Größer als Central Park — gezähmt mit Ketchup
Irvine, Kalifornien — Die Drähte summen. Was sie tragen, klingt nach Größenwahn mit Ketchup.
Am Freitag, den 4. September, hat In-N-Out am 7900 Great Park Boulevard aufgemacht. Es ist Filiale Nummer 443 der Kette, die in Kalifornien längst Kult ist und im Rest der Republik nur bewundernd bestaunt wird. 3.860 Quadratfuß Innenfläche, 84 Sitzplätze drinnen, weitere 36 auf der 500-Quadratfuß-Terrasse, 33 Fahrzeuge in der Drive-Thru-Schlange. Geöffnet wird von halb elf vormittags bis ein Uhr nachts, Sonntag bis Donnerstag. Am Wochenende bis halb zwei. So sieht der Alltag einer Burger-Filiale aus, wie sie im Reiseführer steht.
So sieht auch aus, was hier entsteht.
Denn dieser neue In-N-Out ist nicht irgendeine weitere Filiale. Er ist der Ankermieter von The Canopy, einem zwölf Acre großen Shopping- und Gastronomie-Quartier mitten im Great Park. Der Great Park selbst: 1.300 Acres, rund fünfhundert Acres größer als Manhattans Central Park. Eine Milliarde Dollar schwer. Erbaut auf dem Boden, auf dem einst die Marine Corps Air Station El Toro stand — Land also, das einmal der Bundesregierung gehörte und nun der Stadt und ihren Entwicklern.
Geplant sind Seen mit Kaskadenwasserfällen, eine Great Meadow, eine kleine Farm, Wanderwege, Museen, Sportanlagen, Geschäfte, Restaurants und ein Amphitheater. Eine ganze Stadt im Format eines Parks. Die Planer bezeichnen das Ganze als "walkable, all-day destination" — einen Ort, an dem man zu Fuß den ganzen Tag verbringen kann, ohne je den asphaltierten Boden verlassen zu müssen.
Die Nachbarn des Burgers stehen bereits in den Startlöchern: T&T Supermarkt aus Kanada, Philz Coffee, H&H Bagels, The Taco Stand und SHOOTZ. Sechs Namen, sechs Konzepte, ein gemeinsamer Mietervertrag. Was hier entsteht, ist weniger Park im klassischen Sinne als Agglomeration. Eine Agglomeration mit Seepromenade und Wanderweg als Verpackung.
Die Eröffnungsfotos zeigen das, was Amerika bei jeder Eröffnung zeigt: Mütter mit Handykameras vor Söhnen auf roten Barhockern, Teenager mit Burger im Mund und Selfie im Anschlag, Angestellte in weißen Hemden, roten Schürzen und Papierhütchen, die Tabletts mit frisch geschnittenen Pommes nach draußen tragen. Alle 84 Innenplätze belegt, die drive-thru-Schlange steht in der Sonne. Es ist Eröffnung. Es ist das Land.
Dabei sitzt die In-N-Out-Zentrale ohnehin in Irvine. Das Unternehmen hat allerdings angekündigt, zurück nach Baldwin Park zu ziehen, wo es einst gegründet wurde, und parallel eine Ostküsten-Zentrale im Großraum Nashville aufzubauen. Die Firma wächst. Filiale 443 ist also nicht nur Standort, sondern Teil einer Strategie, die über Kalifornien hinausweist.
Voss notiert am Rand: 1.300 Acres. Eine Milliarde Dollar. Ein Doppel-Doppel. Die Reporterfrage, die sich jeder stellt, der die Drähte bedient — wem gehört das hier eigentlich, wer profitiert, wer zahlt am Ende den Preis — klingt in der Frequenz nur dann durch, wenn man den Lautsprecher etwas weiter aufdreht. In den Pressemitteilungen steht sie nicht.
Dort steht: das Projekt heißt Great Park, es ist größer als Central Park, es kostet eine Milliarde, und der erste Burger ist gebraten. Mehr nicht. Mehr braucht es vielleicht auch nicht, um zu begreifen, dass hier kein Park im alten Wortsinn entsteht. Es ist ein Konsumgelände im Parkgewand. Getarnt als Gemeingut. Finanziert als Investment.
Was bleibt, ist das Bild der Schlange an der drive-thru, der 84 besetzten Plätze, der Mütter mit ihren Handys und der Pommes in der Sonne. Das ist die Eröffnung. Das ist das Ereignis. Der Rest ist Architektur.
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