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Terminal Tribune

31. August 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Mundan oder Haircut – Wie ein Tribunal Zahlen zu Ritualen schert

31. August 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Neu-Delhi, Ende August 2026. Die Drähte summen, und was sie mir zutragen, riecht nach Lötzinn und altem Geld.

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Das National Company Law Tribunal – kurz NCLT – hat einen Beschluss gefasst, der in der indischen Geschäftswelt Wellen schlägt: Subhash Chandra, Gründer der Essel Group und Schöpfer des Zee-TV-Imperiums, darf persönliche Bürgschaftsverbindlichkeiten von 22.006,57 Crore Rupien mit einer Zahlung von 6,5 Crore Rupien begleichen. Auf den Strich gerechnet: 99,97 Prozent Verlust für die Gläubiger. Ein Haar? Nein. Eine Glatze.

Congress-Chef Rahul Gandhi nennt das Tribunal beim Namen – und zwar so, wie es kein Gericht gerne hört: Neta-Company Loot Tribunal. Er spricht von zwei Systemen in einem Land. Eines für eine Handvoll Milliardäre, eines für alle anderen. Wenn ein Bauer 50.000 Rupien nicht zahlt, wird sein Land versteigert. Wenn ein Angestellter eine einzige EMI-Rate verpasst, stehen Bank-Schergen vor der Tür. Für ausgewählte Freunde aber sei Geld wie Privateigentum.

Gandhis Generalsekretär Jairam Ramesh geht einen Schritt weiter. Er nennt den Vergleich keinen Haircut, sondern eine Mundan – das hinduistische Initiations-Ritual, bei dem dem Jungen die Haare geschoren werden. Eine komplette Schur. Eine öffentliche Schmach. Ramesh spricht von einer vollständigen Verspottung des Insolvenz- und Bankrottgesetzbuchs von 2016.

Und genau hier beginnt die Frequenz, auf die ich höre: die Kluft zwischen Mundan und Haircut ist nicht semantisch. Sie ist politisch. Wer Haircut sagt, akzeptiert die Logik des Marktes – manche Schulden sind nicht eintreibbar, also wird gerissen. Wer Mundan sagt, klagt an: hier wird jemand kahl geschoren, vor aller Augen. Das eine ist Bilanzkosmetik. Das andere ist Schaubühne.

Was sagen die Zahlen selbst? Die zugelassenen Forderungen der Gläubiger belaufen sich auf 22.006,57 Crore Rupien. Chandra bietet 6,5 Crore. HDFC Bank – eine der größten privaten Banken Indiens – sagt, ihre eigene zugelassene Forderung betrage nur 3,2 Prozent der Gesamtsumme, rund 705 Crore. Die Bank hat gegen den Beschluss gestimmt. Nun kündigt sie an, vor das National Company Law Appellate Tribunal, das NCLAT, zu ziehen.

Auch LIC Housing Finance Ltd – LICHFL – gehört zu den abweichenden Gläubigern. Zugelassene Forderungen: 1.322,39 Crore Rupien. LICHFL stellt klar: Der NCLT-Beschluss betrifft nur das persönliche Insolvenzverfahren Chandras als Bürge. Die Verbindlichkeiten der Hauptschuldner – der Firmen also, für die er bürgte – bleiben unberührt. Das Sicherungsrecht an den verpfändeten Vermögenswerten bleibt bestehen. Die Bank werde weiter alle Rechte, Sicherungsinteressen, Vollstreckungsmittel und Rückgewinnungswege nutzen.

So weit die Paragrafen. Die Frage, die auf der Leitung bleibt: Wie viel haben die indischen Banken in den letzten zwölf Jahren durch solche Vergleiche unter NCLT-Verfahren tatsächlich verloren? Congress-General Randeep Singh Surjewala sagt: bis zu 10 Lakh Crore. Er räumt ein, er habe einige Informationen, die das stützen. Die Öffentlichkeit weiß: nichts Genaues. Der Finanzminister schweigt bisher.

Es ist diese Stille, die mich am Lötkolben halten lässt. 99,97 Prozent Verlust auf einer einzigen Forderung – das ist nicht nur ein Einzelfall. Es ist der sichtbare Riss in einer Architektur, die sich Insolvenzgesetz nennt. Wenn 6,5 Crore 22.006 Crore tilgen, dann ist die Frage nicht mehr, ob das System funktioniert. Sondern für wen.

Rahul Gandhi sagt: für Milliardäre und ihre Freunde. Die Banken sagen: wir fechten an. Die Gläubiger sagen: wir bleiben dran. Die Steuerzahlerin in der Suppenküche fragt sich derweil, warum ihr Geld nicht das gleiche Recht auf eine Mundan bekommt.

Mein Büro riecht nach Lötzinn und kaltem Kaffee. Ich höre weiter auf den Drähten. Was hier versendet wird, ist keine Depesche über Zahlen. Es ist eine über die Frage, wessen Schultern 99,97 Prozent tragen.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 4 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Rahul attacks Modi government over NCLT settlement plan for Subhash Chandra

    im Titel der Quelle gefunden

    vorgeschlagene Belegstelle verworfen, weil so nicht im Quelltext: „Rahul Gandhi on Thursday (August 27, 2026) accused the Narendra Modi government of creating “two systems” in the country, one for a handful of billionaires and another for everyone else, after the National Company Law Tribunal (NCLT) approved a resolution plan allowing businessman Subhash Chandra to“

  2. ZITAT HDFC Bank plans to move NCLAT against NCLT order in Subhash Chandra case

    „HDFC Bank, one of the creditors in the Zee TV founder Subhash Chandra personal guarantee case, said it was exploring filing an appeal at the NCLAT, against the recent NCLT order that had accepted Mr. Chandra’s repayment offer of ₹6.5 crore to clear personal guarantee liabilities amounting to credito“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZAHL Creditors set to recover only ₹6.5 crore against ₹22,006 crore claims

    im Titel der Quelle gefunden

  4. ZITAT U.S. plans sanction on bank related to Iran transactions

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  5. ZITAT HDFC Bank CEO Jagdishan to step down, decides not to seek reappointment

    im Titel der Quelle gefunden

Herangezogene Quellen

5 Quellen · 4 davon belegt · 3 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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