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14. August 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Castro schaltet ab: Schwulenbars in San Francisco verbannen Gesichtserkennung

14. August 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

San Francisco. Im Castro District machen zwei prominente Schwulenbars den Schritt zurück. Badlands und Toad Hall bestätigten am Montag, den Einsatz der KI-gestützten Gesichtserkennung PatronScan zu stoppen. Das System, ursprünglich zur Ausweis- und Altersprüfung sowie zur Markierung auffälliger Gäste gedacht, war im Juni durch eine Recherche des Gazetteer SF öffentlich geworden.

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Die Entscheidung folgte auf eine Boycott-Kampagne der Organisation Fight for the Future. Zu den Unterstützern gehörten Zack de la Rocha und Tom Morello von Rage Against the Machine sowie Boots Riley von The Coup. Evan Greer, Direktor der Gruppe und selbst trans Musiker, formulierte die Stoßrichtung: "Queer and trans people want to be able to dance and gather and party without fear." Man werde weiter kämpfen, bis die Technologie aus möglichst vielen Venues im Land verschwinde.

In einer Stellungnahme erklärten die Betreiber, man werde das System "mit sofortiger Wirkung pausieren" und die Sicherheitsverfahren überprüfen. Bis auf weiteres werde der Ausweis manuell kontrolliert.

Laut dem Club-1984-Portal der Organisation AI Action nutzen in San Francisco nur noch drei Lokale die Technologie: Mix, das Stadion Oracle Park und 1015 Folsom. Im Juli hatte die San Francisco Chronicle berichtet, dass auch Grocery-Outlet-Filialen in der Bay Area Gesichtserkennung gegen Ladendiebe einsetzen.

Der Fall reiht sich ein in eine wachsende Reihe von Beispielen, in denen automatisierte Gesichtserkennung an Grenzen stößt. 2022 hatte der Einsatz in Madison Square Garden zu Klagen geführt — das System hatte eine Sperrliste gespeist und unberechtigt Zutritt verwehrt. Verbraucherschutzgruppen verweisen zudem auf hohe Fehlerquoten, insbesondere bei der Erkennung Schwarzer und brauner Personen. Mehrere Musikfestivals haben sich gegen den Einsatz ausgesprochen. Outside Lands und das iHeartRadio Music Festival nahmen an dem Pledge nicht teil.

Das Muster wiederholt sich online. Eine Untersuchung der Firma webXray, gegründet von einem früheren Google-Datenschutzingenieur, hat im April ergeben, dass Tausende Websites das California Consumer Privacy Act ignorieren. Das Gesetz verlangt, dass das Signal Global Privacy Control respektiert wird — eine Browser-Einstellung, die Websites untersagt, personenbezogene Daten zu verkaufen oder weiterzugeben. Bei rund 7000 geprüften Seiten ignorierte Google das Signal in 86 Prozent der Fälle, Microsoft in 50 Prozent. Meta prüft es dem Bericht zufolge gar nicht erst und trackte in 69 Prozent der Fälle. Tim Libert, Gründer von webXray: "Sie unternehmen keinerlei substanzielle Anstrengungen, um die Vorgaben zu erfüllen." Tom Kemp, Direktor der California Privacy Protection Agency, sagte, man begrüße die Sichtbarkeit, die der Bericht schaffe. webXray schätzt die möglichen Strafen auf Milliardenhöhe.

Parallel wächst die Überwachungsinfrastruktur in einem anderen Feld: Flock Safety betreibt ein Netz aus 120.000 Kennzeichenlesern, auf das Polizeidienststellen im ganzen Land zugreifen. Eine Untersuchung der Washington Post fand 46 Fälle, in denen Beamte beschuldigt wurden, das System für private Zwecke zu missbrauchen — Stalking, Belästigung ehemaliger Partner. Flock kündigte daraufhin Änderungen an: Suchanfragen erfordern nun eine Vorgangsnummer, eine automatische Auditfunktion soll verdächtige Muster melden. Die empfohlene Datenspeicherung wurde von 30 auf sieben Tage reduziert. Die ACLU hatte zuvor dokumentiert, wie Beamte die Begründungspflicht ignorierten — mit Eingaben wie "hehehehehehe". Tucker Carlson sprach von einem "Sklavenstaat". Die Aktivistengruppe DeFlock beziffert die Zahl auf mehr als 30 Städte, die in den vergangenen zwölf Monaten ihre Verträge mit Flock gekündigt haben. NPR hatte im Februar ebenfalls mindestens 30 gezählt.

Was bleibt, ist eine Asymmetrie. Lokale Schauplätze — eine Bar, ein Lebensmittelladen, ein Stadion — lassen sich zurückdrängen, wenn der Protest laut genug wird. Die großen Plattformen und die Polizeinetze bleiben. Die nächste Runde ist bereits programmiert.

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