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ZWEITAUSEND PRO TAG — UND WER BEDIENT DIE MASCHINE

22. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Washington. Zweitausend am Tag. Tom Homan sagt es selbst, mit der Ruhe eines Mannes, der seine Bilanz vorlegt: "We're having about 2,000 pretty steady." Jeden Tag. Im Juni, so sagt er, die höchste Zahl in der Geschichte der Behörde. Ein Rekord, verkündet wie ein Quartalsergebnis.

Wer zuhört, sollte sich fragen, wie eine solche Zahl möglich wird. Und wer die Apparatur bedient, die sie produziert.

Homan, selbsternannter "Border Czar", liefert die Antwort selbst. Andere Bundesbehörden — er nennt sie nicht — nutzen ihre Befugnisse, um Migranten aus Wohnungen, Bankkonten, Krediten, Schulen und Sozialleistungen herauszudrängen. Das ist keine Abschiebung im klassischen Sinn. Das ist eine Aussperrung über Datenbanken — ein Vorgang, der ohne sichtbare Gewalt funktioniert. Der Mensch verschwindet nicht; er wird unsichtbar gemacht, in den Akten gelöscht, im System nicht mehr vorgesehen.

Die zugrunde liegende Technik ist unsichtbar, aber überall. Unmarkierte Fahrzeuge, sagte Homan der CBS-Moderatorin Margaret Brennan, seien nichts Neues. Was er nicht sagt: In Kombination mit Mobilfunkortung, kommunalen Kameranetzwerken und der gerade erst eingeführten Bodycam-Pflicht entsteht ein Überwachungsnetz, das den alten Streifendienst ablöst. Die Bodycam-Regel, so Homan, hätte "vor Monaten" kommen können, hätten die Demokraten nicht mit der DHS-Finanzierung "Politik gespielt". Was die Kameras aufzeichnen, wertet am Ende die Behörde aus. Was sie veröffentlicht und was sie zurückhält, entscheidet sie ebenfalls.

Drei Tote in einer Woche. Maine. Houston. Florida. Homan sagt: "Wir müssen die Ermittlungen abwarten." Eine korrekte Antwort. Während er abwartet, arbeiten die Aufnahmesysteme weiter. Handyvideos, Stadtüberwachungskameras, Zeugenaussagen, eidesstattliche Erklärungen der Beamten — das ist sein eigener Katalog. Die Technik zeichnet jede Verfolgung auf, jede Schussabgabe, jede Flucht. Die offene Frage ist, wem diese Daten gehören und wer über ihre Verwendung entscheidet.

Markwayne Mullin, DHS-Secretary, hat eine Pause bei Fahrzeugkontrollen verhängt — aus Sorge um die Sicherheit der Agenten. Homan sieht das Problem woanders. Nicht die Waffe sei das Problem, sondern die Rhetorik: Kongressmitglieder, die ICE nicht als "echte Strafverfolgungsbehörde" anerkennen, ermutigten Menschen zur Nicht-Kooperation. Wer nicht gehorcht, trägt selbst die Schuld. So lautet die Logik.

Diese Logik hat eine technische Voraussetzung. Ohne den Datenabgleich zwischen Finanzbehörden, Wohnungsämtern, Schulbehörden und Einwanderungsbehörde wäre die "stille Aussperrung" nicht durchführbar. Ohne Mobilfunkortung, Kameranetze und Bodycam-Archive wäre eine Quote von zweitausend pro Tag nicht haltbar. Ohne zentrale Statistik, die "pretty steady" abrufbar vorliegt, wäre Homan nichts als ein lauter Mann mit Megafon. Die Zahl ist nicht Ursache der Politik, sondern ihr Produkt.

Wer profitiert? Die Behörde, klar dokumentiert. Aber auch andere Akteure: Homan entwickelt mit Stephen Miller Strategien, die "nach unten" zur Umsetzung gehen. ICE und CBP berichten an Mullin; Homan berät Miller. Eine Befehlskette, die in der Apparatur mündet. Gleichzeitig wehren sich Arbeitgeberverbände — der U.S. Hispanic Business Council, Bauunternehmer in Texas wie Benny Melendez, dem seit Anfang 2025 zehn Mitarbeiter durch Abschiebung verloren gingen — gegen die Verhaftungen. Das Motiv ist nicht Menschlichkeit, sondern Geschäft: Migranten drücken Löhne, und genau das haben Politiker beider Parteien jahrelang stillschweigend akzeptiert. Nun steigen die Löhne in Texas erstmals seit zwei Jahrzehnten. Javier Palomarez, Chef des USHBC, nennt die Lage "debilitating".

Homan will mehr. Er will Worksite-Razzien, weil dort Opfer von Menschenhandel, Zwangsarbeit und Schuldknechtschaft zu finden seien — und weil dort diejenigen arbeiteten, die Löhne drücken. Für ihn ist beides dasselbe: Verstoß, Verhaftung, Datensatz.

Die Maschine kennt keinen Unterschied. Sie verarbeitet Felder, Indizes, Verknüpfungen. Die zweitausend täglichen Verhaftungen sind die Ausgabewerte eines Systems, das andere Behörden mit Daten füttern. Wer die Anlage kontrolliert, entscheidet, wer morgen zu den Zahlen gehört und wer nicht.

Ada Voss berichtet für die Terminal Tribune aus dem Washingtoner Funkhaus. Büro: dritter Stock, Geruch nach Lötzinn und kaltem Kaffee.

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