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SIGNALE AUS DER UMLAUFBAHN: WER ZAHLT FÜR DIE EROBERUNG DES HIMMELS?

22. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Mein Name ist Ada Voss. Ich höre auf den Drähten. Und was da in diesen Tagen aus den Überseediensten rauscht, klingt nach Fortschritt — riecht aber nach Bilanzen.

Raketen. Wieder einmal. Diesmal nicht aus Peenemünde, sondern aus Sriharikota, Florida, Baikonur. Am Satish Dhawan Space Centre hob unlängst Indiens PSLV-C62 ab, trug den Erdbeobachtungssatelliten EOS-N1 in den Orbit. Amerikas Falcon 9 wirbt damit, dass ihre Wiederverwendbarkeit die Startkosten „signifikant gesenkt" habe. Schön. Was bedeutet das? Dass der Traum vom All zum Geschäftsmodell wird. Dass wer zahlen kann, abhebt.

Die Mondlandung war gestern. Heute gibt es den Lander Vikram und den Rover Pragyan, die im Rahmen von Chandrayaan-3 auf dem Mond standen. Indien ist stolz. Zu Recht. Aber fragen wir, was es kostet: Milliarden Rupien, die in Schulen fehlen, in Krankenhäusern, in Bewässerung. Chandrayaan-3 ist nicht nur Wissenschaft — es ist Nationalprestige in Raketenform. Wer nicht abhebt, gilt als zurückgeblieben.

Dann das James-Webb-Teleskop. Milliarden für ein Auge ins All. Was es sieht, ist atemberaubend. Was es kostet, atemberaubend auch. Hier wiegt sich das Argument leichter — Astronomie ist vergleichsweise billig, gemessen an dem, was als Nächstes kommt.

Denn das Nächste ist die Internationale Raumstation. Seit ihrem Betrieb haben 290 Menschen aus 26 Ländern sie besucht. Klingt nach Völkerverständigung? Ist auch eins — aber vor allem ist die ISS ein geopolitisches Verhandlungsprodukt. USA, Russland, Europa, Japan, Kanada. Was fehlt? China. Was fehlt? Der globale Süden jenseits Indiens. Die ISS ist kein Symbol der Menschheit — sie ist ein Symbol derer, die es sich leisten können.

Sieben Schlafkabinen, zwei Nasszellen, ein Fitnessraum, dazu die Cupola — ein siebenfenstriger Panoramablick auf die Erde. Alles solar betrieben, denn alle 90 Minuten wechselt die Station zwischen Sonne und Schatten, je 45 Minuten. Sechzehn Sonnenaufgänge am Tag. Romantisch? Für wen, bitte schön.

Und jetzt wird es menschlich. Im März 2025 kehrten Sunita Williams und Butch Wilmore nach neun Monaten auf der ISS zurück — nicht freiwillig. Eine technische Störung an Boeings Starliner hatte sie dort festgehalten. Neun Monate statt der geplanten acht Tage. Wer entschuldigt sich bei den beiden? Wer zahlt die Reha? Boeing? Die NASA? Der Steuerzahler? Fragen, auf die die Pressemitteilungen keine Antwort geben.

Keine Ausnahme. Im September 2024 kamen die Russen Oleg Kononenko und Nikolai Chub nach 374 Tagen zurück — neuer Rekord. Jubel in den Agenturen. Was fehlte: die Schlagzeile, was diese 374 Tage mit ihrem Skelett gemacht haben.

Was diese Monate mit einem Körper anrichten, ist mittlerweile gut dokumentiert. Selbst im freien Fall, in dem die Astronauten noch immer neunzig Prozent der irdischen Schwerkraft spüren, beginnt der Körper zu zerfallen. Nach zwei Wochen im Orbit: bis zu zwanzig Prozent Muskelverlust. Bei längeren Missionen dreißig Prozent. Pro Monat ein bis zwei Prozent Knochendichte weg — in Hüfte und Wirbelsäule. Über die gesamte Missionszeit etwa fünf Prozent Körpermasse. Siebzig Prozent der Astronauten kommen mit Augenproblemen zurück, dem sogenannten Spaceflight-Associated Neuro-Ocular Syndrome: Blut staut sich im Kopf, der Sehnerv schwillt an, die Sicht wird schlechter — manchmal für immer.

Sie werden drei bis fünf Zentimeter größer dort oben. Die Bandscheiben dehnen sich. Hübsche Anekdote. Auf dem Boden angekommen, schrumpft man zurück.

Und über all dem: Wasser wird aus Urin und Atemluft zurückgewonnen. Duschen ist unmöglich — feuchte Tücher, Spezialshampoo. Schlafen in Schlafsäcken an der Wand festgeschnallt, damit man nicht wegdriftet. Das klingt nicht nach Paradies. Das klingt nach Logistik im Überlebenskampf.

Gegenmaßnahme: zwei Stunden Sport täglich auf dem Ergometer. Ein Mensch, der im All trainiert, ist kein gesunder Mensch — er ist ein Mensch, der gegen den Verlust seiner selbst kämpft.

Und über alldem schwebt der Duft des Marketings. Im Jahr 2001 hat Pizza Hut dem russischen Kosmonauten Yuri Usachev dafür bezahlt, dass er eine Pizza im All isst. Kommerz im Orbit. Wenn das kein Symbol ist.

Wer also dient dieser ganze Fortschritt? Den Wissenschaftlern, die Daten sammeln. Den Ingenieuren, die Arbeit haben. Den Nationen, die Flaggen zeigen. Den Konzernen, die Aufträge erhalten. Wer zahlt den Preis? Die Körper der Astronauten. Die Steuerzahler. Die Kinder, die statt Schule Raketen finanzieren.

Fortschritt ist kein Selbstzweck. Fortschritt ist eine Frage der Verteilung. Und solange die Verteilung unklar bleibt, summen die Drähte weiter.

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