776 Millionen für ein weiteres Jahr Camp East Montana
El Paso, Texas. Siebenhundertsechsundsiebzig Millionen Dollar verlängern den Mietvertrag um ein weiteres Jahr. Die Buchungsleitung steht, die Kameras laufen, das Wachpersonal ist eingeplant — alles funktioniert wie ein Wartungsvertrag. Nur die drei Namen, die seit August 2025 aus der Anlage nicht mehr rauskamen, lassen sich nicht in einer Bilanzzeile ablegen.
US Immigration and Customs Enforcement hat die Lease für Camp East Montana in El Paso um mindestens zwölf Monate verlängert. Eine knappe Viertelmilliarde pro Quartal, zusätzlich zu dem, was bereits geflossen ist. Die Anlage, am 1. August 2025 eröffnet, war von Anfang an auf Volumenunterbringung ausgelegt. Ende Februar 2026 saßen dort etwa 1.600 Menschen ohne amerikanische Staatsbürgerschaft ein.
Die Hardware ist die Aussage. Wer das Innere dieser Anlage betritt — und das haben inzwischen Kongressabgeordnete getan — sieht zuerst die Infrastruktur: Zäune, Scanner, Kameras, Kontrollpunkte. Dahinter beginnt das, was in keinem Pflichtenheft auftaucht.
Die demokratische Kongressabgeordnete Veronica Escobar aus Texas bringt es auf den Sender: „Sie bekommen minderwertiges Essen. Sie bekommen nicht die medizinische Versorgung, die sie brauchen. Dieser Ort muss geschlossen werden." Ein gemeinsamer Bericht von Human Rights Watch und der American Civil Liberties Union dokumentiert schwere Übergriffe durch Wachpersonal, medizinische Vernachlässigung, Überbelegung und fehlende Transparenz. Ein Insasse sagte den Untersuchern: „Die Wärter schlagen uns. Wenn sich einer für uns einsetzt, lassen sie es an allen aus. Sie schlagen einen dafür, dass man seine Rechte einfordert, Essen oder Medizin, die man nicht bekommt."
Drei Häftlinge sind seit Eröffnung gestorben. Das Government Accountability Office stellte im Juni 2026 fest, dass die Anlage wesentliche Standards für Haftbedingungen nicht erfüllt — „die Sicherheit von Häftlingen und Personal gefährdend".
Die Trump-Administration hält dagegen: niedrige Zahlen an Grenzübertritten, ICE-Beamte in gefährlichem Umfeld. ICE selbst teilte auf Anfrage mit, niemand werde geschlagen oder misshandelt, alle Häftlinge hätten Zugang zu Essen, medizinischer Versorgung, Rechtsbeistand und Kommunikation mit Familien.
Rep. Luz Rivas aus Kalifornien, deren Bezirk Los Angeles nach ihren Worten die meisten ICE-Razzien gesehen hat, sagte nach einem Besuch in der Anlage Dilley, Texas: „Wir wollen nicht, dass unsere Regierung oder ICE-Beamte wie innere Terroristen handeln." Rep. Joaquin Castro führte eine Delegation von mehr als hundert Kongressabgeordneten an, die die Schließung der Dilley-Anlage fordert. Berichten zufolge wurden dort auch Familien festgehalten, darunter ein zwei Monate altes Kind.
Der Mietvertrag ist die unsichtbare Schicht unter dem, was die Kameras aufzeichnen. Externe Berichte sprechen von einer Vertragsverlängerung ohne Ausschreibung. Die Lease wird verlängert, weil die Anlage gebraucht wird. Die Anlage wird gebraucht, weil die Festnahmen nicht zurückgehen. Die Festnahmen gehen nicht zurück, weil das Geschäftsmodell für profitorientierte Betreiber Anreize setzt — die Festnahme selbst ist die Ware, das Bett ist der Tagessatz.
For-profit Gefängnisunternehmen stehen im Zentrum der Kritik. Rep. Delia Ramirez forderte bei einer Anhörung des Heimatschutzausschusses die Abschaffung von ICE und die Zerschlagung des Department of Homeland Security, mit direktem Verweis auf die Betreiberstrukturen. Rep. Ayanna Pressley nannte Präsident Trump einen „Diktator" und warnte vor Beschwichtigung, die historisch nie funktioniert habe.
Ein Sprecher des DHS konterte: Angriffe gegen ICE-Bedienstete seien um 1.300 Prozent gestiegen, seit Politiker die Behörde dämonisierten. Der Kongress hat unterdessen eine Hürde für ein weiteres ICE-Finanzierungspaket über siebzig Milliarden Dollar genommen.
Was bleibt: ein Mietvertrag, der eine Anlage hält, die nach Auskunft des eigenen Rechnungshofes Standards verfehlt. Die Hardline steht, die Kameras drehen sich, die Quote wird gefüllt. Wer drei Tote und 776 Millionen Dollar mit derselben Tinte unterschreibt, hat die Mechanik der Maschine verstanden.
Ada Voss, Terminal Tribune