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Britische Digital-ID beerdigt — die Rechnung, die niemand bezahlen wollte

21. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

London, Juli 2026. Die Drähte summen. Ein neuer Mann betritt die Downing Street, und sein erster Akt auf dem Schreibtisch des Premiers ist keine Vision, sondern eine Beerdigung. Andy Burnham, bisher Bürgermeister von Greater Manchester und "King of the North" genannt, übernimmt am Montag das Amt des Premierministers von Keir Starmer — und schafft an seinem ersten Tag das britische Digital-ID-Programm ab.

Das Vorhaben sah vor, dass alle Beschäftigten in Großbritannien eine digitale Identitätskarte erhalten. Eingeführt werden sollte es zur Bekämpfung illegaler Migration. Eingeführt heißt in diesem Fall: geplant, verworfen, wiederbelebt, halbiert. Im Januar hatte Starmer die Pflicht zur Teilnahme aus dem Entwurf gestrichen, nachdem ein parteiübergreifender Ausschuss das Projekt als "Fiasko" kritisiert hatte. Was blieb, war ein Skelett ohne Gesetz. Was übrig blieb, war eine Rechnung.

Burnhams Sprecher formulierte es mit der glatten Sprache der Pressestelle: "Alle Zeit und alle Ressourcen, die für eine nationale ID-Karte aufgewendet werden sollten, fließen jetzt dorthin, wo sie am dringendsten gebraucht werden — etwa zur Bekämpfung der Lebenshaltungskosten." Das Office of Budget Responsibility hatte die Kosten im November auf etwa 1,8 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 2,4 Milliarden Dollar, für die Haushaltsjahre 2026/27 bis 2028/29 geschätzt. Eine runde Zahl für ein System, das niemand mehr verpflichtend nennen wollte.

Ich übersetze das aus der Politiksprache: Aus 1,8 Milliarden wird "Konzentration aufs Wesentliche". Die Sprache wechselt, die Bilanz bleibt.

Die Reaktionen folgten dem Muster, das ich seit Jahren auf den Frequenzen höre. Labour-Vizefraktionschefin Lucy Powell, eine enge Verbündete des neuen Premiers, sagte der BBC, die Einsparungen seien zwar nicht groß. Der Schritt sei aber "ein kleines Beispiel für neue Prioritäten". Man wolle "frischen Wind" in die Regierung bringen — eine Formulierung, die jeder Regierung in den ersten hundert Tagen erlaubt, alte Projekte zu beerdigen, ohne sie vollständig zu erklären. Die Konservative Julia Lopez warf Labour "Millionen verschwendet" vor und Burnham vor, sich als Retter aufzuspielen.

Großbritannien hat die Ausweispflicht nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschafft. Briten weisen sich üblicherweise mit Reisepässen und Führerscheinen aus — Dokumenten, die der Einzelne besitzt, nicht Dokumenten, die ihn besitzen. Wer eine zentrale digitale Kennung für alle Erwerbstätigen einführen will, rührt an einer Tradition, die älter ist als jede Datenbank.

Die technische Frage hinter dem Projekt ist die, die immer gestellt wird, wenn ein Staat eine Kennung baut. Wo liegen die Daten? Wer hat Zugriff? Wer kontrolliert die Schnittstellen zwischen Ministerien, Behörden, privaten Arbeitgebern? Es ist die Frage nach dem Werkzeug und nach der Hand, die es führt. Eine digitale ID für Beschäftigte bedeutet nicht nur, einen Menschen auszuweisen. Sie bedeutet, ihn in Echtzeit einem System zuzuordnen, das weiß, wo er arbeitet, wann er arbeitet, wie lange er arbeitet. Das ist kein Ausweis. Das ist eine Datenbank mit Beinen.

Burnhams Regierung gibt darauf keine Antwort. Sie legt die Frage zurück ins Regal. Sie tut es mit dem Argument der Kosten — und mit dem Argument der Lebenshaltungskosten, das in Großbritannien im Juli 2026 ein sehr gewichtiges Argument ist. Beide Argumente schließen sich nicht aus. Beide können wahr sein.

Was bleibt: ein gestopptes Projekt, eine geschlossene Akte, eine Bilanz von 1,8 Milliarden Pfund für ein System, das nie verpflichtend wurde. Ein Premier, der am Tag seines Amtsantritts ein Milliardenprogramm beerdigt, das sein Vorgänger sieben Monate lang gegen Kritik verteidigt hat. Ein Kabinett, das am selben Montag vorgestellt werden soll.

Die Drähte summen weiter. Die Frage, ob es einen Plan B gibt, beantwortet heute niemand. Mein Büro riecht nach Lötzinn und kaltem Kaffee. Ich schreibe weiter, bis jemand mir einen Grund gibt, es nicht zu tun.

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