Börse 1937
Terminal Tribune

29. August 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

£895 Millionen auf einem Konto — und nur eine Stimme, die es bestätigt

29. August 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

London. Auf den Drähten summt es seit gestern Abend: Alex Gerko, Gründer des elektronischen Handelshauses XTX Markets, habe im Geschäftsjahr 2025 ein Rekordgehalt von 895 Millionen Pfund eingestrichen. Eine einzige Quelle trägt diese Zahl. Eine.

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Die Quelle — bislang nicht namentlich genannt — beruft sich auf interne Unterlagen des Unternehmens. XTX Markets selbst schweigt. Auf Anfrage der Terminal Tribune erfolgte keine Stellungnahme. Das ist bemerkenswert, denn Häuser dieser Größe reden für gewöhnlich gern, wenn die Zahlen glänzen.

Was wir wissen, steht schwarz auf weiß in den Registern des vergangenen Jahres: 2024 schüttete XTX Markets 682 Millionen Pfund an Gerko persönlich aus. Das geht aus den filings hervor, die der Financial Times vorlagen. Der Nettogewinn der Firma lag bei 1,3 Milliarden Pfund nach Steuern — ein Anstieg um 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 1,28 Milliarden Pfund wurden zwischen Gerko und den quantitativen Händlern des Hauses aufgeteilt. Die Profite der Händler stiegen um mehr als 70 Prozent gegenüber dem Jahr davor.

Diese Zahlen sind verbrieft. Bei den nun kursierenden 895 Millionen für 2025 sieht es anders aus. Hier haben wir es mit einer Meldung zu tun, die durch ein einzelnes Rohr läuft. Ob sie hält, ob ein zweites Register sie bestätigt, ob die filings der Companies House am Ende des Geschäftsjahres am Ende eine andere Summe ausweisen — das alles steht noch aus.

Ich sage nicht, dass die Zahl falsch ist. Ich sage, dass sie allein steht. Und allein stehende Zahlen in dieser Größenordnung sind kein Faktum, sondern ein Gerücht mit Anzug.

Was bedeutet das mechanisch? XTX Markets ist ein privates Unternehmen, eines der profitabelsten des Vereinigten Königreichs. Es handelt algorithmisch — Maschinen, die gegen andere Maschinen antreten, auf Latenzjagd an den Börsen weltweit. Devisen, Aktien, Derivate. Keine Menschen mehr, die ein- und verkaufen im klassischen Sinne. Code, der in Mikrosekunden entscheidet. Das Haus wurde 2015 gegründet, hat seinen Sitz in London, beschäftigt Hunderte von Mathematikern und Ingenieuren. Der Umsatz wird nicht mehr in Aufträgen gemessen, sondern in der Geschwindigkeit, mit der ein Auftrag den Markt erreicht.

Gerko selbst — in Moskau geboren, in London ausgebildet, doppelter Staatsbürger — hat sich über die vergangenen Jahre zum größten Einzelsteuerzahler des Landes emporgearbeitet. Ein Mann, dessen Maschinen in Nanosekunden entscheiden, zahlt in Pfund, die in Jahren gezählt werden. Die Asymmetrie ist das eigentlich Bemerkenswerte: die Mikrosekunde oben, die Million unten.

Was bedeutet das regulatorisch? Eine Firma, die in London sitzt, aber an Märkten in New York, Tokio, Singapur und Frankfurt handelt, fällt durch das Raster klassischer nationaler Aufsicht. Die Bank of England sieht Teile, die FCA sieht Teile, die SEC sieht Teile. Niemand sieht das Ganze. Wenn diese Maschinen irren — und sie irren, das haben Flash Crashes der Vergangenheit gezeigt —, dann irren sie auf eine Weise, die kein einzelner Aufseher rechtzeitig einfangen kann.

Was bedeutet das global? Ein einzelner Privatmann, der in einem Geschäftsjahr fast eine Milliarde Pfund aus einem einzigen Unternehmen zieht, ist kein Reichtum mehr im klassischen Sinne. Es ist eine Konzentration algorithmischer Hebelwirkung. Das Geld, das hier fließt, ist nicht erarbeitet im Schweiße eines Angesichts. Es ist der Erlös einer Geschwindigkeit, die kein Mensch mehr lenkt.

Die Summe selbst, ob nun 682 oder 895 Millionen, ist zweitrangig. Die Systematik ist das Thema. Ein privates Handelshaus, das seine Gewinne um mehr als die Hälfte steigert, während die umliegenden Banken kämpfen. Ein Gründer, der sich den Löwenanteil nimmt, ohne an die Börse zu müssen. Eine Maschinerie, die Gewinne erzeugt, indem sie schneller ist als die anderer — und die langfristigen Folgen dieser Geschwindigkeit sind in keinem Geschäftsbericht verbucht.

Solange die Quelle für die 895 Millionen allein steht, bleibt die Zahl eine Frequenz, die ich höre, aber noch nicht verifizieren kann. Die Drähte werden wärmer. Ich bleibe dran.

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