen erhielt er den Kampagnenvorsitz — einen Posten, der Arbeit bedeutet, ohne die Krone zu verleihen.
In der Folge fanden sich Unterstützer Channis zu Versammlungen zusammen: einmal in Morinda, seinem Wohnsitz, einmal in Mohali. Beide Treffen trugen den Charakter öffentlich bekundeter Unzufriedenheit, adressiert weniger an Baghel oder Warring als an jene Zentrale in Delhi, die am siebten und achten Juli auf bemerkenswerte Weise abwesend blieb, während eine Fraktion unzufriedener Punjabi-Führer im Hauptstadtbüro des Kongresses auf ein Gespräch mit der Parteiführung wartete. Wartete — das ist das Verb der Stunde.
Baghel sprach am achten Juli vor Journalisten. Die Entscheidung des Hochkommandos, sagte er, sei getroffen und werde nicht revidiert. Warring bleibe Präsident. Eine Änderung sei kein Kinderspiel. Man beachte den Tonfall: die Berufung auf eine höhere Instanz, deren Weisung zu vollstrecken, nicht zu erörtern sei. Was diese Instanz dazu bewogen hat, Warring zu halten und Channi auf den Kampagnenposten zu setzen, wurde nicht gesagt. Ebenso wenig, weshalb die Personalentscheidung am ersten Juli überhaupt so ausfiel, wie sie ausfiel.
Parallelen, die sich aufdrängen, müssen nicht ausgesprochen werden, sollen aber benannt sein. Im vergangenen Jahr hatte Channi öffentlich eine stärkere Dalit-Vertretung in der Partei gefordert und darauf verwiesen, dass Dalits nicht die Anerkennung erhielten, die ihnen zustehe. Im Jahr 2022 war er als首席ministeriales Gesicht angetreten; die Wahl hatte der Kongress verloren. Diese Forderung und diese Niederlage stehen im Raum, während die Architektur der Partei sich neu ordnet. Wie diese Linien zusammenlaufen, ist eine Frage, die Beobachter stellen und die Verantwortlichen schuldig bleiben.
Am achten Juli fand im Punjab Congress Bhawan eine weitere Arbeitssitzung statt. Themen, so die offiziellen Mitteilungen: Stärkung der Organisation von der Wahlebene aufwärts, bessere Abstimmung mit den Arbeitern, beschleunigte Vorbereitung der Versammlungswahlen 2027. Die Maschine der Routine lief, während die Maschine des Vertrauens, so lässt sich aus den Berichten der vergangenen Tage herauslesen, nicht mehr reibungslos läuft.
Gurjeet Singh Aujla, Mitglied des Lok Sabha, hatte inzwischen Channi getroffen und auf der Plattform X mitgeteilt, mehrere führende Parteimitglieder unternähmen aufrichtige Bemühungen, die offenen Fragen durch Dialog beizulegen. Die Wortwahl fällt auf: aufrichtig. Sie setzt voraus, dass es zuvor an Aufrichtigkeit mangelte. Ob das eine politische Floskel ist oder eine Diagnose, mag jeder Leser für sich entscheiden.
Was bleibt, ist eine Topographie der Verschiebung. Baghel in Chandigarh, der nicht alle erreicht. Warring, der die Krise herunterspielt und damit den Beweis für die Krise liefert. Channi und Randhawa, abwesend und dadurch gegenwärtig. Eine Parteizentrale in Delhi, die schweigt und deren Schweigen laut wird, je länger es anhält. Und ein Wahlvolk, das im Frühjahr 2027 entscheiden wird, wessen Lesart der Wirklichkeit es teilt.
In Chandigarh, der Stadt der Tangenten, ist die Annäherung an die Ordnung derzeit eine Annäherung an das Schweigen. Der Kongress läuft. Ob er noch weiß, wohin, ist eine Frage, die kein Sprecher der Partei zu beantworten bereit ist.