be Wahrheit über Datenschutz
Die Drähte haben wieder einmal gesummt. Diesmal aus dem Westen, aus Kalifornien, wo — so verkünden es die Agenturmeldungen — Bürgerinnen und Bürger ihre persönlichen Daten mit einem einzigen Klick schützen können. Eine elegante Lösung. Eine bequeme Lösung. Eine Lösung, die mir, die ich seit Jahren Frequenzen abhöre, die andere als Rauschen abtun, ein wenig zu glatt poliert klingt.
Was genau heißt hier „ein Klick"? In meinem Metier — Telegraphie, Funk, Radar — bedeutet ein Klick ein geschlossener Kontakt. Ein Stromkreis, der sich schließt. Ein Signal, das einmal geht und dann ruht. Aber Daten, die mich über Jahre begleiten, die bei Versicherungen, Behörden, Arbeitgebern, Kreditgebern liegen, die in Aktenordnern und Lochkarten gespeichert sind (oder was immer die Zukunft bringt), lassen sich nicht mit einem einzigen Schalter neutralisieren. Das wissen alle, die je einen Morsecode entschlüsselt haben. Auch jene, die man nicht an die Geräte lässt.
Kalifornien ist ein riesiger Markt. Achtzehn Millionen Menschen, dicht besiedelt, wirtschaftlich vernetzt. Wer dort eine Schutzfunktion anbietet, der bietet sie praktisch einem ganzen Land im Kleinformat an. Wenn die Meldung stimmt, dann hat irgendjemand — eine Behörde, ein Unternehmen, eine Initiative — eine Schnittstelle geschaffen, die diesen einen Klick entgegennimmt. Die Frage ist nicht, ob ein Klick technisch möglich ist. Natürlich ist er das. Die Frage ist, was nach dem Klick passiert. Wer bestätigt? Wer leitet weiter? Wer schreibt mit? Welche Instanz erhält die Mitteilung, und wie wird verhindert, dass sie selbst zur Datenquelle wird?
Ich habe gelernt, jede Schaltung zu prüfen, bevor ich sie einschalte. Eine Schutzfunktion, die ich nicht verstehe, schütze ich nicht — sie schützt mich. Oder sie schützt jemand anderen vor mir. In der Funktechnik nennt man das „Sperrkreis": eine Anordnung, die bestimmte Frequenzen unterdrückt, aber nur, solange man die Bauteile kennt. Wer nicht weiß, was im Inneren des Kastens steckt, kann nicht beurteilen, ob er wirklich filtert oder nur den Empfang verschiebt.
Die Behauptung „ein Klick" suggeriert Geschwindigkeit. Sie suggeriert, dass der Vorgang in Sekunden erledigt ist. Aber Schutz ist kein Moment, sondern ein Dauerzustand. Wer heute klickt, muss morgen erneut klicken — oder er muss darauf vertrauen, dass das System ihn erinnert, die Einträge aktualisiert, die Sperrungen erneuert. Genau hier wird die Mechanik relevant: Eine Schutzfunktion, die nur punktuell wirkt, ist keine Schutzfunktion. Sie ist ein Alibi.
Ich warte auf die Details. Auf die Verordnung, die genau beschreibt, welche Datenkategorien erfasst werden, welche Stellen zur Zusammenarbeit verpflichtet sind, wie der Antragsteller identifiziert wird, wie Missbrauch verhindert wird. Eine Funklizenz bekommt man auch nicht mit einem Satz im Telegramm. Drei Prüfungen, ein Antrag, eine Frequenzzuweisung. Warum sollte Datenschutz so trivial sein, wo Telekommunikation es nicht ist?
Wer profitiert? Die Bürger, so sagt man. Aber auch die Anbieter solcher Klick-Lösungen — seien es Softwarehäuser, Beratungsfirmen oder Behörden, die Schnittstellen pflegen. Wer zahlt den Preis? Diejenigen, die glauben, ein Klick genüge, und später erleben, dass ihre Daten längst an Stellen zirkulieren, die der Klick gar nicht erreicht hat. „Ein Klick" ist eine Verheißung. Die Wirklichkeit ist eine Verkabelung.
In den nächsten Tagen werde ich weiterhin auf den Drähten sein. Wer aus Kalifornien mehr weiß — die Schaltung, die Instanz, die Reichweite — der melde sich. Ich übersetze. Ich prüfe. Ich schalte nicht blind.