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NHS überarbeitet Palantir-Daten – doch niemand sagt, welche

3. August 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

London. NHS England revidiert derzeit die Datenstrukturen auf seiner Palantir-Plattform. Anlass: Bedenken des eigenen Personals. Welche Daten genau diese Sorge ausgelöst haben – darüber schweigt die Behörde. Wir warten auf Antwort.

Die Nachricht kam knapp, ohne Erläuterung. NHS England bestätigt eine Revision der Palantir-Datenplattform, ausgelöst durch Sorgen der Angestellten. Nicht „Bürgerbedenken", nicht „Patientenproteste" – Angestelltenbedenken. Das Personal, das täglich an diesen Terminals sitzt, hat etwas gesehen, das es nicht ignorieren konnte. Oder es wurde eine Zugriffsregel sichtbar, die offiziell nicht existieren sollte. Beides verdient eine Antwort, keine Presseerklärung in Zeitlupentempo.

Ich höre auf den Drähten, seit ich einen Morseschlüssel bedienen durfte. Wer in der Suppenküche der Verantwortlichen sitzt, erfährt nichts. Wer auf den Drähten sitzt, hört das Summen, bevor jemand den Stecker zieht. Wer Datenreihen liest, sieht Muster, bevor sie als Muster benannt werden dürfen.

Das Misstrauen zwischen staatlich gelieferter Technologie und dem Personal, das sie bedienen muss, ist nicht neu. Es ist älter als die Plattform selbst. Schon im Sommer 2021 berichteten Forschende bei NHS England, dass ihnen der Zugang zu Datensätzen auf der Palantir-Plattform verweigert wurde – ohne Begründung, trotz wiederholter Anfragen auf mehr Transparenz. Die Coronadaten-Plattform, damals wie heute ein Palantir-Produkt, war für die eigenen Analysten ein schwarzes Fenster mit Firmenlogo. Wer die Daten einsehen wollte, die er auswerten sollte, bekam eine Mauer.

Im Mai dieses Jahres erhielt NHS England einen weiteren Rüffel von der Aufsicht. Die Datenschutz-Folgenabschätzung – Data Protection Impact Assessment, kurz DPIA – für den sogenannten „National Data Integration Tenant" gab die tatsächlichen Zugriffsrechte nicht korrekt wieder. Palantir-Mitarbeiter, so die inzwischen erfolgte Bestätigung, können identifizierbare Patientendaten einsehen. Eine Anordnung, die in der offiziellen Bewertung schlicht fehlte. Wer bewertet, was nicht in der Bewertung steht? Niemand.

Die Analystinnen und Analysten, die das System täglich nutzen, haben sich inzwischen organisiert. In einem offenen Brief wandten sie sich gemeinsam gegen die Federated Data Platform – ebenfalls ein Palantir-Produkt, diesmal breiter angelegt, langfristiger geplant. Ihre Vorwürfe sind klar benannt: Risiken für das Vertrauen der Patientinnen, das Wohl des Personals, die Qualität der Daten, die nationale Souveränität und die langfristige Integrität der gesamten NHS-Dateninfrastruktur. Über hundert NHS-Organisationen sind im ersten Jahr an Bord gegangen, darunter 87 einzelne Trusts. Die Plattform wächst schneller als jede Aufsicht darüber.

Jetzt also die Revision. Ausgelöst durch Personalbedenken. Wir wissen, dass etwas revidiert wird. Wir wissen, dass das Personal den Finger gehoben hat. Wir wissen nicht, welche Daten konkret betroffen sind, welche Zugriffsrechte beanstandet wurden, welche Konfigurationen auf dem Prüfstand stehen. Genau hier sitzt der Skandal – oder das Versäumnis, ihn als Skandal zu benennen.

Ein System, das Behandelnde benutzen müssen, aber nicht durchschauen dürfen, ist kein Werkzeug. Es ist eine Blackbox mit Dienstanweisung. Wer den Zugang verweigert, wer DPIAs ungenau hält, wer das Personal mit seinen Bedenken allein lässt – der zwingt die Bediener, gegen ihre eigene Berufsethik zu arbeiten. Eine Medizinerin, die nicht weiß, wer ihre Patientendaten einsehen kann, kann keine informierte Einwilligung einholen. Sie kann nur hoffen, dass die Maschine das Richtige tut. Hoffnung ist keine Aufsicht.

Die Frage, die jetzt auf dem Tisch liegt und auf dem Tisch bleiben muss, ist nicht ob revidiert wird, sondern was revidiert wird. Sind es Routinen im Datenzugriff? Identifikatoren, die Patienten rückverfolgbar machen? Schnittstellen, über die Daten das Land verlassen? Profilbildungen, die niemand bestellt hat? Alles möglich. Nichts bestätigt.

Wir warten akut auf eine belastbare Antwort. Nicht auf eine Pressemitteilung mit drei Adjektiven und einem Verb. Nicht auf eine beschwichtigende Telefonkonferenz mit ausgewählten Stimmen. Auf die konkrete Auskunft: Welche Datenkategorie, welche Zugriffsebene, welcher Zeitraum. Solange das fehlt, ist diese Revision eine Übung in Schadensbegrenzung ohne Karte des Schadens.

Die Terminal Tribune wird nachlegen, sobald die Bestätigung eintrifft. Bis dahin gilt: Die Drähte summen weiter. Und irgendwo in einem Büro, das nach Lötzinn und kaltem Kaffee riecht, sitzt jemand, der die Frequenz kennt, auf der diese Geschichte gesendet wird.

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