Kalifornischer Abgeordneter in Zanuta von Siedlern blockiert
Ein heißer Mittwochnachmittag im palästinensischen Dorf Zanuta. Rep. Ro Khanna, Demokrat aus Kalifornien, steht zwischen den Trümmern einer Schule, die israelische Siedler vor einigen Jahren dem Erdboden gleichgemacht haben. Die Ruine ist kein Denkmal. Sie ist Aktenzeichen.
Im Jahr 2023 rückten Siedler mit Feuerwaffen und Bulldozern an, zerstörten das Schulgebäude und weitere Bauten, vertrieben Dutzende beduinische Palästinenser aus ihren Häusern. Zurück blieben Schutt, Erinnerung und ein Staat, der wegschaut.
Khanna ist mit kleiner Delegation unterwegs: seinem Mitarbeiter Cameron Kasky, einem Überlebenden des Schulmassakers von Parkland und früheren Kongressbewerber, einem Fahrer und einem Sicherheitsbegleiter. Während sie durch die Reste des Dorfes gehen, entdeckt einer seiner Leute einen bewaffneten Siedler, der durch ein zerbrochenes Fenster lugt, Gewehr lässig über der Schulter, breites Grinsen im Gesicht.
Sie steigen in ihren Van. Die Siedler haben ihren Wagen direkt davor geparkt, blockieren die Ausfahrt auf einer schmalen Sandstraße, die von der Highway 60 abzweigt, felsige Hänge, vertrocknetes Gras zu beiden Seiten.
Was folgt, dauert zwischen 75 und 90 Minuten. Bewaffnete Männer mit dem, was nach M4-Sturmgewehren aussieht, umstellen das Fahrzeug. Sie verhindern die Abfahrt, fuchteln mit den Waffen, lachen, rufen Schmähungen, treten gegen die Reifen, wischen mit den Händen über die Scheiben, um hineinzustarren, filmen die Insassen, machen Fotos. Khanna und Kasky sagen hinterher, die Angst sei im Van gestiegen.
Der Sicherheitsbegleiter identifiziert die Männer als Angehörige der sogenannten Hilltop Youth, einer extremistischen Siedlergruppe mit einer Geschichte gewaltsamer Überfälle. Die Sorge in der Delegation wächst. Ein Video, das Kasky zur Verfügung stellt, zeigt Mitglieder der israelischen Armee im Gespräch mit genau jenen Siedlern, die den Weg versperren. Statt zu schlichten.
„Das war das ohnmächtigste Gefühl, das ich je hatte", sagt Khanna dem Intercept. „Sie sind um den Van herumspaziert, haben gelacht, gelächelt, mit den M4s herumgefuchtelt. In keinem anderen Land, in dem ich gereist bin, auch nicht in China, bin ich so behandelt worden. Es ist die arroganteste und demütigendste Behandlung amerikanischer Bürger, die ich erlebt habe — ich war fassungslos."
Später halten zwei weiße Pick-ups. Weitere bewaffnete Siedler steigen aus. Dann ein weiteres Fahrzeug, vier Männer und Frauen in grünen Militäruniformen, israelische Soldaten, so der Sicherheitsbegleiter. Die Soldaten greifen nicht ein. Sie lachen mit den Siedlern, unterhalten sich, rauchen gemeinsam Zigaretten. Selbst nachdem die amerikanische Delegation sich zu erkennen gibt, ändert sich die Lage nicht.
Parallel, gleiche Woche, eine andere Meldung aus dem besetzten Westjordanland. Generalmajor Avi Bluth, Kommandeur des israelischen Zentralkommandos, spricht auf einer Konferenz der Farm Union und nennt die illegalen landwirtschaftlichen Außenposten — „outposts" — ausdrücklich ein Sicherheitskapital. Sie würden sich „gut in das Sicherheitskonzept einfügen. Sie widersprechen ihm nicht. Sie integrieren sich, vorausgesetzt, das spiegelt sich auch im operativen Verhalten, in ethischem Verhalten und im Einklang mit dem Gesetz", sagt er.
Wobei jeder israelische Siedlung im besetzten palästinensischen Gebiet nach internationalem Recht illegal ist. Sie ist auch nach israelischem Recht illegal. Es ist das alte Lied, man hört es kaum noch, weil die Frequenz längst besetzt ist. Bluth sagt es trotzdem. Laut. Auf einer Konferenz. Vor Kameras.
Die Außenposten, die er lobt, sind Teil jenes Netzes, das Palästinenser aus ihrem Land treibt. Brände auf Weizenfeldern wie zuletzt im Dorf Salem östlich von Nablus am 3. Juli 2026 gehören zur Routine. Palästinenser versuchen zu löschen, während die Scheinwerfer der Wagen im Staub verschwinden.
In Zanuta stehen amerikanische Bürger mit Kameras und Sicherheitsgenehmigung neunzig Minuten lang im Staub, umringt von Bewaffneten, denen der eigene Staat die Munition gibt. In der Hauptstadt spricht ein General davon, wie gut das alles zum Sicherheitskonzept passe. Die Drähte summen weiter. Ich übersetze weiter.