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Hochul zieht den Stecker: Ein Jahr Moratorium für Hyperscale-Rechenzentren

24. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

New York, Mitte Juli 2026. Auf dem Schreibtisch der Gouverneurin liegt eine Unterschrift, und die Drähte, die diesen Bundesstaat am Laufen halten, werden für ein Jahr kaltgestellt. Kathy Hochul hat am Dienstag eine Executive Order unterzeichnet, die den Bau neuer Hyperscale-Rechenzentren im gesamten Staat New York stoppt. Moratorium nennt man das im Juristen-Amerikanisch — Pause auf dem Papier, Stillstand auf dem Konto.

Was bedeutet Hyperscale? Wer fünfzig Megawatt aus dem Netz zieht, betreibt keine Serverfarm für den Hausgebrauch. Solche Anlagen füttern Cloud-Dienste, KI-Modelle, die Milliarden täglichen Suchanfragen, Streaming, alles, was im Hintergrund surrt, wenn das Smartphone in der Hand liegt. Es ist Infrastruktur, so selbstverständlich wie das Stromkabel in der Küche — nur eben in Hallegröße, mit eigenen Trafos, Wasserkühlung und einem Energiehunger, der kleinen Städten das Netz biegen kann.

New York ist der erste US-Bundesstaat, der diesen Schritt geht. Dreißig Anträge auf Bau neuer Zentren liegen nach Angaben der Gouverneurin bei den Behörden — sie spricht von "flooding the zone", einer Flut, die man regulieren müsse. Lokale Verwaltungen seien nicht gerüstet, mit den großen Tech-Konzernen auf Augenhöhe zu verhandeln. Auf CBS am Sonntag sagte Hochul: "Wir müssen es richtig machen." Klingt nach Fürsorge. Ist es auch — solange man Wasser- und Energiebilanz als Preis akzeptiert.

Doch wer auf den politischen Frequenzen hört, hört Stimmen mit Karte. Die Democratic Socialists of America haben Rechenzentren zum Kampffeld erklärt — Seattle, Portland, nun New York. DSA-Kapitel führen den Widerstand gegen Wasser- und Energieverbrauch an. Astra Taylor, Veteranin der Occupy-Wall-Street-Bewegung, sagte am 21. Juni bei einer virtuellen DSA-Ecosocialism-Veranstaltung, der Widerstand sei "eine der größten politischen Chancen, die ich persönlich je gesehen habe". Wer so formuliert, denkt in Wahlkämpfen, nicht in Stromnetzen.

In Albany sitzt Staatssenatorin Kristen Gonzalez. Sie ist DSA-Mitglied mit Ausweis, vertritt Teile von Queens, Manhattan und Brooklyn und hat das "Responsible Data Center Development Act" eingebracht — jenes Gesetz, das jetzt in Form der Executive Order sein erstes Jahr nimmt. "Technologie soll unser Leben besser machen, nicht unser Wasser verschmutzen, unser Netz belasten oder unsere Stromrechnungen nach oben treiben", erklärte Gonzalez am Dienstag.

Die Gegenrechnung kommt aus der Wirtschaft. Steve Fulop, Chef der Partnership for New York City, vertritt die dreihundert größten Unternehmen der Stadt — darunter die Wall-Street-Häuser und die großen Finanzdienstleister. Am Sonntag im WABC-Radio bei John Catsimatidis sagte er, das Moratorium sende ein Signal an Investoren, dass New York zum riskanteren Pflaster werde. Pennsylvania etwa arbeite mit Gemeinden zusammen, statt Baustopps zu verhängen. Fulop wörtlich: "Ein Jahr Moratorium erreicht gar nichts. Ein Jahr Aufschub löst kein Problem." Sein Argument: Jede Suchanfrage auf dem Handy, jeder gestreamte Film laufe über ein Rechenzentrum. "Wir brauchen mehr Zugang zu Daten."

Das Manhattan Institute liefert die Zahlen für die andere Lesart. Stu Smith, dortiger Analyst, hat den DSA-Widerstand gegen die Zentren untersucht. Sein Urteil: "Das ist albern. In New York versuchen Leute, diese Stadt zur KI-Hauptstadt der Welt zu machen. New York schießt sich damit ins eigene Knie." Smith verweist nach Süden, auf Loudoun County in Virginia. Siebzig Prozent des weltweiten täglichen Internetverkehrs laufen dort durch, rund 250 Rechenzentren stehen in einer Region, die inzwischen zu den reichsten des Landes gehört. "Data Center Alley" wird sie genannt.

Hochul, mitten im Wiederwahlkampf, balanciert zwischen der progressiven Basis ihrer Partei und dem moderaten Dem-Flügel. Die Executive Order brachte ihr Lob aus den Reihen der Sozialisten, scharfe Kritik aus Washington — Präsident Trump nannte den Schritt einen Fehler. Die Gouverneurin hält dagegen. Sie wolle den Bürgern Schutz bieten und den Unternehmen zugleich Planungssicherheit geben. Beides verspricht sie.

Ein Jahr Atempause, eine politische Rechnung, ein Wirtschaftsfaktor im Milliardenbereich. Wer am Ende den Preis zahlt — die Gemeinden ohne Cloud-Zugang, die Investoren mit kühleren Aussichten, die Haushalte mit höheren Stromrechnungen, die KI-Start-ups ohne lokales Rechenzentrum — das wird sich zeigen, wenn im Sommer 2027 die Pause endet. Falls sie endet.

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