Sie schalten um, ohne zu wissen, was sie einschalten
London. Die Drähte summen anders seit letzter Woche. In Westminster ist ein Schalter umgelegt worden, und niemand im Kabinett scheint zu wissen, welche Apparatur er damit bedient. Ein neuer Premierminister zapft Bier und dreht Kurzfilme für das Telefon, statt zu regieren. So lesen es die Depeschen aus London. Sein Name: Burnham. Der Mann, den ein Erdrutsch an die Macht trug, schraubt jetzt an Frequenzen, von denen er nichts versteht.
In seiner ersten Amtswoche geschah es. Burnham strich das Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Technologie. Jenes DSIT, das die Vorgängerregierung unter Sunak einrichtete, weil irgendwer in Whitehall endlich begriffen hatte, dass die neuen Maschinen — diese künstlichen Intelligenzen, diese lernenden Apparate — kein Spielzeug mehr sind. Sie sind Akteure. Das DSIT war die einzige Stelle der Krone, die wirklich verstand, was ein Modell ist, das von selbst lernt. Es prüfte die gefährlichen unter ihnen. Jenes Anthropic-Modell namens Mythos zum Beispiel, das man durch das Institut schickte, weil man ihm misstraute und trotzdem nicht darauf verzichten konnte.
Burnham hat das Institut ins Kabinettbüro verlegt. Das Kabinettbüro ist eine Schaltzentrale für alles und nichts. Es ist der Hausmeister des Staates. Man schickt das Sicherheitsproblem einer ganzen Technologie dorthin, weil der Premier einen neuen Unterstaatssekretär für Künstliche Intelligenz ernannt hat. Ein gewisser Kanishka Narayan — ein fähiger Kopf, sagen jene, die ihn kennen. Er darf im Kabinett sitzen. Das klingt nach Aufwertung. Es ist das Gegenteil.
Denn ein Minister, der nur im Kabinett sitzt, ist ein Minister ohne Amt. Ein Minister ohne Amt ist ein Stimmungsposten. Burnham verkauft eine Stimmung. Er verkauft das Bild eines Landes, das die neue Technologie ernst nimmt, während er die Einrichtung zerlegt, die das Einzige tat, was Schutz versprach: Sie schaute den Maschinen beim Denken zu.
Ich habe als Telegraphistin angefangen. Ich weiß, wie ein Relais aussieht, das ohne Aufsicht läuft. Es sendet, bis es durchbrennt. Oder bis jemand anderes mithört.
Die Maschinen, von denen hier die Rede ist, sind keine Bohrer. Es sind Systeme, die eigene Entscheidungen treffen, die aus Daten Schlüsse ziehen, die kein Mensch mehr vollständig nachvollziehen kann. Sie lernen. Sie verändern sich. Sie schreiben sich selbst um, während wir schlafen. Eine Technologie, die ihre eigenen Parameter neu justiert, ist kein Werkzeug. Sie ist ein Akteur.
Wer eine solche Apparatur baut, ohne zu wissen, wie ihr Inneres tickt, der baut eine Anlage ohne Schalttafel. Wer sie dann einer Behörde übergibt, die nicht einmal weiß, wie man einen Schraubenzieher hält, der hat das Brandmal schon gesetzt. Es braucht keinen Krieg. Es braucht keinen Feind von außen. Die Bedrohung sitzt in der Schaltzentrale selbst.
Nicht Rußland. Nicht China. Nicht der Klimawandel, nicht die Atombombe. Sarah Vine schrieb es diese Woche in ihre Kolumne, und sie hat recht. Die größte Bedrohung unserer Zeit kommt nicht von außen. Sie kommt aus dem Kabinett. Sie kommt aus dem blinden Vertrauen jener, die glauben, sie könnten die Maschine bedienen, indem sie den Stecker ziehen.
Burnham hat den Stecker gezogen. Er hat die Leute, die den Draht zur Maschine hielten, entlassen. Er hat den Prüfstand abgebaut. Er hat die Fachleute aus dem Spiel genommen, weil sie unter dem Vorgänger dienten. Die Begründung, die auf den Depeschen steht: ein Erfolg der Vorgängerregierung, der nicht in die Erzählung der neuen passt. So liest man es in den Spalten der anderen Zeitungen.
Das ist das Muster. Eine Regierung, die lieber Stimmung bedient als Substanz. Eine Obrigkeit, die eine Prüfstelle außer Betrieb setzt, weil ihr das Etikett des Herstellers nicht passt. Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahrhundert. Es wird nicht das letzte sein.
Was bleibt? Ein Minister ohne Ressourcen. Ein Institut ohne Heimstatt. Eine Regierung, die glaubt, ein gerahmtes Foto sei ein Programm. Und eine Maschine, die weiterläuft. Läuft und läuft und läuft.
Wer kontrolliert das? Nicht die Obrigkeit. Nicht das Parlament. Die Konzerne, die diese Modelle bauen, kontrollieren das. Sie bauen die Apparatur, wir liefern die Daten, und die Regierung nickt dazu. Wer zahlt den Preis? Die Fabrikarbeiter, die heute schon ahnen, dass ihre Hände bald stillstehen. Die Angestellten, die in den nächsten Jahren erleben werden, dass ihre Arbeit von etwas erledigt wird, das nie schläft.
Die Wahrheit ist komplizierter als jeder Krieg. Sie sitzt in den Relais. Sie summt in den Drähten. Sie wartet darauf, dass jemand zuhört. Bisher hört niemand zu. London hört nur das eigene Echo.
Ada Voss ist Technologiereporterin der Terminal Tribune.