PEKINGS FÜNFJAHRPLAN — 1,8 GTCE ERNEUERBARE, KOHLE ALS VERTRAUEN
Peking, Spätsommer 2026. Der Fünfjahresplan ist das Rückgrat chinesischer Industriepolitik — eine Mischung aus Wunschzettel, Befehl und Propaganda. Was Peking in diesen Plänen verspricht, prägt nicht nur den Binnenmarkt, sondern auch die globale Klimabilanz. Der 15. Plan, gerade veröffentlicht, trägt den Stempel eines Landes, das seine internationalen Klimaverpflichtungen erweitern will und gleichzeitig nicht von der Kohle lassen kann. Auf dem Papier steht beides. Die Frage ist, was davon Gewicht hat und was vor allem für die Pressekonferenz geschrieben wurde.
Der Plan enthält ein Ausbauziel für Erneuerbare. Bis 2030 soll der Verbrauch erneuerbarer Energien bei 1,8 Gigatonnen Steinkohleeinheiten stehen. Der Ausgangswert 2025 lag bei 1,2 Gtce. Das ist ein Sprung um 600 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten in fünf Jahren. Gerechnet auf den Gesamtenergieverbrauch Chinas, der 2025 bei rund 6,2 Gtce lag, entsprechen 1,2 Gtce etwa einem Fünftel. Die Quelle für diese Zahl ist die Fachpublikation Carbon Brief, die den Plan Wort für Wort gegenrechnet.
Ein Fünftel Erneuerbare. Vier Fünftel anderes. Und das andere ist, jeder weiß es, dominiert von Kohle. Genau hier wird die Sache widersprüchlich. Die Nationale Energieadministration hat in derselben Pressekonferenz, die den Plan flankierte, keinen Abschied von der Kohle angekündigt. Wang Hongzhi, Chef der Behörde, sagte wörtlich, Kohle sei die größte Quelle der Zuversicht für eine stabile Energieversorgung. Das Wirtschaftsportal CleanTechnica hat den Satz dokumentiert. Wer ihn überliest, liest die Überschrift, nicht den Text.
Der Begriff Konfidenz ist kein Zufall. Konfidenz heißt: Vertrauen in Versorgungssicherheit. Die offizielle Logik dahinter: Solange das Stromnetz wächst und schwere Industrien — Stahl, Zement, Chemie — auf preisgünstige Steinkohle setzen, bleibt Kohle der Anker. Die Erneuerbaren werden zugeschaltet, nicht ersetzt. Das ist die Architektur des Plans. Und der Plan bewirbt sie ausdrücklich.
Nun zur Klimaseite. China hat sein internationales Klimaziel erweitert — das 2035er-Versprechen wurde vergangenes Jahr vorgelegt. Es enthält allerdings keine Zielmarke mehr für die Kohlenstoffintensität, jene Kennzahl, die jahrelang als Gradmesser chinesischer Anstrengungen galt. Wer aber die alte Methodik weiter anlegt, kommt zu einem anderen Ergebnis. Um das ursprüngliche Ziel zu erfüllen, hätte China im Zeitraum des 15. Fünfjahresplans eine Reduktion der Kohlenstoffintensität von 23 Prozent festschreiben müssen. Auch diese Zahl kommt von Carbon Brief. Im aktuellen Plan steht sie nicht mehr. Der Maßstab wurde verschoben.
Das ist kein Detail. Es ist die Messlatte, an der Fortschritt gemessen wird. Wer die Latte verschiebt, kann leichter über sie springen.
Praktisch heißt das: Auf der Habenseite steht ein Ausbauziel für Erneuerbare, das die Statistik freundlicher aussehen lässt. Auf der Sollseite steht eine Energiepolitik, die Kohle als Versorgungssäule und Rohstoffbasis für Industrieprodukte ausdrücklich festhält. Beide Seiten stehen in den Dokumenten. Beide werden von derselben Regierung getragen. Niemand muss raten, woher der Wind weht.
Die ausländische Berichterstattung tut sich schwer mit der Einordnung. Carbon Brief listet die Zielwerte sauber auf und benennt das Fehlen der Kohlenstoffintensitäts-Zielmarke. CleanTechnica zitiert die Worte der Energieadministration und bilanziert, der Konflikt zwischen Klima- und Kohlepolitik werde die Rolle der Kohle im chinesischen Energiesystem stärken — sowohl als Energiequelle als auch als Rohstoffbasis für Industriewaren. Das ist keine Außenmeinung. Das ist die Wiedergabe offizieller Aussagen.
Was bleibt, ist eine Mischrechnung. Die Erneuerbaren wachsen. Die Kohle bleibt. Die internationale Klimazielmarke wurde weicher gestellt. Wer in Peking den Schalter bedient, ist klar — die Nationale Energieadministration, deren Chef Kohle als Vertrauen bezeichnet. Wer die Klimabilanz prüft, sieht den Spalt zwischen den Zahlen, die im Plan stehen, und den Zahlen, die in der Atmosphäre ankommen.
Ich übersetze, was die Drähte tragen. In dieser Sache summen zwei Frequenzen gleichzeitig. Eine sagt: Wir bauen aus. Die andere sagt: Wir halten fest. Beide kommen aus derselben Sendestation.
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