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250 Jahre Hochglanz: Wenn Algorithmen die Nation küssen

17. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Washington sendet Geburtstagsglocken. Die Republik wird 250, und Breitbart hat unter dem Titel American Tributes eine eigene Videoreihe aufgelegt — Kongress, Kabinett, Administration, alle verbunden durch love of country. Senator Tim Scott aus South Carolina eröffnet. Sein Großvater pflückte Baumwolle, schloss nicht mal die dritte Klasse ab, lebte aber lang genug, um zu sehen, wie sein Enkel einen Sitz im Kongress eroberte. Cotton to Congress, sagt Scott. Change is the one thing that is constant about America, always in the right direction.

Dann kommt der Satz, um den sich diese ganze Inszenierung dreht: One of the best ways sich an die Segnungen zu erinnern sei, get better. Das Land werde nicht bitter. We struggle. There's pain, but that births promise. Aus Hindernissen entstünden Chancen. Die Geschichte des Großvaters sei a story about us. Im November 2016 hatte Scott seine erste volle Amtszeit gewonnen, nachdem er 2013 in den Sitz von Jim DeMint nachgerückt war. Jetzt also Geburtstagsgruß, Wahlkampf-Souvenir, nationales Selbstgespräch.

Die Feierlichkeiten stehen: Freedom 250 organisiert eine Great American State Fair auf dem National Mall, sechzehn Tage lang. Das Feuerwerk kehrt nach Mount Rushmore zurück.

Senatorin Cindy Hyde-Smith aus Mississippi liefert die zweite Stimme. Amerika sei das land of opportunity, wer hart arbeite und Zeit investiere, könne alles erreichen. Die Rechte seien durch die Verfassung geschützt, man könne frei Gottesdienst feiern, seinen Träumen folgen. Sie selbst züchte Rinder, jeden Dienstag Auktion seit 1942. God Bless America. Hyde-Smith war die erste Frau, die Mississippi im Senat vertrat — gewählt im November 2020, nachdem Thad Cochran seinen Sitz geräumt hatte.

Zwei Reden, eine Choreografie: Amerika als Selbstverbesserungsmaschine. Der Patient wird nicht bitter, weil er sich stets bessert. Wer das nicht glaubt, ist nicht patriotisch, sondern illoyal. So funktioniert die Fassade.

Jetzt zur Technik. Denn diese Rhetorik landet nicht im luftleeren Raum. Sie landet in Feeds, deren Algorithmen nach Engagement sortieren. Amerika und besser werden werden zu Tokens, die zusammengehören sollen. Die Sehnsucht nach nationaler Harmonie ist nicht Nebenprodukt der Plattformen — sie ist Treibstoff. Wer Aussöhnung sucht, bekommt sie portioniert. Wer Widerspruch liefert, landet in einer eigenen Schleife, in der bitter zur Tugend wird.

Ta-Nehisi Coates hat das in Vanity Fair seziert. Sein Essay fragt, ob Kamala Harris' Schweigen zu Gaza sie das Weiße Haus kostete. Darunter liegt eine größere Rechnung: Die black presidency, schreibt er, schulde ihre Macht einer Bewegung gegen rassistische Staatsgewalt zu Hause, während sie ein Amt anstrebe, das always practiced racist state violence abroad betrieben habe. Harris' Aufstieg sei das Werk einer Koalition schwarzer Frauen gewesen, die zuvor an enviable string of political victories geliefert hätten — Schwarze Frau auf dem Ticket, am Supreme Court, an der Federal Reserve. Die Biden-Regierung habe die Kindersteuergutschrift temporär ausgeweitet und damit die schwarze Kinderarmut in einem einzigen Jahr halbiert, die schwarze Arbeitslosigkeit auf Rekordtief gedrückt, so viele schwarze Richterinnen berufen wie nie.

Coates aber listet die eigentlichen Gegner einer künftigen schwarzen Präsidentschaft auf: a renewed white supremacy, eine rapacious billionaire class, ein energetic Christian nationalism. Und: Empire. Das Selbstbild Amerikas als righteous cradle of democracy stehe im Widerspruch zur Geschichte einer Macht, die Land nahm, Indigene vertrieb, andere Mächte bedrohte. Wahlen für Afroamerikaner seien almost always exercises in lesser evils and harm reduction gewesen. Die nächste schwarze Präsidentschaft müsse think bigger.

Harris liegt in hypothetischen 2028-Umfragen vorn — in einer Erhebung vom 1. bis 5. Mai 2026 unter 3612 Erwachsenen bei 38 Prozent, Newsom bei 16, Ocasio-Cortez und Buttigieg bei je neun. Eine andere Umfrage sieht sie bei 37 Prozent. Harris selbst sagte im April, sie might wieder antreten.

Was ich auf den Drähten höre: Die Fragmentierung ist nicht natürlich. Sie ist gebaut. Die Informationen über Scotts Baumwoll-Großvater landen bei Lesern, die get better als Selbstbestätigung lesen. Die Informationen über Coates' Imperium-Kritik landen bei einer anderen Gruppe. Beide sehen Feuerwerk auf Mount Rushmore. Beide glauben, denselben Geburtstag zu feiern. Sie tun es nicht.

Die Plattformen sind die Mischpulte, an denen love of country zu Engagement wird, und Engagement zu immer mehr davon. Wer die Drähte hört, muss sie übersetzen. Die Hochglanz-Reden klingen nach Harmonie. Die Drähte darunter summen von etwas anderem.

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