533 Millionen Dollar, null Granaten: Das Fabrikdesaster
Das Büro riecht nach Lötzinn und kaltem Kaffee. Die Drähte summen. Auf ihnen liegt ein Vorgang, der so tut, als sei Hochtechnologie automatisch Leistung: Nahe Dallas ließ die US-Armee eine neue Artilleriefabrik aus Steuergeldern finanzieren. General Dynamics sollte dort dringend benötigte Granaten für die Ukraine herstellen. Die Anlage kostete 533 Millionen Dollar. Nach dem vorliegenden ProPublica-Bericht produzierte sie kein einziges brauchbares Stück, keine einzige nutzbare Granate. „Money for Nothing“ ist hier keine flotte Redensart, sondern die kümmerliche Bilanz. Grenze dieser Darstellung: Der verfügbare Quellentext endet mitten im Satz. Die genannten Summen, Produktionsausfälle und Aufträge stammen daher bislang aus den redaktionellen ProPublica-Highlights und dem veröffentlichten Anfang des Originalberichts, nicht aus eingesehenen Verträgen, Rechnungen oder Prüfberichten.
Die Armee hatte General Dynamics in einem überstürzten Verfahren beauftragt, das von den normalen Regeln ausgenommen war. Der Konzern holte einen türkischen Subunternehmer hinzu, über den nach Darstellung von ProPublica nur eine oberflächliche Prüfung stattfand. Aus der Türkei kamen auch die angeblich innovativen Maschinen. Bei einer feierlichen Eröffnung priesen Verteidigungsbeamte und Firmenvertreter die neue Technik. Wenige Wochen zuvor beziehungsweise wenige Wochen später – der Bericht nennt den Sommer 2024 – brannten die Roboter wiederholt. Vier ehemalige Beschäftigte berichteten, die metallenen Greifarme seien regelmäßig in Flammen aufgegangen. Diese Aussagen sind wichtige Hinweise, wurden im vorliegenden Material jedoch nicht durch Einsatzprotokolle, Schadensmeldungen oder unabhängige Zeugen bestätigt.
Die Ursache lag für die früheren Arbeiter offenbar nicht an fehlendem Ehrgeiz, sondern an einer Fabrik, deren Technik sich permanent selbst bekämpfte. Öl benetzte die Roboterarme, Stahlblöcke wurden auf 1.800 Grad Fahrenheit – rund 982 Grad Celsius – erhitzt, und eine Maschine spie zeitweise meterhohe Flammen. Ein Brand schmolz die Kabel eines Roboters und setzte ihn eine Woche außer Gefecht. Andere Arme gerieten außer Kontrolle, krachten in justierte Anlagen oder ließen tonnenschwere Stahlstücke aus fünf Fuß Höhe fallen. Das eigentliche Kernstück zum Ausformen des Stahls habe ihn häufig so stark beschädigt, dass nichts mehr zu gebrauchen war. Auch die Presse verformte beinahe jede Granate falsch und musste nach Darstellung eines ehemaligen Beschäftigten regelmäßig mit einem Vorschlaghammer bearbeitet werden. „Wir hatten überhaupt keine standardisierte Vorgehensweise“, sagte Quantel White. „Es war nur eine Gruppe von Männern, die Nacht für Nacht abwechselnd auf die Maschine einschlug.“ Solche Details stammen aus Interviews; sie zeigen ein mögliches Betriebsversagen, beweisen aber weder die exakte technische Ursache noch wer davon wusste.
Im August 2025 stoppte die Armee die Arbeiten an zwei von drei Produktionslinien. Bis dahin hatte General Dynamics acht Fristen verfehlt. Wie es mit der dritten Linie weiterging, sagt der hier vorliegende, abrupte Textausschnitt nicht. Fest steht nach dem Bericht nur: Die Fabrik, für die Steuerzahler 533 Millionen Dollar aufbrachten, hatte keine nutzbaren Granaten hervorgebracht. Damit klaffen politische Ankündigung und technische Realität nicht nur auseinander – sie begegnen sich kaum. Wer zahlt den Preis? Die Steuerzahler. Wer kassierte? General Dynamics erhielt den Auftrag über 533 Millionen Dollar. Wer profitierte möglicherweise weiter? Die dafür zuständige General-Dynamics-Sparte bekam nach der Stilllegung zweier Linien neue Aufträge im Gesamtwert von 2,5 Milliarden Dollar. Das belegt keine zwangsläufige Verbindung zwischen Fehlplanung und späteren Verträgen, macht den Konzern aber zum klaren finanziellen Nutznießer des Vorgangs.
Kontrolle und Verantwortung bleiben seltsam verteilt. Die Armee stellte das Geld und verfügte später den Stopp. General Dynamics organisierte den Betrieb und wählte den schlecht geprüften Subunternehmer. Die Beschäftigten hielten die Anlage am Laufen, soweit das mit Feuer, Vorschlaghämmern und unzuverlässigen Robotern möglich war. Öffentliche Rechenschaft aber, so ProPublica, blieb aus. Diese Feststellung ist durch keine Stellungnahme der Armee, keine veröffentlichte Vertragsstrafe und keinen Audit im bereitgestellten Material belegt. Auch die späteren Aufträge können ohne die zugrunde liegenden Vergabedokumente weder als Belohnung noch als gezielte Fehlleitung bewertet werden.
War es Inkompetenz oder bewusste Irreführung? Der überstürzte Prozess, die Ausnahme von normalen Regeln, die geringe Prüfung des Subunternehmers und die acht verfehlten Termine sind ernste Warnsignale. Doch der Quellentext liefert keine Verträge, internen E-Mails oder Aussagen verantwortlicher Entscheider, die eine absichtliche Täuschung belegen. Die Links von Ponder, Ritholtz und Rad Indie Media bestätigen lediglich die Existenz und Überschrift des ProPublica-Beitrags; sie sind keine unabhängige Prüfung der Vorwürfe. Bis Verträge, Zahlungen, Produktionsprotokolle und Vergabeakten vorliegen, bleibt der Befund eine schwerwiegende, aber noch unvollständig verifizierte Anklage: 533 Millionen Dollar öffentliches Geld, null verwertbare Granaten – und anschließend 2,5 Milliarden Dollar neue Aufträge für dieselbe Firmensparte.
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