Hundert Prozent Steuergeld, null Prozent Aufsicht
Die Drähte summen, und was sie mir erzählen, gefällt mir nicht. Reporter der Plattform ProPublica haben in Wisconsin eine Sorte von Privatschulen gefunden, die zu einhundert Prozent aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Über Voucher-Programme, die der Staat an Familien auszahlt, fließt das Geld aus der Staatskasse in private Trägerschaft. Neununddreißig solcher Einrichtungen zählten die Rechercheure im jüngsten Schuljahr. Siebentausendneunhundertdreiundzwanzig Kinder. Rund siebenundachtzig Millionen Dollar.
Die Kollegen tauften sie die "Hundert-Prozent-Schulen". Der Name sitzt. Wer zu hundert Prozent vom Staat bezahlt wird, soll sich auch an dessen Regeln messen lassen. Tut er nicht.
Denn die Schulen sind formal privat. Sie unterliegen weder den Transparenzpflichten noch den Aufnahmeregeln noch den Lohnstandards, die für öffentliche Schulen gelten. Aber sie sind auch nicht wirklich privat im klassischen Sinn, denn sie nehmen keine nennenswerten eigenen Schulgeld-Einnahmen ein. Das Geld kommt durchgereicht über einen Gutschein, den die Eltern einlösen. Ein Konstrukt, das die Verwaltungspraxis so nicht vorgesehen hatte.
Atlas Preparatory Academy in Milwaukee war eine dieser Schulen. Dreihundertsiebenundfünfzig Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur zwölften Klasse. Viereinhalb Millionen Dollar an Voucher-Mitteln im letzten Schuljahr. Sinkende Schülerzahlen, schwache Testergebnisse. Ein Einzelfall? Mitnichten. Das Beispiel steht exemplarisch für das, was Reporter vor Ort in den Akten fanden — Akten, die es bei öffentlichen Schulen in dieser Form gar nicht gibt.
Was ProPublica bei Atlas aufdeckte, hat das Zeug zum Lehrstück. Der Vorsitzende des Schulträgers war zugleich als Administrator der Schule tätig — eine Doppelrolle, die in einer regulären öffentlichen Schule Wisconsins ausdrücklich verboten ist. Bei einer Privatschule: keine Regelung. Sein Gehalt: über hundertfünfzigtausend Dollar im Jahr 2024. Derselbe Vorsitzende ließ seine eigene Wirtschaftsprüfungsgesellschaft an der Schule abrechnen — Zehntausende Dollar für Buchhaltung und Beratung. Die Schule zahlte an den Mann, der die Schule kontrollierte.
Wer die Standards für gemeinnützige Organisationen kennt, sieht hier Strukturen, die normalerweise das Finanzamt auf den Plan rufen. Experten, mit denen ProPublica sprach, sprachen von Vorgängen, die weder mit den Regeln öffentlicher Schulen noch mit den Grundsätzen ordentlicher Nonprofit-Führung vereinbar seien.
Vor mehr als einem Jahrzehnt stellte das Bildungsministerium Wisconsins in einer Forschungsarbeit zu den sogenannten "Choice Schools" eine Frage, die bis heute nichts von ihrer Schärfe verloren hat: "Wann ist eine Privatschule wirklich eine öffentliche Schule?" Die Antwort von Politik und Schulbehörden steht aus. Das Wachstum dieser Schulen schreitet indessen voran.
Dass die Standards zwischen privat und öffentlich nicht angeglichen wurden, ist der eigentliche Skandal. Eine öffentliche Schule muss Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen aufnehmen und beschulen — eine Voucher-Schule nicht. Über die Finanzen, Sitzungen, Prüfberichte und Statistiken öffentlicher Schulen lässt sich Auskunft einholen: offene Sitzungen, Protokolle im Internet, Berichte, die jedermann lesen kann. Bei den Voucher-Schulen versiegt dieser Datenstrom.
Was bleibt, ist eine Zwischenkategorie, die niemand so recht verantworten will. Eine Schule, die wie eine öffentliche finanziert, aber wie eine private geführt wird. Ein Träger, der sich selbst bezahlt. Eine Buchhaltung, die der Aufsicht untersteht, die sie kontrollieren soll. Kein klarer Eigentümer, keine klare Adresse, keine klare Verantwortung.
Wer mit Steuergeld wirtschaftet, unterliegt der Rechenschaftspflicht. Wer die Rechenschaftspflicht verweigert, hat kein Anrecht auf Steuergeld. So sieht es die Logik des öffentlichen Haushalts vor. Die Frequenz, die ich hier höre, ist laut und deutlich.
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