DER FRIEDE, DER NICHT ANKOMMEN WILL — WITKOFFS ZÖGERN ALS SYMPTOM
Die Drähte summen. Aber diesmal nicht klar. Zwei Meldungen, zwei Zeiten, zwei Adressen — und mittendrin Steve Witkoff, der Mann, der angeblich den Frieden für Donald Trump aushandeln soll. Sein Problem, so berichten Quellen: Er hat Angst bekommen.
Angekündigt war alles anders. Reise nach Kiew und Moskau, 5. bis 6. September. Der erste Besuch amerikanischer Unterhändler in der ukrainischen Hauptstadt seit Beginn des russischen Angriffskriegs. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte das Treffen für Sonntag. TASS vermeldete Moskau zuerst. Das Weiße Haus schwieg zunächst.
Dann die Bruchstellen. The Kyiv Independent, gestützt auf eine Quelle mit Einblick, berichtet: Witkoffs erster Besuch in Kiew könne platzen. Er habe „angefangen, Angst zu bekommen", nach Kiew zu reisen. „Die Russen wollen nicht, dass sie hierherkommen", zitiert das Blatt. „Und Witkoff ist immer empfänglich für russische Stimmungen." Man sage ihm vor Ort, es sei gefährlich. Düsenangetriebene Drohnen, täglich, seit über einer Woche. Die SBU-Zentrale getroffen, das Büro des Geheimdienstchefs. Vier Tote in Kamianske.
Axios, gestützt auf eine Quelle in der US-Administration, rudert zurück: Die Reise finde doch statt. Erst Moskau, dann Kiew. Die Entscheidung habe mehrfach gewechselt. Ein Hin und Her, das mehr verrät als jede offizielle Erklärung. Quelle A sagt: Die Unterhändler sind bereits in Russland. Quelle B sagt: Sie bereiten den Besuch in der Ukraine vor. Beide Quellen verbreiten Rauch. Welcher ist dichter?
Dann die Sache mit dem Flugzeug. Witkoff reist ungern Zug, heißt es. Der ukrainische Luftraum ist seit Kriegsbeginn gesperrt. Wer nach Kiew will, muss auf der Schiene ankommen — oder das Risiko tragen. Das amerikanische Team fliegt. Selenskyj garantiert die russische Lufthoheit für den Besuch, Russland soll spiegelbildlich reagieren. Die New York Times berichtet, auch die US-Regierung habe auf einem Angriffsstopp bestanden. Deshalb die wochenlangen Verzögerungen.
Trump sagt Reportern, die Männer brächten „einen Vorschlag zur Beendigung des Krieges" mit. Konkret? Welcher Vorschlag? Das bleibt im Nebel. Putin, am Donnerstag auf einem Wirtschaftsforum, zeigt sich vage: „Es gibt Chancen" auf eine Einigung. Aber seine Maximalforderungen — mehr Territorium — stehen weiter im Raum. Kiew und die europäischen Verbündeten sagen: Das ist Kapitulation. Russland kontrolliert rund zwanzig Prozent des ukrainischen Territoriums.
Dann der Widerspruch, der sich nicht auflösen lässt. Trump sagt, Putin werde kein NATO-Gebiet angreifen. Aber in derselben Woche schlägt eine Drohne auf einem deutschen Flughafen ein. Quelle A sagt: Trump glaubt an russische Zurückhaltung. Quelle B sagt: Die Bedrohung durch Putin bleibt bestehen. Die Fakten widersprechen den Worten. Das ist der Kern.
Der August-Termin ist schon geplatzt. Unabhängigkeitstag der Ukraine, 24. August — Witkoff und Kushner sollten kommen. Der Kreml nannte sie „willkommene Gäste". TASS-Quellen sagten später, es gebe „Gründe für eine Verschiebung". Jetzt, einen Monat später, das gleiche Spiel. Moskau bestätigt, Kiew bestätigt, Washington schweigt, dann rudert Axios zurück. Peskow, Kremlsprecher, gibt die offizielle Linie: „Ich werde nichts ankündigen. Wenn diese Kontakte stattfinden, werden wir darüber informieren."
Die Suppenküche wartet. Der Kaffee wird kalt. Und Witkoff — der sitzt irgendwo zwischen den Depeschen, mit einer Angst, die größer ist als sein Mandat. Wer kontrolliert diesen Plan? Wer profitiert? Wer zahlt den Preis? Auf diese Fragen gibt es noch keine Antwort. Nur Rauch aus zwei Richtungen, den wir durch unsere Linsen betrachten müssen.
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