DODGERS UND DIE 16 MILLIARDEN FRAGE — WER SPRICHT HIER EIGENTLICH?
Die Drähte summen wieder mal. Diesmal aus Los Angeles, wo die lauteste Baseball-Mannschaft der Liga plötzlich im Zentrum eines Finanzskandels steht, der mit Baseball ungefähr so viel zu tun hat wie ein Lötkolben mit einem Saxophon. Aber die Musik, die gespielt wird, ist trotzdem laut.
Ausgangspunkt sind Vorwürfe gegen Mark Walter, den kontrollierenden Eigentümer der Los Angeles Dodgers und Chairman von Guggenheim Baseball Management. Walter steht unter Untersuchung wegen des Umgangs mit Investments einer Versicherungsgesellschaft. Mehrere Firmen, so die Berichte, haben Investorengelder genutzt, um Darlehen an Unternehmen zu vergeben, die ebenfalls unter Walters Kontrolle stehen. Das ist nach US-Bundesrecht erlaubt — die Aufsichtsbehörden lassen solche Konstrukte zu. Was die Vorwürfe angeblich problematisch macht: die Größenordnung. Mindestens 16 Milliarden Dollar an Krediten sollen betroffen sein, und die Verbindung zwischen den Firmen sei Investoren nicht ausreichend offengelegt worden.
Die Dodgers selbst bestreiten, dass das Team aus fragwürdigen Mitteln finanziert wird. Stan Kasten, Präsident der Organisation und Mitglied der Eigentümergruppe, stellte am Wochenende klar: „Die Dodgers werden nicht verkauft. Sie werden nicht verkauft werden. Sie stehen nicht zum Verkauf." Auch von einem „Feuerverkauf" — also einem schnellen Versilbern von Vermögenswerten unter Druck — könne keine Rede sein.
Nun zur eigentlichen Frequenz, die mich interessiert. Die Anschuldigung, das Baseball-Team sei „durch Betrug finanziert", stammt offenbar aus einer einzigen Quelle beziehungsweise einem Strang von Online-Spekulation. Jeff Passan, ESPN-Reporter, wurde tagelang von Baseballfans attackiert, die ihn zum Sprechen bringen wollten — basierend auf einem „produktiven Missverständnis", woher die Dodgers den Großteil ihrer Einnahmen beziehen, wer die Mehrheit besitzt und wie viel davon aus dem TV-Vertrag mit Spectrum kommt.
Hier wird es technisch interessant. Die Dodgers haben einen der größten regionalen Fernsehverträge der Liga. Das ist eine Cash-Maschine, die unabhängig von Walters anderen Geschäften läuft. Das Team ist profitabel — strukturell, operativ, über die Medienrechte. Wenn jemand behauptet, Ohtanis Vertrag oder die Gehaltsstruktur des Teams seien nur möglich, weil Walter Gelder aus den fragwürdigen Krediten umleitet, dann muss er erklären, wie das durch die Bücher fließt. Es gibt keinen öffentlich bekannten Mechanismus, der das nahelegt.
Gleichzeitig: Walters Hauptgeschäft ist die Vermögensverwaltung. Die Firma Guggenheim gehört zu den großen Akteuren im Bereich Infrastruktur, Versicherungen, alternative Investments. Ein internes Compliance-Problem in einem Geschäftsbereich — falls es eines ist — ist nicht automatisch ein Problem der Baseballfranchise. Die Dodgers sind ein separates Vehikel, Guggenheim Baseball Management, mit eigener Buchführung.
Was ich auf den Drähten höre: Die Vorwürfe mischen zwei verschiedene Stränge. Da ist die laufende Untersuchung gegen Walter persönlich, und da ist eine Baseball-Mannschaft, die seit Jahren Rekordgehälter zahlt und Rekordgewinne einfährt. Der ökonomische Zusammenhang, den viele Fans und Kommentatoren unterstellen, ist nicht belegt. Die Empörung ist real. Die Beweislage ist dünn.
Einzelquelle, einzelne Behauptung, kein offizielles Ermittlungsergebnis. Bis die Aufsichtsbehörden sprechen, bleibt das eine Geschichte über Musterverdacht, nicht über belegte Tatsachen. Apollo, der jüngst einen 2,6-Milliarden-Deal mit der Yankees-Organisation finanzierte, zeigt zudem, dass Private Equity im Baseball längst angekommen ist — unabhängig von Walter.
Mein Büro riecht heute stärker nach Lötzinn als sonst. Vielleicht, weil ich versuche, die scharfen Kanten dieser Geschichte zu glätten. Sie will nicht glatt werden. Also schreibe ich sie auf, wie ich sie höre: laut, unangenehm, und mit einer Frage, die noch offen steht — nicht wer zahlt, sondern wer überhaupt behauptet, dass jemand zahlen muss.
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