Eröffnet im Juli, fertig erst 2032 — No10 Nord und die Lücke dazwischen
Manchester, Juli 2026. Der Teppich liegt, die Kameras laufen, die Reden sind geschrieben. Andy Burnham nennt es den „besten Tag meines Lebens". Er sagt, er wolle „Großbritannien wieder hoffen lassen". No10 Nord ist eröffnet — jener neue Regierungssitz im Nordwesten Englands, der Teil einer Politik sein soll, die er als „Wachstum in jeder Ecke des Landes" beschreibt.
Was an diesem Tag tatsächlich eröffnet wurde, ist die eine Sache. Was an diesem Tag noch nicht steht, die andere.
Denn der permanente Komplex — das sogenannte „Digital Campus", fünf Acres groß, auf einem ehemaligen Einzelhandelsgelände, das der Stadtrat bereits 2017 erworben hat — wird nach den bisherigen Plänen erst 2032 bezugsfertig. Sechs Jahre. Sechs Jahre zwischen Fototermin und Fundament. Sechs Jahre, in denen aus einem leeren Grundstück eine politische Bühne wurde, die ein Versprechen tragen soll.
Burnham flog für diesen Auftritt auf dem Regierungsjet nach Manchester und wies gleichzeitig Berichte über hohe Sicherheitskosten zurück. Er sagt, die Einrichtung sei „kein Gimmick". Wahrscheinlich hat er damit sogar recht. Ein Gimmick wäre billig und vergänglich. Was hier stattfindet, ist etwas anderes: eine politische Infrastruktur, die schneller inszeniert wird, als die physische gebaut werden kann.
Schauen wir auf das, was bisher an Fakten vorliegt. Die Treasury hat den „outline case" für den Digital Campus im März dieses Jahres genehmigt. Die Bauarbeiten sollen „in den kommenden Jahren" beginnen — eine Formulierung, die so dehnbar ist wie ein nicht justiertes Sendesignal. Fünf Acres, ein digitaler Campus. Die Wörter klingen nach etwas, das zwischen Manchester und San Francisco liegen könnte — nur mit weniger Sonnenlicht und deutlich mehr Akten.
Hinzu kommt Burnhams Vorschlag, die HS2-Anbindung Manchesters mit langsameren Zügen und Kosten von sechzig Milliarden Pfund neu aufzulegen. Kritiker nennen das Vorhaben bereits ein „fantasy scheme". Sechzig Milliarden für eine langsamere Variante dessen, was ursprünglich versprochen wurde. Das ist, als würde man ein Funksignal durch zu viel Lötzinn schicken — es kommt an, aber schwächer als angekündigt.
Wer profitiert? Wer kontrolliert? Wer zahlt den Preis, wenn der „outline case" zu optimistisch kalkuliert war, die Bauarbeiten sich verzögern, die Sicherheitskosten weiter steigen? Das sind keine hypothetischen Fragen. Das sind die Frequenzen, auf denen ein Signal liegt, lange bevor es in den Nachrichten ankommt.
Eins lässt sich heute schon festhalten: Wer in Manchester derzeit einen Blick auf das Grundstück wirft, sieht keinen Regierungssitz. Wer in sechs Jahren hinschaut, wird möglicherweise auch keinen sehen. Was bleibt, ist ein Versprechen — und Versprechen sind die billigste Ware, die in der Politik gehandelt wird.
Ada Voss, Terminal Tribune