Drähte glühen, Maschinen mahlen: Die Mechanik der Teilung
Lötzinn-Geruch, dritter Kaffee kalt. Die Tasten klappern. Amerika hat am 27. Februar eine Operation begonnen — und der Iran hat geantwortet. Zwischen diesen beiden Sätzen klafft ein Spalt, in den alle Zahlen fallen, die niemand zählen will.
Was berichten die Drähte? Die offiziellen Kommuniqués aus Washington, hereingespielt über die Agenturen, sprechen von einem begrenzten, präzisen Einsatz. Technik, die funktioniert. Maschinen, die tun, was man ihnen sagt. Funknavigation, Funkmessung, die ganze neue Werkzeugkiste des modernen Krieges — effizient, wie Adam Smith die Arbeitsteilung beschrieb: die Spezialisierung kooperativer Arbeit, in der einzelne oder Gruppen abgegrenzte, umrissene Aufgaben übernehmen. Effizienz durch Zerlegung. Das ist die Lehre, die man in Grundschulen wie in Ingenieursstuben gleichermaßen findet: Zusammenarbeit durch Aufgabenteilung, jeder tut das Seine.
Doch dann die andere Quelle. Die Meldungen aus Teheran, über Zwischenstationen gefiltert, beschreiben etwas anderes. Keine chirurgische Präzision, sondern Streuung. Keine klar umrissene Aufgabe, sondern eine Operation, deren Konturen in den offiziellen Berichten verwischen — und in den unabhängigen Schilderungen sich als etwas anderes darstellen.
Hier beginnt der Riss, der durch jede Konfliktberichterstattung läuft. Quelle A — die offizielle Lesart, gespeist aus den Pressestellen der beteiligten Mächte — sagt: begrenzt, kontrolliert, erfolgreich abgeschlossen. Quelle B — die Berichte aus der Hauptstadt eines Landes unter Druck — sagen: etwas anderes. Die Diskrepanz ist nicht bloße Meinungsverschiedenheit zwischen Schreibtischen. Sie ist ein fundamentaler Bruch im Narrativ selbst. Zwei Versionen desselben Vorgangs, keine Schnittmenge.
Was zählt, ist die Zahl der Opfer. Und genau hier beginnt das Schweigen, das lauter ist als jeder Sender. Die Agenturen geben keine verlässliche Ziffer. Es gibt offiziöse Schätzungen und es gibt Gerüchte — und zwischen beiden liegt ein Abgrund, den kein Funk überbrückt. Die Verwundeten, die Getöteten, die Namenlosen — sie sind die einzige Konstante in der Mechanik der Teilung, die hier sichtbar wird. Wie viele es waren, weiß im Augenblick niemand mit Bestimmtheit zu sagen.
Der Iran hat reagiert. Vergeltung, nennen es die einen; Verteidigung, nennen es die anderen. Auch hier: zwei Lesarten, keine Auflösung. Was bleibt, ist die nüchterne Feststellung, dass eine technologische Operation, geplant in Studienstuben und ausgeführt von ferngesteuerten Apparaturen, eine Gegenoperation auslöst, die mit eigenen Apparaturen antwortet. Arbeitsteilung. Spezialisierung. Jede Seite tut das Ihre.
Émile Durkheim hat dies beschrieben — freilich nicht für den Krieg, sondern für die Gesellschaft. Er unterschied normale Formen der Arbeitsteilung von abnormen. Die anomische Arbeitsteilung, schreibt er, ist jene, in der die Koordination fehlt, in der die Teile nicht mehr zusammenfinden. Die erzwungene Arbeitsteilung ist jene, in der Menschen in Rollen gedrängt werden, die sie nicht gewählt haben. Das Fehlen von Kontinuität beschreibt den Zustand, in dem nicht mehr als kohärentes Ganzes gearbeitet wird.
Lies das langsam. Anomisch. Erzwungen. Ohne Kontinuität.
Das ist nicht die Schilderung einer misslungenen Industrieproduktion. Das ist die Beschreibung einer Ordnung, die sich als Effizienz verkleidet. Die neue Technologie — Funk, Radar, ferngesteuerte Apparaturen, was immer in den Arsenalen dieser Tage glänzt — ist kein neutrales Werkzeug. Sie ist die Hardware einer Teilung, die nicht zwischen Berufen unterscheidet, sondern zwischen Mächten. Wer die Frequenz hält, hält die Deutungshoheit. Wer die Maschine bedient, bestimmt das Ergebnis.
Und wer zahlt den Preis? Das ist die Frage, die in keinem Kommuniqué steht. Nicht die Offiziere in den Studios, nicht die Ingenieure in den Laboren, nicht die Telegraphisten, die den Schrott der Depeschen weitergeben. Die zahlen die Namenlosen — die in den Streuzonen leben, die zwischen den Funkschatten wohnen, die keine Maschine schützt, weil sie nicht zu der Aufgabe gehören, die die Spezialisierung ihnen zugedacht hat.
In den nächsten Tagen werden mehr Drähte glühen. Die Agenturen werden Zahlen liefern, die sich widersprechen. Die Kommentatoren werden die eine oder andere Lesart bevorzugen. Die Politik wird Erklärungen abgeben, die Erklärungen bleiben. Und die Maschine wird weiterlaufen — effizient, spezialisiert, anomisch.
Was bleibt mir? Das Klappern der Tasten. Der Geruch von Lötzinn. Und die Gewissheit, dass eine Operation, die an einem 27. Februar begann, nicht isoliert steht — sie ist ein Glied in einer Kette der Arbeitsteilung, die niemand vollständig überschaut. Die vollen Kosten dieser Teilung, fürchte ich, trägt am Ende jener, der keine Frequenz besitzt, auf der er gehört werden kann.
Die Drähte summen. Ich übersetze.
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