Stock in den After, drei Jahre Haft: Die Anatomie eines Gefängnisverbrechens
Hong Kong. Drei Jahre. So lautet das Maß, das District Court Judge Frankie Yiu Fun-che am Montag gegen Tam Lik-chung verhängt hat. Ein Mann, der einst für die Correctional Services Department arbeitete — jene Behörde also, die in Hongkong Haftanstalten betreibt und Insassen unter Aufsicht hält. Heute sitzt er selbst hinter Gittern. Die Geschichte ist schnell erzählt. Die Frage, die sie aufwirft, ist es nicht.
Die Tat trägt das Datum 26. Dezember 2023. Der Ort: Pik Uk Prison in Sai Kung, eine Haftanstalt im Osten der Stadt. Was an jenem Dezembertag in einer Bingo-Runde begann, endete in rektalen Blutungen eines wehrlosen Gefangenen.
Laut Urteil hatte Tam, heute 35 Jahre alt und ehemaliger Assistant Officer im Strafvollzugsdienst, während eines Bingospiels mit Babypuder bestreut worden. Was als Streich unter Mithäftlingen erscheinen mag, wurde zum Auslöser einer Gewalt, die das Gericht später als sehr ernst einstufte. Tam schlug den Häftling wiederholt mit einem Stock. Er stieß diesen mehrfach in den After des Opfers. Die Verletzungen waren so schwer, dass der Mann in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste.
Tam handelte nicht allein. Er wies andere Insassen an, sich an dem Angriff zu beteiligen. Er führte die Gruppe an. Pik Uk Prison ist eine geschlossene Anstalt — kein Raum ohne Wärter, keine Geste ohne Zeugen. Doch diejenigen, die hätten eingreifen können, schwiegen. Diejenigen, die hätten schreien können, schwiegen auch.
Anstatt die Tat zu melden, versuchte Tam die Spuren zu verwischen. Er wies den Geschädigten an, gegenüber den Behörden eine Falschaussage zu treffen: Der Mann solle angeben, er habe sich nach dem Auffinden von Blut im Stuhl mit einem Kugelschreiber gekratzt. Eine plumpe Konstruktion. Doch sie hielt lang genug, um die ersten Stunden zu überbrücken.
Im April bekannte sich Tam schuldig — in zwei Anklagepunkten. Erstens: wounding with intent to do grievous bodily harm, also Körperverletzung mit der Absicht, schwere gesundheitliche Schäden zuzufügen. Zweitens: perverting the course of justice, die Behinderung der Justiz durch jene Falschaussage.
Richter Yiu verwies bei der Urteilsverkündung auf mehrere erschwerde Umstände: die Führungsrolle Tams, die organisierte Einbeziehung weiterer Insassen, die Brutalität der Methode, die versuchte Vertuschung, die Schwere der Verletzung am After des Opfers. Drei Jahre Haft. So wiegt das Gericht einen Akt staatlich geduldeter Gewalt.
Pik Uk Prison ist keine Anstalt am Rand des Systems. Sie ist Teil des Hongkonger Strafvollzugs, einer Institution, die — so der gesetzliche Auftrag — Häftlinge nicht nur verwahren, sondern auch resozialisieren soll. Was Tam Lik-chung am 26. Dezember 2023 tat, war die Anwendung physischer, sexuell konnotierter Gewalt durch eine Person, die zum Schutz der Schwächsten eingesetzt war. Dass andere Mithäftlinge auf sein Kommando hin zuschlugen, ist kein Nebenwiderspruch — es ist Teil der Mechanik. In geschlossenen Anstalten folgen Verletzliche den Anweisungen derer, die Macht haben. Das gilt für Wärter. Es gilt auch für jene, die als Wärter auftreten.
Wer kontrolliert, wer profitiert, wer zahlt den Preis — das sind die drei Fragen, die jede Justizreporterin stellen sollte. Hier lauten die Antworten: Der Staat kontrolliert die Anstalt. Er profitiert von der Aufrechterhaltung seiner Hoheit. Der Preis wird von jenen bezahlt, die in seinen Mauern sitzen und keine Stimme haben.
Das Urteil gegen Tam ist gesprochen. Drei Jahre für einen Stock-Schlag in den After eines wehrlosen Mannes. Die Akte Pik Uk Prison, Dezember 2023, wird geschlossen. Sie ist eine von vielen. Denn wo Macht ohne Aufsicht in geschlossenen Räumen herrscht, wird sie missbraucht — nicht immer, aber strukturell.
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