GLEICHSCHALTUNG IN CREMEWEIß: BECKHAMS UND DIE MASCHINE DER FAMILIENIDYLLE
Capri, Ende August. Eine Pizzeria. Und zwei Menschen, deren Garderobe so präzise aufeinander abgestimmt ist, dass man meinen könnte, ein einziger Schneider habe für beide Hände denselben Stoffballen gehalten. Victoria und David Beckham betreten den Laden, und die Kameras — diese modernen Funktürme, nur eben umgekehrt: sie senden nicht hinaus, sie saugen ein — die Kameras also tun das, wofür sie gebaut wurden. Sie machen aus einem Abendessen ein Ereignis.
Wer profitiert hier? Die Pizzeria? Möglich. Die Marke Beckham, diese ewig brennende Glühbirne, die mit Strom aus Kolumnenmetern gefüttert wird? Sicher. Wer zahlt den Preis? Das Publikum, das kaufen soll, was es bewundert, und bewundern soll, was es nicht erreicht.
Es ist Hochsommer, die Beckhams setzen ihre Sommerpause in Italien fort. Das bedeutet: Sie fahren nicht in ein Hotel. Sie fahren auf einer Yacht namens Seven, und diese Yacht kostet sechzehn Millionen Pfund. Sechzehn. Millionen. Pfund. Eine Zahl, hinter der andere Zahlen verschwinden — Liegeplätze in Saint-Tropez, Treibstoff, die Crew, die nicht schläft, damit andere es können. Sie kreuzen durchs Mittelmeer, machen Station in Capri, besuchen eine Pizzeria, lassen sich beim Besuch der Küche fotografieren. Eine Küche. Man beachte: nicht das Essen wird besichtigt, sondern der Ort, an dem das Essen entsteht. Die Inszenierung greift tiefer als das Menü.
Die Kleider: matching holiday wardrobe. Zwei Menschen, die dieselbe Farbpalette tragen, als hätten sie sich vor dem Spiegel abgesprochen, oder — wahrscheinlicher — als habe ein Stilberater vor dem Spiegel das Sagen. Dies ist keine Romantik. Dies ist Synchronisation. Wenn zwei Körper dieselbe Sprache sprechen, ist das keine Liebe, das ist Choreografie. Und Choreografie ist Arbeit. Arbeit, die unsichtbar bleibt, weil das Ergebnis so mühelos aussieht.
Europäische Reise. Die Beckhams sind unterwegs auf dem Kontinent, und jeder Hafen wird zum Pressehafen. Die Yacht liegt vor Anker, die Kleider hängen in Schränken aus Walnussholz, und irgendwo auf dem Festland läuft eine Maschine, die aus all dem Stoff und Salz und Sonnenlicht eine Geschichte macht. Eine Geschichte, die sich verkauft. An uns.
Brooklyn. Hier wird die Sache interessant, hier setzt das Knistern ein, das jeder Reporter kennt, der je eine Störung im Äther gejagt hat. Eine Quelle — nennen wir sie A — berichtet, der älteste Sohn sei bei einer Schottland-Reise nicht dabei gewesen. Eine andere Quelle, nennen wir sie B, zeigt ihn in intimen Aufnahmen mit seiner Frau Nicola Peltz, im Bett, beim Familiendinner, beim perfekten Familienessen. Beides kann stimmen, beides kann inszeniert sein, beides kann gleichzeitig wahr und gelogen sein. In meinem Gewerbe nennt man das Interferenz. Zwei Wellen, die sich überlagern, und plötzlich weiß niemand mehr, was Signal war und was Rauschen.
Die offene Frage, die uns die Maschine nicht beantwortet: Ist da Versöhnung? Ist da Bruch? Ist da ein Vater, der auf seinem Smartphone ein Foto seines Sohnes ansieht und daran erinnert wird, was Familienfoto einmal war, bevor es zur Ware wurde? Wir wissen es nicht. Wir sehen nur die Aussendung. Das Innen bleibt dunkel, und das ist — so höre ich es auf der Leitung — Absicht.
David Beckham, der Mann, der einmal mit dem Ball am Fuß die Welt verzauberte, teilt Bilder seiner Frau im Meer, im Badeanzug, lächelnd, küssend. Victoria Beckham, die Frau, die einmal Spice Girl war und dann Modearchitektin und dann Marke, ergänzt das Bild mit der Präzision einer Signaltaste. Alles ist wohlkomponiert. Alles ist abgestimmt. Und gerade deshalb ist nichts daran echt im strengen Sinne des Wortes. Es ist wahr, aber es ist hergestellt. Es ist Performance. Es ist eine Yacht, die sechzehn Millionen kostet, und ein Lächeln, das uns kostenlos verkauft wird, damit wir am Ende glauben, das eine sei ohne das andere nicht denkbar.
Drei Dinge, die man sich merken sollte, wenn das nächste Mal ein Foto dieser Reise über die Drähte läuft: Erstens, Matching bedeutet nicht Liebe, sondern Logistik. Zweitens, eine Yacht ist kein Urlaub, sondern eine schwimmende Bühne. Drittens, wer nicht auf dem Bild ist, sagt manchmal mehr als wer darauf ist.
Die Drähte summen. Ich übersetze. Und die Übersetzung lautet diesmal: Zwei Menschen in passenden Hemden auf einem schwimmenden Vermögen, und um sie herum die ganze stille Apparatur, die aus Urlaub Erzählung macht, aus Erzählung Ware, aus Ware wieder Urlaub. Die Maschine läuft. Die Frequenz ist hoch. Und wer zuhört, hört: nichts Menschliches, nur Signal.
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