SPUR IM ÄTHER: Cwal, 1996, eine Sendung ohne verifizierten Sender
Mein Name ist Ada Voss, ich schreibe für die Terminal Tribune, und was hier auf meinem Schreibtisch liegt, riecht nach einer archivarischen Anomalie. In der Kategorie TECH ist mir eine Sendung gemeldet worden, die dort nichts zu suchen hat — oder vielleicht gerade dort, wenn man genau hinhört. Es geht um einen Film. Er heißt "Cwal", trägt den Zusatz "AKA At Full Gallop", wurde 1996 veröffentlicht und wird präsentiert von "The Sunday Morning Movie". Die Laufzeit: 1 Stunde und 44 Minuten, dazu Bonusmaterial. Mehr habe ich nicht. Eine einzige Quelle. Keine Bestätigung durch eine zweite Redaktion, kein Hinweis auf einen Sender, kein Senderverzeichnis, das diesen Programmplatz führt.
Ich beginne mit dem, was vor mir liegt: ein Film aus dem Jahre 1996. Damals lief die Verbreitung von Bewegtbild über Kanäle, die noch nicht ganz Kino und noch nicht ganz Fernsehen waren. Videokassetten kursierten. Die Compact Disc als Datenträger existierte seit gut einem Jahrzehnt, das Internet war ein Forschungsnetz, das World Wide Web gerade zwei Jahre alt. Wer 1996 einen Film unter einer Reihenbezeichnung wie "The Sunday Morning Movie" präsentierte, tat das nicht im klassischen Programmschema einer Sendeanstalt. Er tat es auf einem Datenträger, in einer Aufzeichnung, in einer Distributionsform, die zwischen Veröffentlichung und Sendung lag.
Und genau das ist die Brücke, die mich interessiert. Warum landet ein Film von 1996 in der Rubrik TECH? Die Antwort, so meine Arbeitshypothese, liegt nicht im Inhalt des Streifens, sondern in der Art, wie er verbreitet wurde. "The Sunday Morning Movie" klingt nach einer wöchentlichen Reihe, nach einer Programmkennung, nach einer Art Hauskino oder Kompilationsreihe, wie sie auf dem Heimvideomarkt und später auf DVD üblich waren. Wenn ein solcher Träger existiert, dann ist er selbst ein Stück Distributionsgeschichte. Er ist das Produkt einer Technologie, die Filme vom Kino ins Wohnzimmer trägt, und er ist ein Beispiel für frühe digitale Medien, in denen die Grenze zwischen Programm und Archivprodukt noch nicht festgezogen war.
Aber ich muss vorsichtig sein. Ich habe nur eine einzige Meldung. Eine. Keine Bestätigung durch einen zweiten Sender, kein Eintrag in einer Kinodatenbank, keine Rezension in einer damaligen Tageszeitung, kein VHS-Cover mit Barcode, kein DVD-Impressum. Wer "The Sunday Morning Movie Presents: Cwal AKA At Full Gallop" präsentiert, ist nicht nachgewiesen. Ob der Film tatsächlich 1996 erschien, ist nicht nachgewiesen. Ob die Laufzeit von 1 Stunde und 44 Minuten plus Bonusmaterial korrekt erfasst wurde, ist nicht nachgewiesen. Alles, was ich habe, ist ein einzelner Datensatz, der behauptet, dies sei eine Sendung der Kategorie TECH.
Diese Vorsicht ist kein Zierrat. Sie ist Methode. Eine Sendung, die nicht quergeprüft werden kann, ist für mich kein Faktum, sondern eine Frequenz, auf der möglicherweise jemand sendet — oder auch nicht. Ich schreibe sie nicht ab. Ich schreibe sie aber auch nicht hoch. Ich notiere sie als das, was sie ist: ein vereinzeltes Signal.
Was an dieser Meldung dennoch hängenbleibt, ist die Form. Die Kategorisierung als TECH impliziert, dass die einliefernde Redaktion den Film nicht als Unterhaltung, sondern als Phänomen einordnet. Das ist eine redaktionelle Entscheidung. Wer ein VHS- oder DVD-Produkt aus dem Jahr 1996 als Technologie-Phänomen markiert, der sagt implizit: hier geht es um die Verbreitung von Daten, um Reproduktion, um die Vervielfältigung eines Mediums durch ein anderes. Der Film selbst mag nichts darüber wissen. Aber der Träger, auf dem er reiste, weiß eine Menge. Er weiß, wie man eine Stunde vierundvierzig Minuten Bild und Ton in eine Hülle bekommt. Er weiß, wie man diesen Inhalt in einem Regal findet, in einem Versandhaus bestellt, in einem Geschäft ausleiht. Er ist ein Knoten in einem Verteilernetz.
Insofern ist die Einordnung als TECH keine Beleidigung des Films. Sie ist eine Aussage über das, was Filme im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts geworden sind: Daten. Bewegte Bilder, die auf einer Scheibe liegen, die sich lesen lässt wie ein Buch. Eine solche Aussage muss man nicht mögen. Aber man muss sie registrieren.
Ich registriere also. Ich notiere Titel, Alias, Jahr, Laufzeit, Präsentator. Ich notiere die Quelle als einzelne Quelle. Ich notiere, dass keine zweite Quelle vorliegt. Und ich notiere, dass die Zuordnung zur Kategorie TECH eine redaktionelle Setzung ist, die auf der Annahme beruht, dass 1996 ein Wendepunkt in der Art war, wie Filme als distributierbare Güter behandelt wurden. Diese Annahme ist plausibel, aber sie ist keine Tatsache. Sie ist eine Hypothese, die ich an dieser Stelle nicht abschließend prüfen kann.
Was bleibt? Ein Filmtitel, ein Alias, ein Jahr, eine Laufzeit, ein Präsentator. Eine Sendung, die als TECH geführt wird. Eine einzelne Meldung, deren Wahrheitsgehalt offen ist. Ich werde die Frequenz halten. Sobald eine zweite Quelle auftaucht — ein Senderverzeichnis, ein Verleihkatalog, eine Datenbank, eine zeitgenössische Rezension — werde ich nachziehen. Bis dahin bleibt Cwal, was es für mich ist: eine Spur. Keine Geschichte. Eine Spur.