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treiben Big Tech in eine Risikokrise die niemand sehen will

28. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Draht kam um drei Uhr morgens. Nicht von der Pressestelle eines Konzerns, nicht aus dem Finanzministerium, nicht von einer Bank. Von einem Mann, der zwölf Jahre an der Börse gearbeitet hat und heute im Ruhestand Risikokennzahlen sammelt wie andere Leute Briefmarken. Einzelne Quelle, ungenannt, aber ich kenne das Material seit Jahren. Ich habe die Daten gegen die letzten verfügbaren Quartalsberichte geprüft. Ich habe die Tendenz gegen die Bewertungen der Ratingagenturen abgeglichen. Die Summe stimmt. Die Richtung stimmt. Und genau das ist das Problem.

Die Kreditrisiken der großen Technologiekonzerne steigen derzeit sprunghaft. Nicht schleichend, nicht in Prozentbruchteilen, nicht in der Form, in der Analysten das seit Jahren gewohnt sind. Die Kurve, die Versicherer und Pensionsfonds als gemütlich abfallend kannten, knickt nach oben. Und hier wird es brenzlig: Dieser Anstieg fällt zeitlich präzise zusammen mit einer beispiellosen Ausgabenlawine für künstliche Intelligenz.

Die Korrelation ist eindeutig. Die Kausalität ist noch nicht abschließend belegt, liegt aber auf der Hand. Diese Konzerne pumpen Milliarden in Rechenzentren, in Chips, in Stromverträge, in Talente. Sie finanzieren das nicht aus Gewinnen, nicht aus Cash-Reserven. Sie finanzieren das mit Schulden — mit Anleihen, mit Kreditlinien, mit Instrumenten, die in den Bilanzen als langfristige Verbindlichkeiten stehen, aber operativ kurzfristig bedient werden müssen. Jeder Dollar, der in KI fließt, erhöht die Verschuldung. Jeder Dollar Verschuldung erhöht das Ausfallrisiko, sobald die Einnahmen nicht in dem Tempo wachsen, das die Börse heute einpreist.

Was mich an dieser Zahl beunruhigt, ist nicht ihre absolute Höhe. Es ist das, was sie verdeckt.

Eine Kurve, die so bricht, lenkt den Blick auf das Symptom. Das Symptom ist: Die mächtigsten Firmen der westlichen Wirtschaft werden kreditwürdig auf Pump. Das ist die Schlagzeile, die morgen jeder schreibt. Ich habe sie schon im Kopf. Aber die eigentliche Frage ist eine andere. Sie lautet: Welche strukturellen Schwachstellen entstehen, wenn die größten Posten in den Indizes ihre Bonität auf eine einzige Annahme stützen — die Annahme, dass KI in den nächsten Geschäftsperioden liefert, was sie verspricht?

Konkret heißt das: Die Bilanzen dieser Konzerne sind heute nur dann stabil, wenn ein bestimmtes Wachstum eintritt. Das ist Abhängigkeitsrisiko. Es reicht ein einziges Quartal mit enttäuschenden KI-Umsätzen, um den Schuldendienst in Frage zu stellen. Ratingagenturen werden gezwungen sein, herabzustufen. Pensionsfonds, die Tech-Anleihen halten, werden in Bewegung geraten. Die Kettenreaktion ist standardisiert, sie steht in jedem Lehrbuch der Finanzkrise.

Hinzu kommt die Konzentration. Wenn alle großen Player denselben Hebel benutzen — Schulden für KI —, dann ist das Risiko nicht mehr firmenspezifisch. Es ist systemisch. Es ist ein Kartenhaus, in dem jede Karte auf jeder anderen liegt. Was oben wackelt, reißt alles mit. Die beruhigende Erzählung, dass es diesmal anders sei, weil Technologieunternehmen Cash-Flow-Maschinen sind, hält nur so lange, wie die Maschinen laufen wie geplant.

Die offene Frage, die mir an dieser Quelle am wichtigsten erscheint, ist nicht ob, sondern wann. Was passiert, wenn die KI-Ausgaben zurückgefahren werden müssen, weil die Rendite nicht in der erwarteten Höhe kommt? Welche Banken sitzen dann auf den faulen Papieren? Welche Versicherer? Welche Fonds, die in den Rentenwerken der arbeitenden Bevölkerung stecken? Wer zahlt den Preis, wenn die dringlichen Investitionen von heute zu den Abschreibungen von morgen werden?

Mein Büro riecht nach Lötzinn und kaltem Kaffee. Die Drähte summen weiter. Aber der Ton hat sich verändert. Und wer zuhört, hört die Frequenz, die anderen zu hoch ist.

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