DIE MASCHINE TANZT — TANZ WIRD STILL
Es beginnt wie jede brauchbare Story mit einem Geräusch, das niemand hören will. Diesmal kein Morsezeichen, sondern das leise Klacken einer Tastatur in einem Labor im sonnigen Kalifornien. Ingenieure füttern Maschinen mit Bewegung. Sie füttern sie mit Hüften, Füßen, gestreckten Armen, gebeugten Knien. Sie füttern sie mit dem, was seit Menschengedenken nicht gefüttert, sondern getanzt wurde.
Die Maschine lernt.
So berichten es CalMatters, KESQ und KRDO übereinstimmend zum 31. Januar dieses Jahres. Generative Künstliche Intelligenz — jene Sorte Algorithmen, die aus Texten Bilder, aus Bildern Filme und aus Datenströmen Bewegungen erzeugt — steht nach Einschätzung ihrer Entwickler kurz davor, den Heiligen Gral der Bewegungskunst zu heben: den menschlichen Tanz.
Was nach Hokuspokus klingt, ist Handwerk. Ein System schluckt zehntausend Stunden Tanzaufnahmen, zerlegt jede Bewegung in Vektoren und Wahrscheinlichkeiten. Welcher Fuß folgt auf welches Knie? Welche Hüfte wann? Dann spuckt es aus: eine Sequenz, die wie Tanz aussieht. Schritte sitzen. Rhythmus stimmt. Software prüft das Frame für Frame.
Und genau hier wird es still im Äther.
Eine Tänzerin, die der Originalbericht zitiert, bringt es auf eine Formel: „Es würde die kulturelle und soziale Bedeutung verfehlen, und ohne das ist es kein Vogeltanz." Vogeltanz — ein Ritual, keine Choreografie. Gebet, nicht Performance. Eine Maschine kann die Geometrie des Flügelschlagens imitieren. Sie kann nicht wissen, warum der Vogel fliegt.
Genau an dieser Naht bricht die Geschichte entzwei.
Einerseits: Die Technologie macht Fortschritte, die vor wenigen Jahren noch nach Zauberei aussahen. Bewegungserkennung, Bewegungssynthese, Bewegungsprognose — alles auf dem Vormarsch, alles hungrig nach Daten. Andererseits: Was hier nachgeahmt wird, ist nicht der Tanz. Es ist die Hülle. Der Körper ohne Atem, die Geste ohne Gedächtnis, die Linie ohne die Linie, die jemand zuvor schon einmal auf den Boden einer Werkstatt geritzt hat.
Die Reporterfrage stellt sich von selbst. Wer profitiert, wenn die Maschine tanzt? Die Entwickler, die mit jedem Trainingsdurchbruch Investoren bei Laune halten. Die Unterhaltungsindustrie, die billigere Produktionen sucht. Die Plattformen, deren Algorithmen Sequenzen auf Taktfrequenz schneiden und millionenfach ausspielen. Wer zahlt den Preis? Die Studios, deren Choreografen austauschbar werden. Die Tänzerinnen, deren Körper zu Datensätzen werden. Die Kulturen, deren Tänze in Trainingspaketen zerlegt werden, ohne dass die Gemeinschaft, die sie hervorgebracht hat, je gefragt wurde.
Die offene Frage steht im Raum, dick und unübersehbar: Wie nah ist diese Technologie wirklich daran, den Tanz zu zerstören?
Die Antwort, welche die Berichte liefern, ist ein Sowohl-als-auch. Maschinen werden besser, schneller, billiger. Sie werden Bewegungen produzieren, die menschlich aussehen. Sie werden keine Tänzerin sein, die nach der Vorstellung weint, weil ihre Großmutter denselben Tanz getanzt hat. Sie werden nicht wissen, was ein Schritt wiegt, wenn er zuletzt vor einem Begräbnis getanzt wurde.
Ob das reicht, um den Tanz zu zerstören, ist eine andere Frequenz. Sie wird gerade erst eingespielt. Wir sollten mithören, bevor sie ein anderer Sender besetzt.
Mein Büro riecht nach Lötzinn. Der Kaffee ist kalt. Die Maschine lernt tanzen. Und ich notiere, was auf der Leitung liegt.
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