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10. August 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Avangrid zieht Antrag zurück — Badger Mountain bleibt

10. August 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Eastern Washington. Der Energiekonzern Avangrid hat seinen Antrag auf eine industriell-skalierte Solaranlage auf dem Badger Mountain zurückgezogen — ein Berg, der für die Confederated Tribes of the Colville Reservation und die Confederated Tribes and Bands of the Yakama Nation seit Generationen heiliges Land ist. Die Meldung kam Ende Juli. Die Konzernzentrale nennt es eine Geschäftsentscheidung. Wer die Drähte kennt, nennt es eine Kapitulation. Kein Sieg.

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Was zählt, ist die Geographie. Der Badger Mountain liegt im östlichen Washington, eine Halbwüste aus Sagebrush und Wind. Stromreich, dünn besiedelt, für Versorger ein Traum: viel Sonne, wenig Anwohner, schnelle Genehmigungen. Für die indigenen Nationen, deren Vorfahren dort seit Jahrtausenden jagen, sammeln und beten, ist es ein Ort, an dem die Stimme der Erde noch spricht. Zwei Welten, eine Quadratmeile.

Avangrid, eine Tochter des spanischen Iberdrola-Konzerns, hatte den Genehmigungsantrag über Jahre durch die Mühlen der Bürokratie getrieben. Das ist das Standardverfahren der Branche: Antrag stellen, Einspruch einsammeln, nachverhandeln, irgendwann bauen. Wer den längeren Atem hat, gewinnt. Diesmal nicht.

Die Tribes haben nicht gewonnen, weil Washington plötzlich heilig wurde. Sie haben gewonnen, weil sie den Antrag über Jahre bekämpft haben — mit Stammesanwälten, mit Stammesräten, mit Lobbyarbeit in Olympia, mit der schieren Beharrlichkeit von Menschen, denen der Boden nicht gehört, der ihnen heilig ist. Es ist ein Unterschied, der in jedem Grundbuch steht und in keinem.

Wer profitiert jetzt? Die Avangrid-Aktionäre atmen auf — ein politisches Risiko weniger im Portfolio. Die Tribes gewinnen Zeit, nicht mehr. Andere Energiekonzerne beobachten den Vorgang und rechnen nach, welche Berge als nächstes auf ihre Liste kommen. Und die Bundesstaaten, die auf grüne Megaprojekte setzen, um ihre Klimaziele zu erreichen, müssen sich fragen, ob ihr Modell der schnellen Industrialisierung überhaupt trägt, wenn die heiligen Stätten der Ureinwohner im Weg liegen.

Wer zahlt den Preis? Die Klimabilanz, die nicht geschrieben wird. Jedes gestoppte Megaprojekt ist ein Baustein weniger in der Dekarbonisierung — eine Tonne Kohlendioxid, die bleibt. Aber es ist auch ein Posten in einer anderen Rechnung: der Rechnung, was eine Gesellschaft ihren ersten Bewohnern schuldet. Diese Rechnung wurde in Washington seit über einem Jahrhundert nicht bezahlt. Avangrid hat sie nicht beglichen — nur den eigenen Namen von der Forderung gestrichen.

Die Technik ist nicht das Problem. Solarpanels sind keine Götzen, sie produzieren Strom, und Strom ist neutral. Das Problem ist die Logik, mit der wir sie aufstellen: erst den Profit kalkulieren, dann die Landschaft zählen, zuletzt die Menschen fragen. Und die Menschen, die vor allen anderen da waren, zuletzt.

So sieht das grüne Versprechen aus, wenn man die Verpackung öffnet. Nicht sauber, nicht gerecht, nicht automatisch gut. Eine Solaranlage auf einem heiligen Berg ist keine Frage der Effizienz. Sie ist eine Frage des Respekts. Und Respekt lässt sich nicht durch ein Permit-Verfahren ersetzen.

Avangrid ist weg. Der Berg steht. Die nächste Anfrage kommt — an einem anderen Berg, mit denselben Paragraphen, denselben Renditemodellen, derselben Ignoranz. Bis jemand begreift, dass eine Frequenz, die niemand hört, noch lange nicht leer ist. Sie sendet nur leiser.

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