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Prozeß fällt aus – Kläger zieht gegen Meta zurück, drei Tage vor Beginn

29. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Los Angeles. Drei Tage vor Prozeßbeginn. Der fünfzehnjährige R.K.C. aus Florida hat seine Klage gegen Meta fallenlassen. Was als wegweisendes Verfahren gegen vier der größten Sozialplattformen der Welt begonnen hatte, endet für den Konzern aus Menlo Park in einer schlichten Aktenbewegung – ohne Cent, ohne Eingeständnis, ohne Prozeß.

Lassen Sie mich sortieren, was übrig bleibt. R.K.C. hatte ursprünglich vier Beklagte benannt: Google-Tochter YouTube, Metas Instagram, Snaps Snapchat und ByteDances TikTok. Vier Namen, vier Konzerne, ein Vorwurf: Die Plattformen seien verantwortlich für Sucht, Depression und Angstzustände, die sein Leben seit dem achten Lebensjahr begleiten. Damals, mit acht, habe er angefangen zu scrollen, zu swipen, zu konsumieren. Heute ist er fünfzehn. Vor einem mehrwöchigen Prozeß in Los Angeles stand er – besser: stand er bis Mittwoch.

Seine Anwälte erklärten am Mittwoch, der Kläger habe sich "im Lichte des insgesamt erfolgreichen Ergebnisses des Verfahrens und seiner Bedenken hinsichtlich eines strapaziösen, wochenlangen Prozesses" entschieden, die Ansprüche gegen Meta zurückzuziehen. "Er ist bereit, dieses Kapitel zu schließen und sich auf seine Genesung zu konzentrieren, eine Therapie zu beginnen, ein normales Leben anzustreben." Die Worte klingen nach Erlösung. Sie klingen nicht nach Triumph. Sie klingen nach einem Jungen, der müde ist.

Die anderen drei Beklagten sind bereits aus dem Verfahren ausgeschieden. YouTube und TikTok einigten sich im Juni – Summen unbekannt, Klauseln unter Verschluß, Details streng geheim. Am Montag meldete Bloomberg, daß auch Snap eine vorläufige Einigung erzielt habe. Was bleibt, ist Meta – allein im Richterstuhl. Beinahe.

Dann, Mittwoch. Die Anwälte sprechen von Erfolg. Metas Pressestelle spricht von Grundlosigkeit. Ein Sprecher teilte mit, R.K.C. habe die Ansprüche "ohne jede Zahlung" zurückgezogen. "Die Ansprüche haben nie standgehalten", sagte das Unternehmen weiter, "und dieses Ergebnis macht deutlich, daß wir uns nicht davon abbringen lassen, uns gegen grundlose Klagen zu verteidigen."

Die Rechnung, die jetzt auf dem Tisch liegt: drei Vergleiche, eine Kapitulation, kein Präzedenzfall, keine Geschworenen, keine Beweisaufnahme. Was in einem Saal in Los Angeles noch auf den Tisch gekommen wäre – interne Dokumente, Mitarbeiter-Aussagen, Algorithmus-Protokolle, E-Mails aus Menlo Park, Memoranden über Jugendschutz, Protokolle von Designsitzungen – bleibt im Verschluß der Akten. Was in diesen letzten Tagen zwischen den Anwälten besprochen wurde, bleibt Sache der Anwälte.

Ein Kläger stand am Anfang, vier Beklagte sollten antworten. Am Ende steht ein Konzern ohne Cent Verlust, mit einer Akte weniger in der Schublade, und ein Jugendlicher, der sein normales Leben sucht. Die Mathematik dieser Justiz ist eine eigene Wissenschaft, und ihre Einheit ist die Stunde vor Prozeßbeginn.

Meta geht derweil werbend an die Öffentlichkeit. Am Donnerstag teilte Mark Zuckerberg ein Video, das die Zukunft der künstlichen Intelligenz als verbindendes Versprechen framt; Schlagworte wie "wir setzen auf Menschen" und "die Zukunft gehört allen". Eine Werbung in derselben Woche, in der ein fünfzehnjähriger Kläger den Prozeß verliert, den er nie führen wird.

Was nicht geschlossen ist, ist die Frage, die unter dieser Akte liegt: wer kontrolliert die Plattformen, wer profitiert von den Kindern, die mit acht anfangen, wer zahlt den Preis. Die nächsten Drähte summen bereits.

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