Tote Leitung: MOU zwischen USA und Iran läuft aus
Die Drähte zwischen Washington und Teheran summen, aber sie tragen kein Signal mehr. Was als diplomatischer Kanal zwischen den Vereinigten Staaten und Iran begann, droht in den kommenden Tagen vollständig zu verstummen. Das Memorandum of Understanding, das die Grundlage der laufenden Gespräche bildet, nähert sich seinem Ablaufdatum — und die Bedingungen, unter denen es verlängert werden könnte, sind soeben zerbrochen.
Der republikanische Abgeordnete Darrell Issa hat unmissverständlich klargestellt, was aus seiner Sicht geschehen muss, bevor von „sinnnvollen Verhandlungen" mit Iran die Rede sein könne: ein Wechsel an der Spitze des iranischen Regimes. Die Botschaft ist eindeutig. Sie macht jede noch so vorsichtig formulierte Gesprächsbrücke zur Makulatur.
Zur Erinnerung: Im Jahr 2025 hatte US-Präsident Donald Trump ein Schreiben an Irans obersten Führer Ali Khamenei gerichtet, darin eine 60-Tage-Frist gesetzt — ein Zeitfenster, das wirken sollte, nicht verhandeln. Die Gespräche, die in der Folge zwischen beiden Regierungen aufgenommen wurden, liefen über Monate, stets begleitet von einem parallelen Schatten: dem gegenseitigen Drohszenario, das die diplomatischen Kanäle flankiert. Funkstille ist nie wirklich eingetreten, doch das, was über die Drähte geht, klingt zunehmend nach dem Countdown einer Bombe.
Issa formulierte es in einem Fernsehauftritt so: Iran habe keine Möglichkeit, aus der Konfrontation herauszufinden, weil es diesen Weg nicht wolle. Die Islamische Republik sei, was sie seit fast einem halben Jahrhundert sei — ein terroristischer, auf Expansion angelegter ideologischer Staat. Wer mit solchen Akteuren verhandle, müsse zuerst die Führungsfrage klären. Ohne diesen Wechsel, so die implizite Logik, sei jeder Tisch, an dem man sich gegenübersitze, eine Bühne ohne Publikum.
Die Gegenposition ist nicht weniger deutlich. Ein hochrangiger Berater des Kommandeurs der Iranischen Revolutionsgarden gab in einem seltenen Interview zu Protokoll: Die Führung des Landes müsse durch eine Mehrheitsentscheidung des Volkes bestimmt werden, das mit dem Land verbunden sei. Dies werde gewiss nicht durch eine Atombombe geschehen. Und man bevorzuge, dass das zionistische Regime nicht existiere — so wie das frühere südafrikanische Apartheidregime nicht mehr existiere. Die Parallele, die hier gezogen wird, sagt mehr über das Selbstverständnis der Führung in Teheran als jedes Protokoll.
Die Situation ist verfahren. Während in Washington weiterhin die Bedingung eines Führungswechsels als Prämisse genannt wird, formuliert Teheran seinerseits Positionen, die keinen Raum für Kompromisse lassen. Das MOU, das bislang den Rahmen für die Verhandlungen bildete, läuft aus. Was danach kommt, ist ungewiss.
Beobachter äußern zunehmend Sorge, dass die Spannungen sich in Richtung der amerikanischen Kongresswahlen zuspitzen könnten. Die Logik solcher Eskalation ist aus früheren Wahlkämpfen hinlänglich bekannt.
Parallel dazu verschlechtern sich die Indikatoren an den Rohstoffmärkten. Energie- und Commodity-Lieferketten, die in den vergangenen zwei Jahren ohnehin unter Druck standen, zeigen weitere Erosion. Die Straße von Hormuz, durch die ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels fließt, liegt im Zentrum der Risikoabschätzungen. Versicherungsprämien für Tanker steigen, Logistikketten werden umgeleitet, Händler rechnen Szenarien durch, die noch vor wenigen Monaten als unwahrscheinlich galten.
Die Terminal Tribune hat in den vergangenen Wochen mit Quellen gesprochen, die die Kommunikation zwischen den Verhandlungsdelegationen beobachten. Was sie berichten, klingt durchgängig nach Funkstille beiderseits der Tasten. Die Kanäle sind offen, aber die Frequenz trägt keinen Inhalt. Es werden Positionen ausgetauscht, keine Annäherungen. Wer in dieser Konstellation den ersten Schritt zurück macht, verliert innenpolitisch. Also macht niemand einen.
Das auslaufende Memorandum ist der unsichere Bruchpunkt. Solange es formal existiert, gibt es zumindest den Rahmen, innerhalb dessen Diplomatie überhaupt stattfinden kann. Fällt es weg, gibt es keine gemeinsame Sprache mehr, an der sich Verhandeln festmachen lässt. Die technische Infrastruktur des Dialogs — Terminabsprachen, Arbeitsgruppen, vertrauliche Kanäle — hängt an diesem dünnen seidenen Faden.
Was bleibt, ist eine tickende Uhr. Die Frist, die Trump im Jahr 2025 gesetzt hatte, ist längst abgelaufen. Die Folgezeit wurde mit Verhandlungen gefüllt, die niemand als erfolgreich bezeichnen würde. Die kommenden Tage werden zeigen, ob in Washington die Bereitschaft wächst, das MOU fallen zu lassen und damit den Weg für eine Phase offener Konfrontation freizumachen — oder ob ein letzter Formelkompromiss die Fassade aufrechterhält.
Die Drähte summen. Ich übersetze, was ich höre. Im Moment: nichts, was nach Lösung klingt.
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