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Terminal Tribune

8. September 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Gigawatts und kein Wasser: Amerikas KI-Baumanie frisst sich selbst

8. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Die Kurve kennt nur eine Richtung: steil nach oben. Wer in diesen Wochen die Census-Zahlen liest, sieht eine Linie, die jedem alten Telegraphisten das Blut in den Adern gefrieren lässt. Im Juli schnellten die monatlichen Ausgaben für den Bau von KI-Rechenzentren um 57 Prozent im Jahresvergleich auf eine saisonbereinigte Jahresrate von 75 Milliarden Dollar. Seit Anfang 2021 summiert sich der Anstieg auf 717 Prozent. Nahezu exponentiell, sagen die Statistiker.

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Wer zahlt das? Wer erntet es? Und vor allem: Wer hält die Hand auf den Lichtschaltern, wenn die Maschinen erst einmal laufen?

Das Rennen ist in vollem Gang. Eine Billion Dollar an Rechenzentren soll so schnell wie möglich aus dem Boden gestampft werden, ungeachtet der Kosten und Hindernisse. Doch das Tempo hat Gegenwind erzeugt. Dutzende Bundesstaaten haben Moratorien und Bannmeilen gegen Neubauten verhängt oder erwägen sie. New York etwa hat ein einjähriges Moratorium in Kraft gesetzt, bis eigene Regulierungen stehen. Die Gründe: explodierende Strompreise, Angst vor Blackouts, Wasserknappheit, Lärm und Abgase der Dieselaggregate und Gasturbinen, die notdürftig auf den Baustellen Strom erzeugen. Manche der geplanten Anlagen sollen mehrere Gigawatt verschlingen — Strommengen, die das Netz nicht aus dem Stand liefern kann.

Parallel bleiben die kommerziellen Fragen unbeantwortet. Welche Billionenumsätze soll die KI eigentlich generieren, die diese Investitionen rechtfertigen? Niemand weiß es. Aber baut nur, die Einnahmen werden schon kommen.

Die Zahlen, die das Census Bureau ausweist, umfassen nur die Baukosten der Hallen, die Erschließung und die fest verbauten Anlagen wie Klimatechnik. Nicht enthalten sind die teuersten Teile: Server, Racks, optische und elektronische Verbindungen, Stromversorgung, Kühlung, Generatoren, Leitungen. Wer die wahre Rechnung sehen will, muss weiter zählen.

Die Bauwirtschaft hat reagiert. Weil die Auftraggeber schneller fertig werden wollen als irgendjemand es für möglich hielt, werden neue Verfahren aus dem Boden gehoben wie frischer Estrich. Der Zementhersteller Amrize nutzt vorausschauende Modellierung, um maßgeschneiderte Betonmischungen zu entwerfen — ein Prozess, der früher durch wochenlanges Probieren erledigt wurde. Stanley Black & Decker gemeinsam mit August Robotics hat einen Roboter entwickelt, der tausende Bohrungen für die Verankerung von Server-Racks in den Boden bringt. Sechs Wochen Zeitersparnis pro Projekt. Hinzu kommen Fertigung elektrischer und mechanischer Komponenten abseits der Baustelle.

Was hier als Effizienz verkauft wird, ist in Wahrheit Brandbeschleuniger. Wer Engpässe beim Strom, beim Wasser, beim Netzanschluss mit schnellerem Bau umgeht, schiebt das Problem nur um ein paar Monate nach hinten — in eine Zukunft, in der dann noch größere Anlagen stehen, die noch mehr Last erzeugen.

Die Meldungen aus anderen Quellen zeichnen ein noch schärferes Bild. Salon nennt das Verhalten der Tech-Oligarchen ein Zeichen von Schwäche: Sie werfen mit Geld um sich, weil sie die Kraft der Menschen fürchten, die sich ihnen widersetzen. Auf einer anderen Bühne wird die Frage gestellt, was passiert, wenn die KI-Zukunft mit dem wichtigsten Rohstoff der Menschheit kollidiert — dem Trinkwasser. Und die Brokerage-Daten von JLL und CBRE zeigen: Die Nachfrage nach Rechenzentren hat sich verdoppelt, neue Boomtowns entstehen, die Projektionen sprechen von Investitionen bis 31,6 Billionen Dollar — wobei Europa bereits an seine Grenzen stößt.

Exponentialkurven brennen aus, oft mit einem Knall. Aber sie können länger dauern, als man sich vorstellt. Das ist die eine Wahrheit, die in jeder Telegraphenleitung zittert. Die andere: Noch weiß niemand, wer am Ende die Rechnung bezahlt. Die Auftraggeber? Die Stromkunden? Die Kommunen, deren Wasser knapp wird? Oder jene, die rechtzeitig ausgestiegen sind, bevor das Licht ausging?

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 0 von 2 Behauptungen belegt
  1. ZITAT AI data center investment is experiencing an exponential 'mania'.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  2. ZITAT Money is being invested to address existing hurdles and shortages in the sector.

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Herangezogene Quellen

1 Quelle · 0 davon belegt · 3 externe Belege · 2 prüfbare Behauptungen

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