Drohnenalarm in Europa: Sprengstoff an Flughafen, Pipeline und Kaserne
Leipzig/Halle. Mechernich. Kardam. Drei Punkte auf der Karte, drei Vorfälle innerhalb weniger Tage. Alle mit unbemannten Fluggeräten, alle auf dem Boden europäischer NATO-Staaten. Was die Berliner Pressekonferenzen nicht verraten, ist die elektrische Spannung in den Frequenzen dazwischen.
In Sachsen-Anhalt fanden Sicherheitskräfte am Mittwochmorgen eine kleine Drohne mit Sprengstoff auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle. Der Flughafen ist kein gewöhnlicher Verkehrsknoten — er ist Logistikdrehscheibe und militärischer Umschlagplatz zugleich, Heimat eines der wichtigsten Luftfracht-Drehkreuze der Deutschen Post DHL. Bombenentschärfer rückten mit einem Roboter an und entschärften das Gerät. Flüge wurden umgeleitet. Die Maschine war klein, tief fliegend, programmiert auf GPS-Koordinaten — getarnt, soweit ich das aus den Frequenzen rekonstruieren kann, als ziviles Spielzeug.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt unterbrach seinen Urlaub und reiste zum Tatort. Was er dort sagte, war nüchtern und deutlich zugleich. Eine Drohne mit Sprengstoff auf einem Flughafengelände sei „eine neue Qualität der Gefahr". Drohnensichtungen in einem hybriden Kontext, so fügte er hinzu, seien der Vergangenheit bekannt — eine bewaffnete Drohne auf zivilem Flughafenboden jedoch sei ein neues Bedrohungsszenario. Wer in Berlin hört, weiß: Das Wort Qualität bedeutet in diesem Haus Klassifizierung. Eine neue Kategorie wird eröffnet.
Nur zwei Tage später, am Donnerstagabend gegen 22 Uhr Ortszeit, sichtete das Personal einer Kaserne im nordrhein-westfälischen Mechernich zwei Drohnen über dem Militärgelände. 35 Kilometer von der belgischen Grenze entfernt. Soldaten wurden zur Verstärkung verlegt, die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Welcher Art die Fluggeräte waren, welche Fracht sie trugen — darüber schweigen die Behörden bisher. Schweigen ist im Funkverkehr immer das lauteste Signal.
Am Samstag dann die Explosion. Am Grenzübergang Kardam, Bulgarien, unweit der rumänischen Grenze, schlug eine Drohne in ein Sonnenblumenfeld ein. Premierminister Rumen Radev erklärte, der Aufschlag sei etwa einen Kilometer von der Kompressorstation der Trans-Balkan-Pipeline entfernt gewesen — jener Gaspipeline, die türkisches Gas Richtung Ukraine transportiert. Die bulgarische Verteidigungsministerin veröffentlichte eine erste Analyse: Das Gerät sei vermutlich eine Maya-Täuschdrohne, wie sie von ukrainischen Streitkräften verwendet werde. Das Ministerium sehe keinen Grund zur Annahme, der Vorfall sei absichtlich herbeigeführt worden. Kiew erklärte über das Außenministerium, die ukrainischen Streitkräfte hätten keine Anlagen absichtlich auf bulgarisches Territorium gelenkt. Der ukrainische Botschafter wurde einbestellt — ein Treffen ist für Montag angesetzt. Verletzte gab es keine.
Man halte inne. Drei Vorfälle, drei verschiedene Ziele: ein zivil-militärischer Flughafen, eine Kaserne, eine Gaspipeline. Alle innerhalb einer Woche. Alle auf dem Boden von EU- und NATO-Staaten.
Die Technik ist jedem Funktechniker vertraut, der je einen Stöpsel in einen Empfänger gesteckt hat. Kleine Fluggeräte, tief fliegend, schwer zu orten, programmierbar auf Koordinaten. Was sie tragen, ist eine andere Frage — die Sprengköpfe sind klein genug, um nicht aufzufallen, und groß genug, um zu zerstören. Die Radargeräte, die solche Ziele sehen müssten, schweigen in den Berichten. Ob sie schweigen, weil sie nichts sehen, oder weil niemand hinschaut — das steht in keiner offiziellen Mitteilung. Es steht in der Logik der Sache.
Was kontrolliert diese Maschinen? Wer trägt die Kosten, wenn ein Sonnenblumenfeld zur Detonation wird? Wer zahlt den Preis, wenn beim nächsten Flug kein Feld, sondern ein Terminal getroffen wird? Die Antworten stehen aus. Die Drähte summen weiter. Und mein Büro riecht nach Lötzinn und kaltem Kaffee, während ich übersetze, was andere nicht hören wollen.
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