Pernice bricht das Schweigen: Psychodrama, Rausschmiss, Suizidgedanken
London, in einer anderen Zeit, in derselben Maschine. Die Drähte summen, und diesmal tragen sie eine Geschichte, die niemand erzählen wollte. Giovanni Pernice, der einst über das Parkett von Strictly Come Dancing flog, sitzt auf dem Sofa seiner Londoner Wohnung und schreibt. Was er schreibt, ist eine Abrechnung — und der erste Teil seiner Memoiren liegt auf den Schreibtischen der Redaktionen.
Das Stichwort, das durch alle Meldungen geistert, lautet Psychodrama. Ein Wort, das vieles verbirgt und wenig erklärt. Was zwischen Pernice und Amanda Abbington, seiner damaligen Tanzpartnerin, wirklich geschah, bleibt in der Wortwahl des Tänzers unscharf. Nur die Konsequenzen sind dokumentiert: Pernice wurde aus der BBC-Sendung entfernt. Eine Karriere, gebaut auf Sektgläser und Sambaschritte, endete mit einer Tür, die von außen geschlossen wurde.
Die BBC hat ihren Entschluss damals nicht öffentlich begründet. Die Untersuchung gegen Pernice, eingeleitet nach Abbingtons Vorwürfen, wurde ohne Anklage eingestellt. Was übrig bleibt, ist das Wort einer einzelnen Quelle: Pernice selbst. Ein Mann, der ein Buch darüber schreibt, wie er behandelt wurde — und der sich damit die Deutungshoheit über das Geschehene zurückholt.
Die Korroborateure greifen das Wort auf. Express, Mirror, Daily Star — allesamt britische Blätter, die dem Boulevard zuzurechnen sind — übernehmen die Formulierung suizidal. Pernice habe, so berichten sie übereinstimmend, nach dem Eklat Suizidgedanken gehabt. Die Daily Mail, die den Auszug aus den Memoiren zuerst druckte, zitiert ihn auf dem Sofa: zusammengekauert, scrollend durch das Telefon, eine Frage, die sich in der Endlosschleife der Schlagzeilen verirrt — Is it worth it?
Ich übersetze: Lohnt es sich? Eine Frage, die ein Mann stellt, der auf der Bühne gelernt hat, dass jede Bewegung zählt. Die Bühne hat ihn verlassen. Die Depression ist geblieben.
Man muss hier präzise sein, auch wenn das Material es nicht ist. Wir haben eine einzige Stimme. Eine Stimme, die ein Buch verkauft. Eine Stimme, die sich gegen eine andere Stimme stellt — jene Abbingtons, die ihn vor zwei Jahren öffentlich des Mobbings beschuldigte. Zwischen beiden Versionen klafft ein Spalt, in den die Öffentlichkeit fällt. Die BBC, die sich als Schiedsrichterin aufspielen könnte, schweigt weiter. Die Maschine läuft. Der Sender sendet. Die nächste Staffel tanzt schon.
Was bleibt dem Berichterstatter? Die Fakten, wie sie auf dem Draht liegen. Ein Mann schreibt ein Buch. Er nennt das, was passiert ist, ein Psychodrama. Er sagt, es habe ihn das Leben kosten können. Er sagt, er sei aus der Sendung entfernt worden. Mehr haben wir nicht. Mehr brauchen wir nicht, um die nächste Seite aufzuschlagen — aber mehr brauchen wir auch, bevor wir glauben.
Die Frage, wer hier den Sender bedient, ist journalistisch, nicht spekulativ. Pernice spricht, weil er sprechen will — weil das Buch erscheinen wird, weil die Memoirenmaschine in Großbritannien gnadenlos läuft. Abbington sprach, damals, unter anderen Vorzeichen. Die BBC sprach durch ihr Schweigen und durch die Tür, die sie schloss. Drei Stimmen, drei Frequenzen, drei Sendemasten. Wer auf welcher Wellenlänge liegt, entscheidet, wer zuhört.
Was ich auf der Frequenz höre: eine Industrie, die Privatheit in Ware verwandelt. Ein Tanz, der zur Anklage wurde. Ein Zwischenfall, der weder bestätigt noch dementiert wird. Ein Mann, der fragt, ob es sich lohnt — und damit die Frage stellt, ob das, was wir Unterhaltung nennen, den Preis wert ist, den die Beteiligten zahlen.
Wer zahlt den Preis? Pernice sagt: er selbst. Abbington sagte: sie selbst. Die BBC sagt: nichts. Das Buch sagt: es wird sich zeigen. Die Memoiren sind die nächste Sendefrequenz — und wer sie einschaltet, hört nur eine Seite.
Die Drähte summen weiter. Ich notiere. Die nächste Meldung wird kommen.
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