Eine Bürste, drei Beteuerungen — warum versichert uns das niemand?
Drei Sätze, drei Quellen, eine Behauptung: Smear-Bürsten seien sicher. Wer so etwas sagen muss, sagt es nicht ohne Grund. Ich höre hin und frage nach.
Da steht es, schwarz auf weiß, in einer Produktbeschreibung aus dem Versandhandel für medizinisches Zubehör: "Non-Toxic Cervical Smear Brush for Healthcare Gynecological Exams." Das Wort "non-toxic" — ungiftig — steht ganz vorn, vor dem Produkt selbst. Entwickelt, heißt es weiter, um eine ausreichende Probe von Zervixzellen zu entnehmen. Die Bürste helfe, verlässliche Testergebnisse zu sichern. Sie sei ein "vital tool for routine Pap smear". Man könnte es als Information lesen. Man könnte es als Beruhigung lesen. Beides schließt sich nicht aus.
Eine zweite Stimme, diesmal aus einem Ratgeber für Frauengesundheit, formuliert es zurückhaltender: "The Pap smear test is generally a safe procedure with minimal risks." Generell sicher. Minimale Risiken. Das ist die Sprache derer, die wissen, dass es nicht null ist. Wer "generell" sagt, hat schon einen Fall gesehen. Wer "minimal" sagt, hat eine Schmerzgrenze definiert, die irgendwo beginnt.
Was also steckt in diesen Bürsten, wenn man den Behauptungen auf den Grund geht? Die Hersteller versichern Ungiftigkeit. Das ist das Mindeste — und gleichzeitig das Wenigste. Eine Bürste, die in den Körper einer Frau eingeführt wird, sollte mehr können als ungiftig sein. Sie sollte steril sein. Sie sollte keine Fasern in die Probe verlieren. Sie sollte so geformt sein, dass sie keine Schleimhäute verletzt. Sie sollte eine erkennbare Herstelleradresse tragen, eine Chargennummer, ein Ablaufdatum.
Davon steht nichts in den mir vorliegenden Quellen. Nur: sicher. Nur: non-toxic. Nur: generally safe.
Ich übersetze weiter. "Sicher" — vor wem? Vor dem Verdacht, dass hier ein Material verwendet wird, das reizt oder splittert. "Non-toxic" — vor dem Vorwurf, dass billige Polymere unter schöner Verpackung in die Praxen geliefert werden. "Disposable" — vor der Frage, ob die Stücke nach Gebrauch tatsächlich entsorgt werden, wie es sich gehört, oder ob in der Hinterkammer einer Praxis einmal mehr verwendet wird, als die Packung hergibt. Das Wort beantwortet die Frage nicht. Es stellt sie nur weg.
Die Industrie spricht von Sicherheit, wenn sie das Wort benutzt, weil das Wort billig ist. Eine Behauptung kostet nichts. Eine Behauptung zu widerlegen kostet eine Laboranalyse, einen Zeitungsartikel, einen verärgerten Leserbrief. Also sagt man "sicher" und hofft, dass niemand nachbohrt.
Es gibt Parallelen in anderen Branchen, in denen Frauen etwas an oder in die Nähe ihrer Schleimhäute bringen. In den Kosmetikabteilungen der Warenhäuser etwa, wo Make-up zur Probe aufgetragen wird, gelten eigene Regeln: am Handgelenk testen, die Augenpartie schützen, den Applikator nicht teilen. Auch dort wird über "sicheres Testen" gesprochen — als wäre der Standard nicht selbstverständlich, sondern eine Errungenschaft, die immer wieder neu erklärt werden muss. Auch dort trägt am Ende die Frau die Beweislast: hat sie gelesen, hat sie gefragt, hat sie sich geschützt?
Die Bürste in der gynäkologischen Praxis ist kein Lippenstift. Sie ist ein Instrument, das Gewebe entnimmt. Wer ein solches Instrument verkauft, schuldet der Patientin mehr als das Wort "sicher". Wer es anwendet, schuldet ihr mehr als eine sanfte Stimme im Wartezimmer. Die schuldet ihr ein Zertifikat, eine Chargennummer, eine Herstelleradresse, an die man sich wenden kann, wenn etwas schiefgeht.
In den mir vorliegenden Quellen finde ich: einen Onlineshop, einen Ratgebertext, eine Produktbeschreibung. Drei Beteuerungen. Kein Prüfsiegel. Keine Behörde, die das Wort "sicher" autorisiert. Keine Meldung über Rückrufe, keine Liste bekannter Komplikationen, keine Adresse für Beschwerden.
Ich bleibe dran. Die Drähte summen weiter, und irgendwo in einer Praxis liegt eine Frau auf dem Stuhl und vertraut darauf, dass jemand vor ihr geprüft hat, was dort eingeführt wird. Sie hat das Recht, zu erfahren, wer.
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