Geld, Gaza und ein Friedensrat der keiner ist
Marc Rowan sitzt an zwei Tischen. An dem einen wird über die Zukunft Gazas verhandelt — im sogenannten Board of Peace, einem von den Vereinten Nationen gebilligten Gremium, das Präsident Donald Trumps stockenden Plan für den Küstenstreifen umsetzen soll. An dem anderen fließt Geld. 1,5 Millionen Dollar hat der Chef des Finanzhauses Apollo Global Management seit Jahresbeginn an die United Democracy Project überwiesen, den Super-PAC des American Israel Public Affairs Committee, wie Unterlagen der Federal Election Commission zeigen, die The Intercept ausgewertet hat.
Das sind keine zwei getrennten Kreise. Es ist eine Leitung mit zwei Endpunkten.
Rowan, dessen Vermögen auf mehr als acht Milliarden Dollar geschätzt wird, spendete laut FEC zuerst im März eine Million Dollar an UDP — just als die Gruppe massiv gegen den republikanischen Kongressabgeordneten Thomas Massie aus Kentucky mobilisierte, einen der lautesten Kritiker der US-Waffenlieferungen an Israel. Eine zweite Tranche über 500.000 Dollar folgte am 23. Juli. Am selben Tag gab der AIPAC-Super-PAC laut den Filings rund 50.000 Dollar für Wahlkampf-Postwurfsendungen in Michigan aus, um den progressiven pro-palästinensischen Senatskandidaten Abdul El-Sayed anzugreifen. In Missouri flossen weitere 100.000 Dollar in Telefonbanking-Dienste gegen die ehemalige Abgeordnete Cori Bush, die gegen den pro-israelischen Amtsinhaber Wesley Bell antrat.
Wer konkret welche UDP-Ausgaben mit Rowans Geld finanziert hat, ist nicht öffentlich zu entschlüsseln. FEC-Filings weisen Spenden an Super-PACs aus, nicht ihre internen Buchungskanäle. Weder Rowan noch UDP antworteten auf Anfragen von The Intercept. Genau diese Intransparenz benennt Raed Jarrar, Advocacy Director bei Democracy for the Arab World Now, in dem Bericht: „Jetzt sitzt er in einem Gremium, das über Gazas Zukunft entscheidet. Die Palästinenser haben ihn nicht gewählt, und die amerikanischen Wähler auch nicht. Amerikaner und Palästinenser haben gleichermaßen ein Recht zu erfahren, wessen Interessen hier tatsächlich bedient werden."
Hinter den sichtbaren Schecks arbeitet eine Maschinerie, die mit dem alten Bild von Wahlkampf nur noch oberflächlich beschrieben ist. Microtargeting-Datenbanken, KI-gestützte Wählerprofile, automatisierte Telefonbanking-Plattformen und Lookalike-Audiences auf Meta und Google erlauben es, in Stunden statt in Wochen präzise auf einzelne Wahlkreise zu zielen. Die 50.000 Dollar an Michigan-Mailern waren kein Strohfeuer — sie wurden gegen ein vorab modelliertes Wählersegment adressiert. Die 100.000 Dollar in Missouri füttern keine Wahlplakate, sondern eine Datenpipeline, die entscheidet, welche Telefonnummern wann von welcher computergenerierten Stimme angerufen werden. Wer die Pipelines besitzt, besitzt den Wahlkreis.
Hier schließt sich der Kreis zu einem zweiten Akteur, der auf den ersten Blick weit weg wirkt — und auf den zweiten mitten im Bild steht. Tony Blair, ehemaliger britischer Premierminister, taucht in den Berichten über Gazas Zukunft mit einer Beharrlichkeit auf, die Fragen aufwirft. Jeremy Greenstock, ehemaliger britischer UN-Botschafter, berichtet Middle East Eye unter Berufung auf eine ministeriale Quelle, Blair habe die Palästinensische Autonomiebehörde aufgefordert, das Wort „Palästina" aus den Schulbüchern zu tilgen und durch den Begriff „Samaria" zu ersetzen — jene biblische Bezeichnung, die in der ideologischen Sprache der israelischen Siedlerbewegung tief verankert ist. Blair weist den Bericht zurück. Die Kolumnistin Soumaya Ghannoushi formuliert es in Middle East Eye so: „Palästina wird Blair und sein groteskes Board of Peace überdauern."
Die Rechnung ist kühl: AIPAC und die ihm nahestehenden Gruppen haben nach Zählung von boughtbyzionism.org in diesem Zyklus bislang mehr als 39,4 Millionen Dollar ausgegeben. Marc Rowan ist ein Knoten in diesem Netz — Milliardär, Trump-Spender bereits im gescheiterten Wahlkampf 2020, nach Berichten auch Geschäftsberater des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, und nun Mitglied jenes Gremiums, das Gaza neu zeichnen will. Die Wähler in Michigan und Missouri durften nicht mitentscheiden, welcher Kandidat gegen sie ins Feld zieht. Die Palästinenser durften nicht mitentscheiden, wer über ihr Schulcurriculum und über ihre Küste verfügt.
Man muss keine Drahtzieher konstruieren, um das Muster zu lesen: Wer über die Zukunft eines Landes verhandelt, sollte nicht gleichzeitig die politische Klasse des Landes neutralisieren, das diese Zukunft finanziert. Ob Spenden, ob Schulbücher, ob Pipelines — die Frequenzen verlaufen durch dieselben Hände.
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