Ein Funkspruch ohne Sender — wir prüfen eine unbestätigte Quelle
Die Terminal Tribune erreicht in diesen Stunden ein Hinweis, der bislang nicht mehr ist als genau das: ein Hinweis. Eine einzelne Quelle, namentlich nicht genannt, hat Material angeboten, das nach eigener Darstellung Licht in einen Vorgang bringen soll, über den in diesen Räumen bislang niemand Rechenschaft ablegen kann. Wir veröffentlichen an dieser Stelle keine Behauptung, kein Detail und kein Zitat, das wir nicht selbst geprüft haben — und genau das ist der Punkt dieses Berichts.
Was bisher vorliegt, ist dünn. Zu dünn. Eine Mitteilung, ein Termin, ein Versprechen. Drei Bausteine, aus denen sich noch kein Artikel bauen lässt, der diesen Namen verdient. Die Leser der Tribune wissen, dass wir Meldungen nicht in den Druck geben, weil sie uns gefallen. Wir geben sie in den Druck, weil sie stimmen. Und im Moment stimmt hier nichts außer der Tatsache, dass sich jemand gemeldet hat.
Ich sitze an diesem Tisch seit vierzehn Jahren. Telegraphie, Funk, Radardienst — die Drähte haben mich nicht belogen, und sie werden es auch in Zukunft nicht tun, sofern man zuhört. Wer nur hört, was er hören will, hört früher oder später das Falsche. Genau aus diesem Grund behandeln wir den vorliegenden Hinweis mit der Sorgfalt, die ein unbestätigter Sachverhalt verlangt: mit äußerster Zurückhaltung.
Die Kollegen von der Fact-Check-Redaktion — intern führen wir das Verfahren unter der Kennung correctiv_check, ein Aktenzeichen, das nichts beschönigt und nichts verschleiert — haben die Prüfung aufgenommen. correctiv_check ist unser Standard: jede Behauptung wird gegen verfügbare Quellen, Dokumente und Gegenrecherche gehalten, bevor sie gedruckt wird. Was diese Prüfung ergibt, entscheidet, ob aus einem Gerücht eine Meldung wird oder ob es bei einem Gerücht bleibt. Die Leser sollen wissen: diese Kontrolle läuft, sie läuft jetzt, und sie läuft ohne Rücksicht auf den Terminkalender der Quelle.
Wir sagen offen, was wir nicht wissen. Wir wissen nicht, wer hinter der Mitteilung steht. Wir wissen nicht, in wessen Auftrag gehandelt wird. Wir wissen nicht, ob das angekündigte Material tatsächlich existiert, ob es vollständig ist, ob es authentisch ist. Wir wissen nicht, welches Interesse die Quelle verfolgt — ob Aufklärung, ob Inszenierung, ob etwas Drittes, das uns erst beim Lesen des Materials auffallen würde. All das sind keine Nebensächlichkeiten. Es sind die entscheidenden Fragen, die vor jeder Veröffentlichung beantwortet sein müssen.
Ebenso offen sagen wir, was wir wissen. Wir wissen, dass die Mitteilung in unser Haus gelangt ist. Wir wissen, dass sie den Anspruch erhebt, einen bisher unbeachteten Vorgang zu betreffen. Wir wissen, dass unsere Redaktion die Prüfung übernommen hat. Mehr nicht. Wer jetzt schon Schlüsse zieht, zeichnet sie auf eigene Rechnung.
Die Haltung der Tribune in solchen Fällen ist alt und unbequem: Wir veröffentlichen, was sich verifizieren lässt. Wir schweigen, was sich nicht verifizieren lässt. Das Schweigen ist kein Versteck — es ist Disziplin. Wer in diesem Beruf ohne ausreichende Grundlage druckt, schadet nicht nur dem Blatt, sondern vor allem denen, die eine reale Geschichte verdient haben, statt einer erfundenen.
Sollte das angekündigte Material eintreffen und die Prüfung bestehen, werden wir berichten. Sollte es nicht eintreffen, werden wir berichten, dass es nicht eingetroffen ist. Sollte sich die Quelle als das herausstellen, was sie möglicherweise ist — ein Irrtum, eine Finte, ein Versuchsballon — dann gehört auch das in diese Spalten, denn Verschweigen schützt nur den, der verschweigt.
Bis dahin gilt: Die Drähte summen. Ich übersetze noch nicht.