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2. September 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Trifludimoxazin zugelassen: EPA setzt das fünfte Ewigkeitsgift auf den Acker

2. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Washington, D.C. — Ein Jahr zwischen Vorschlag und Genehmigung. Am 30. Juni 2026 hat die U.S. Environmental Protection Agency ihre endgültige Entscheidung veröffentlicht: Trifludimoxazin, ein neuer Wirkstoff mit Eigenschaften aus der Klasse der per- und polyfluorierten Alkylverbindungen, ist als Pestizid für Nahrungsmittelkulturen zugelassen. Die Freigabe umfasst Weizen, Hafer, Orangen, Äpfel und Mandeln.

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Das Verfahren selbst begann am 11. Juni 2025. An diesem Tag veröffentlichte die EPA den Vorschlag zur Registrierung eines technischen Produkts und fünf anwendungsfertiger Formulierungen mit dem neuen Wirkstoff Trifludimoxazin zur öffentlichen Kommentierung. Was folgte, war die reguläre Frist für Stellungnahmen aus Industrie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Am 30. Juni 2026, spät am Dienstag, wurde die Entscheidung dann final.

Die Nichtregierungsorganisation Center for Biological Diversity, die den Vorgang begleitet hat, spricht von der fünften Zulassung eines sogenannten „Forever Chemical"-Pestizids durch die EPA in dieser Regierungsperiode. Trifludimoxazin reiht sich damit in eine Serie von Wirkstoffen ein, die unter dem Sammelbegriff PFAS — per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen — zusammengefasst werden. Der Begriff „Ewigkeitschemikalien" rührt daher, dass diese Stoffe in der Umwelt über Jahrzehnte hinweg kaum abgebaut werden. Sie reichern sich in Böden, Gewässern und Organismen an.

Wer zahlt den Preis für ein Herbizid, das nicht verschwindet? Die Frage stellt sich nicht theoretisch, sondern sehr konkret auf den Feldern Kaliforniens, Floridas und des pazifischen Nordwestens, wo Orangen, Mandeln und Äpfel für den Export wachsen. Weizen und Hafer wiederum sind Grundnahrungsmittel, deren Anbauflächen sich über die gesamten Great Plains erstrecken.

Die regulatorische Mechanik in den USA ist bekannt: Wer einen Wirkstoff auf den Markt bringen will, reicht bei der EPA einen Antrag ein. Die toxikologischen, ökotoxikologischen und expositionsbezogenen Studien werden in der Regel vom Antragsteller selbst finanziert und durchgeführt. Die EPA prüft diese Daten, ergänzt sie durch eigene Recherchen und veröffentlicht ihre Risikobewertung im Federal Register sowie in der öffentlichen Pestizid-Datenbank. Zwischen Vorschlag und endgültiger Entscheidung liegt in diesem Fall ein Jahr.

Was in dieser Zeitspanne konkret geschah — welche Studien eingereicht wurden, welche Einwände erhoben wurden und wie die EPA sie gewichtet hat — ist über die EPA-Akten im Detail nachvollziehbar, aber nur für jene, die die Fachsprache der Behörde lesen können. Die Transparenz, die die EPA in ihren Verfahren gewährt, ist formal umfangreich. Sie ist jedoch keine Transparenz, die ohne Fachkenntnis zugänglich wäre. Ein Landwirt in Kansas, eine Verbraucherin in Hamburg — sie sehen das Ergebnis auf dem Etikett oder im Exportzertifikat, nicht den Weg dorthin.

Die EPA selbst spricht in ihrer Mitteilung vom 11. Juni 2025 von einer „neuen Herbizid-Option" für Anbauer. Die Botschaft ist klar: Resistenzmanagement. Wenn alte Wirkstoffe nicht mehr wirken, brauchen Landwirte neue Werkzeuge. Die Industrie liefert diese Werkzeuge, die Behörde prüft sie, die Anbauer setzen sie ein.

Was bleibt, ist die Frage der Standards. Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten haben bei Pestizidhöchstmengen keine harmonisierten Werte. Eine Zulassung in Washington ist keine Zulassung in Brüssel. Für Importeure bedeutet das: Rückstände auf importierten Orangen oder Mandeln, die in den USA erlaubt sind, können in der EU über den geltenden Höchstmengen liegen. Die Lebensmittelüberwachung in den Mitgliedstaaten prüft stichprobenartig. Eine Kennzeichnungspflicht für persistente Wirkstoffe auf der Frucht selbst existiert nicht.

Wer kontrolliert? Die EPA. Wer profitiert? Der Antragsteller und die Anbauer. Wer zahlt den Preis? Auf absehbare Zeit die Umwelt — und jene, die über Jahre mit dem Wirkstoff in Berührung kommen, ohne dass dies auf dem Etikett steht.

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