Börse 1937
Terminal Tribune

22. August 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Apples Rückgang: Marktzyklus oder Bremse aus Bonn?

22. August 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Berlin/Draht. Die Drähte summen. Diesmal nicht Morsecode, sondern Zahlen aus zwei Küchen — und sie riechen nach derselben Suppe.

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Apples Auslieferungen werden 2026 um rund 2,1 Prozent zurückgehen, bevor sie 2027 wieder um etwa 2,8 Prozent wachsen. Das meldet die Marktforschungsfirma Counterpoint Research. Eine einzelne Quelle, ein schmaler Datensatz — vermerkt.

Die Einordnung liefern die Zahlen selbst: Der globale Smartphone-Markt schrumpft im selben Zeitraum um 14,3 Prozent. Speicherknappheit, steigende Chippreise, schwächere Kaufkraft der Konsumenten. In diesem Sog verliert Apple weniger als die Konkurrenz — die iPhone-17-Serie hält den Bugstrahl nach vorn. Die chinesischen Hersteller trifft es härter: Bei mehreren großen OEMs werden Rückgänge zwischen 15 und 34 Prozent erwartet.

Dennoch: Die Analysten rechnen mit höheren Einstiegspreisen für die iPhone-18-Serie und Verschiebungen im Produktzyklus, die Quartalsnachfrage und Kanallager verzerren könnten. Im dritten Quartal 2026 könnte Apple sein erstes faltbares Smartphone vorstellen — eine Karte, die früh gestochen werden müsste, wenn die Kurve nach oben zeigen soll.

Samsung wächst 2026 leicht um 0,8 Prozent, getragen von geografischer Breite und tieferer Halbleiterversorgung. Samsung übernimmt damit voraussichtlich die globale Spitzenposition zurück, die Apple 2025 nur knapp gehalten hatte.

Während Apple sich also gegen den Markt behauptet, arbeitet eine andere Kraft an seinem Design — dort, wo Cupertino seine Verkaufsmaschine am besten kannte: in der Bühne vor dem Kunden.

Das Bundeskartellamt hat Apple per Verfügung dazu gebracht, die Abfragen zum Tracking auf iOS-Geräten umzugestalten. Was als Schutzmechanismus gedacht war — der orange Warnhinweis, der klare Button "App bitten, nicht zu tracken" — wird verwässert.

Konkret: Statt Orange soll Blau verwendet werden. Der Begriff "Tracking" darf nicht mehr fallen. Der Button-Text ändert sich. Anbieter dürfen zusätzliche Informationsfenster öffnen, begleitet von bis zu 4.000 Zeichen langen Texten mit Formatierungen. Und nach einem Jahr dürfen dieselben Anbieter erneut fragen.

Das Kartellamt reagierte damit auf Beschwerden der Verlags- und Werbewirtschaft, die Apples Bevorzugung des eigenen Trackings gegenüber Drittanbietern als kartellrechtlich problematisch eingestuft hatte. Die Lösung: gleiche Tiefe für alle — auf Kosten der Nutzer, deren klare Warnung jetzt in einem Meer aus Datenschutz-Blabla untergeht.

Hier beginnt die Rechnung, die Counterpoint nicht aufschreibt. Wer sein Sicherheitsversprechen als Verkaufsargument aufbaut — und das hat Apple über ein Jahrzehnt getan —, dem frisst eine regulatorische Entscheidung dieses Argument unter dem Gerät weg. Nicht sofort. Nicht in den Bilanzen dieses Quartals. Aber im Vertrauen, das die zwei Prozent Verlust auffangen soll.

Die Foldable-Strategie, die Counterpoint für Q3 2026 in Aussicht stellt, müsste in genau diesem Klima antreten: gegen einen Markt, der insgesamt schrumpft; gegen Samsung, das mit voller Lieferkette antritt; gegen ein Design-Regelwerk, das Apples eigene Stärke — die klare, geschlossene Benutzeroberfläche — zur Disposition stellt.

Zwei Quellen, zwei Aussagen, eine These lässt sich wagen, nicht beweisen: Apples prognostizierter Rückgang ist weniger ein konjunkturelles Symptom als ein Frühwarnsignal dafür, wie viel regulatorischer Druck ein Unternehmen verträgt, dessen Produkt sich über Vertrauen verkauft.

Wer zahlt den Preis? Diesmal nicht der Aktionär allein. Sondern der Kunde, der künftig durch vier Fenster klicken muss, um das zu erhalten, was früher ein Knopf war.

Mein Büro riecht heute nach Lötzinn und kaltem Kaffee. Die Frequenz bleibt.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 2 Behauptungen belegt
  1. ZAHL Apple shipments are expected to decline by 2% in 2026

    im Titel der Quelle gefunden

    vorgeschlagene Belegstelle verworfen, weil so nicht im Quelltext: „Apple shipments are expected to decline by around 2.1% in 2026“

  2. ZITAT Das Anti-trust Office

    „Nach einem auch von deutschen Zeitungsverlagen angestrengten Verfahren beim Kartellamt wird der Schutz nun verwässert – mit klaren Nachteilen für die Nutzer:innen.“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

2 Quellen · 2 davon belegt · 4 externe Belege · 2 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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