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AGE ALS ZUGANGSCODE: 26 NEUE LORDS VOR STARMR-EXIT

21. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

London summt. Die Drähte glühen, und was über sie läuft, ist keine Trauerfeier. In seinen letzten Amtstagen hat Premierminister Keir Starmer eine Liste veröffentlicht, die das politische Establishment Großbritanniens neu sortiert: 26 neue Peers, darunter Londons Bürgermeister Sadiq Khan und 15 weitere Labour-Figuren. Das Timing ist kein Zufall. Es ist ein Schaltvorgang.

Die britische Regierung hat die Namen am Dienstag publik gemacht. Es sind, so betont man in Whitehall ausdrücklich, keine „Resignation Honours". Die Liste trägt den nüchternen Titel „Political Peerages". Wer die Semantik kennt, weiß: Das ist die saubere Variante. Die altehrwürdige Praxis, scheidende Premierminister ihre Favoriten ins Oberhaus zu hieven, hat Starmer einst scharf kritisiert. Er versprach, selbst keine Lords zu ernennen. Gehalten hat er das Versprechen nicht — im Gegenteil. The Guardian, das Flaggschiff der britischen Linken, rechnet vor: Starmer hat bereits mehr Peers ernannt als jeder seiner vier Vorgänger. Die Liste wächst mit jedem Quartal.

Der Vorgang selbst ist uralt. Adelstitel als Parkplatz für Getreue, als Versorgungsposten, als Sicherheitsventil. Das House of Lords, tausendjährig, bis vor kurzem noch erbbiologisch besetzt, ist heute Labor und Bühne zugleich — ein Speicher für politisches Kapital, das anderswo nicht mehr unterzubringen ist. Wer hier einen Sitz bekommt, bekommt einen Parlamentsplatz auf Lebenszeit. Rederecht, Gesetzgebungsmacht, Immunität vor dem Wählervotum.

Khan, der streitbare Londoner Bürgermeister, hat über Sprecher ausrichten lassen, er werde der neuen Regierung unter Andy Burnham nicht angehören. Er wolle seine verbleibenden zwei Amtsjahre als Mayor vollenden. Seinen Peerage nimmt er dennoch mit — als lebenslangen Parlamentsplatz, unabhängig vom Wahlergebnis. The Guardian bringt den politischen Zweck auf eine Formel: Starmer wolle mit der Vergabe „Labour's progressive flank sichern", die progressive Flanke der Partei stabilisieren, bevor Burnham am Montag das Ruder übernimmt.

Denn Burnham übernimmt. Seit Freitagmittag ist der ehemalige Bürgermeister von Manchester Labour-Chef und damit automatisch der nächste Premierminister des Vereinigten Königreichs. Keine Gegenkandidatur. In seiner Dankesrede sprach er davon, Labour wolle „dem Land die Hoffnung zurückgeben". Die ersten Stunden seiner Amtszeit, so meldet die britische Presse, sind geprägt von einem Linksruck, einer Kabinettsumbildung, dem Versprechen der größten politischen Veränderungen seit vierzig Jahren. Louise Haigh, die vorbestrafte Enforcerin, soll die Agenda beaufsichtigen. Ed Miliband bleibt außen vor.

Was Starmer in diesen letzten Tagen verteilt, ist also kein Abschiedsgeschenk. Es ist Infrastruktur. 26 Peers, aufgelistet unter einem Titel, der mit Bedacht weder den alten noch den neuen Namen trägt. Ein Kabelbaum, der die Partei sortiert, bevor der Nachfolger das Haus betritt. Wer im Oberhaus sitzt, wenn Burnham regiert, wer dort spricht, wer dort blockiert — all das ist künftige Tagesordnung. Die Lords werden zur Schaltzentrale einer Partei, die sich gerade neu verkabelt.

Starmer selbst, so melden die Boulevardblätter, wurde dieser Tage in einem Pub mit seiner früheren Schatzkanzlerin Rachel Reeves gesichtet. Ein Bild, das weniger nach Machtzentrale aussieht als nach Frequenzberuhigung. Doch die Mechanik, die er hinterlässt, arbeitet weiter. Auch wenn der Mann, der sie in Gang gesetzt hat, schon am Tresen steht.

Die Frage ist nicht, ob Peerages funktionieren. Sie funktionieren seit tausend Jahren. Die Frage ist, wer in den kommenden Wochen in der ersten Reihe sitzt, wenn die Labour-Maschinerie unter neuer Führung hochfährt. Die Liste liegt vor. Die Namen sind kodiert. Das Netz ist verdrahtet.

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