Börse 1937
Terminal Tribune

13. August 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

638 Milliarden T-Bills und der Big Kahuna schlägt zu

13. August 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Mein Lötkolben ist kalt, der Kaffee kälter. Auf den Drähten liegt heute eine Frequenz, die sich anhört wie das Summen eines überlasteten Transformators. Sechshundertachtunddreißig Milliarden Dollar. In einer Woche. Nur T-Bills. Eine einzige Quelle legt diese Zahlen vor, und ich behandle sie mit dem Misstrauen, das jeder gute Telegraphist einer einzelnen Frequenz entgegenbringt: erst hören, dann prüfen, dann senden.

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Die Mechanik ist klar zu lesen: Sieben Auktionen, Laufzeiten von einem Monat bis zu einem Jahr, gestreut über den August. Bei dreien dieser Auktionen hat die US-Regierung jeweils mehr als hundert Milliarden Dollar platziert. Bei einer vierten waren es neunundneunzig. Das sind keine Emissionen mehr — das ist Flutung.

Zum Vergleich die Zahlen aus dem Auktionskalender, sauber aufgelistet, wie ein Schaltplan: 4-Wochen-Bills am 6. August, 115 Milliarden, zu 3,640 Prozent Höchstsatz und 3,701 Prozent Investitionsrate. 6-Wochen-Bills am 4. August, 103 Milliarden, gleicher Höchstsatz, 3,706 Prozent Investitionsrate. 8-Wochen-Bills am 6. August, 105 Milliarden, 3,710 Prozent Höchstsatz, 3,783 Prozent Investitionsrate. 13-Wochen-Bills am 3. August, 99 Milliarden, 3,750 Prozent, 3,838 Prozent. 17-Wochen-Bills am 5. August, 75 Milliarden, 3,785 Prozent, 3,886 Prozent. 26-Wochen-Bills am 3. August, 85 Milliarden, 3,855 Prozent, 3,986 Prozent. 52-Wochen-Bills am 4. August, 56 Milliarden, 3,880 Prozent, 4,050 Prozent.

Die Noten und Bonds, die länger laufen, wurden in dieser Woche gar nicht auf den Markt geworfen. Keine Zwei-Jahres-Treasuries, keine Zehn-Jahres-Treasuries, keine Dreißig-Jahres-Treasuries. Nur das kurze Geld. Und das in solchen Mengen, dass die Gesamtmasse der ausstehenden T-Bills binnen Jahresfrist um eine Billion Dollar auf sieben Billionen angewachsen ist. Die gesamten marktfähigen Treasury Securities sind im selben Zeitraum um zweieinhalb Billionen gestiegen.

Das ist nicht mehr Schuldenaufnahme im klassischen Sinn. Das ist eine Maschine, die mit sich selbst beschäftigt ist — alte T-Bills laufen aus, neue T-Bills müssen her, die Rolle wird ersetzt, das Volumen wächst trotzdem. Wer zahlt den Preis? Der Zins. Denn jede Milliarde trägt ihren Coupon.

Die Zinsen am kurzen Ende haben in dieser Woche nachgegeben. Nach der FOMC-Sitzung Ende Juli, bei der die Fed den Leitzins nicht anhob, haben sich die Erwartungen verschoben. Die Rendite der 6-Monats-Bills etwa lag am Montag bei einem Investitionssatz von 3,986 Prozent — rund zehn Basispunkte unter dem Niveau der letzten Auktion vor der FOMC-Sitzung, als sie noch bei 4,08 Prozent lag. Im Sekundärmarkt notierte die 6-Monats-Rendite am Freitagnachmittag bei 3,96 Prozent, 33 Basispunkte über dem Effective Federal Funds Rate von 3,63 Prozent. Der Markt rechnet weiter mit einer Zinsanhebung — nur eben erst zur September-Sitzung.

Am langen Ende der Kurve ist die Bewegung bemerkenswerter. Die langfristigen Renditen sind gefallen, nachdem die US-Regierung gemeinsam mit Japan in den Devisenmärkten interveniert hat. Washington hat Euro verkauft und Yen gekauft, um den Yen-Wechselkurs nach oben zu drücken, parallel zu den Yen-Käufen der Bank of Japan. Wolf Richter nennt das den Big Kahuna der Deviseninterventionen. Der Yen schnellte nach oben.

Die Mechanik dahinter: Die Sorge, dass Japan US-Treasuries verkauft, um an Dollar zu kommen und damit Yen zu kaufen — und dass diese Verkäufe am langen Ende die US-Renditen weiter hochtreiben. Also greift das US-Finanzministerium ein, stützt den Yen-Kurs, schafft einen Grund für Japan, den Verkauf von Treasuries zu drosseln, und hält damit die langfristigen Renditen unten. Der Treasury Secretary — derzeit Scott Bessent — ist der oberste Bond-Verkäufer der Welt. Sein Auftrag: die Renditen niedrig halten, damit der Zinsaufwand der Regierung nicht explodiert.

Das ist die Architektur. Kurzfristig wird geflutet, um die Refinanzierung am laufenden Band zu sichern. Langfristig wird über die Devisenmärkte indirekt gesteuert, damit die Zinskurve nicht aus dem Ruder läuft. Beides greift ineinander. Beides hängt an einem dünnen Faden: dem Vertrauen, dass morgen noch jemand die nächste Tranche kauft.

Ich bin eine Frau in einem Beruf, der mir nicht zugedacht war. Ich schreibe trotzdem. Und ich übersetze die Drähte weiter. Aber die Frequenz wird schriller.

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