EPA Schwächt Methanauflagen — Industrie Spart, Die Atmosphäre Zahlt
Washington. Die Environmental Protection Agency hat am Donnerstag angekündigt, Methanauflagen für die Öl- und Gasindustrie aufzuweichen. Eine Meldung aus einer einzigen Quelle, und diese eine Quelle ist genau jene Behörde, die von der Aufsicht zur Gefälligkeit wechselt. Ich übersetze trotzdem — und zwar mit angehaltenem Bleistift.
Die EPA spricht von einem "zielgerichteten Verbesserungspaket". Wer im Wörterbuch der Behörden mitliest, hört das Wort "Verbesserung" und denkt an Fortschritt. Wer den Morsecode der Regulierer kennt, hört etwas anderes: Schleifung. Die Trump-Administration begründet den Schritt mit der Beseitigung "doppelter Bürokratie". Doppelte Bürokratie — das ist in der Sprache der Lobbyisten jede Vorschrift, die einen zweiten Blick verlangt, bevor das Gas in die Atmosphäre entweicht.
Konkret geht es um eine Regel aus dem Jahr 2016, eingeführt unter der Obama-Regierung. Diese Regel verpflichtete Öl- und Gasunternehmen, Methanlecks an Bohrlöchern, Verdichterstationen und anderen Anlagen aufzuspüren und zu schließen. Sie verlangte außerdem die Eindämmung des routinemäßigen Abfackelns — also jenes Vorgangs, bei dem Gas, das bei der Förderung anfällt, einfach verbrannt wird, weil der Aufwand der Aufbereitung als zu hoch gilt. Die neue Stellungnahme der EPA soll diese Anforderungen ersetzen.
Die Behörde beziffert die Entlastung für die Industrie auf 75 Millionen Dollar pro Jahr. Siebzigfünf Millionen. Das ist die Zahl, die in den Depeschen steht. Was nicht in den Depeschen steht: Was kostet es, das Methan nicht mehr einzufangen? Die Antwort steht in keiner offiziellen Mitteilung. Sie steht in der Atmosphäre.
Methan ist kein Kavaliersdelikt der Atmosphärenchemie. Es ist ein Treibhausgas, das in den ersten zwanzig Jahren nach seinem Austritt etwa achtzigmal stärker wirkt als Kohlendioxid. Wer die Regeln für die Überwachung von Methanlecks aufweicht, der weicht nicht Bürokratie auf. Der weicht den Griff um die Erderwärmung. Eine Tonne Methan, die oben ankommt, heizt stärker als eine Tonne Kohlendioxid. Multiplizieren Sie das mit der Zahl der Bohrlöcher in den USA — und Sie haben einen Daumen auf der Klimakurve, der gerade losgelassen wird.
Parallel verschiebt die EPA die Frist, bis zu der Bundesstaaten die Methanauflagen umsetzen müssen, um achtzehn Monate. Achtzehn Monate, in denen die Industrie weiter emittieren darf, ohne mit bundesstaatlichen Sanktionen rechnen zu müssen. Wer in Texas lebt, bekommt achtzehn zusätzliche Monate schlechterer Luftqualität. Wer in Wyoming lebt, bekommt sie auch. Wer am Golf wohnt, sowieso.
Der Kontext: Die Trump-Regierung hat in den vergangenen Wochen die Eröffnung des Tongass-Nationalwalds in Alaska vorangetrieben. Die Methanregel ist kein isolierter Vorgang. Sie steht in einer Reihe mit Entscheidungen, die alle in dieselbe Richtung weisen — mehr fossile Förderung, weniger Aufsicht, kürzere Zügel. Ein Beobachter nennt das Deregulierung. Ein anderer nennt das den Abbau von Schutzmaßnahmen. Beide haben recht.
Ich frage mich, wie unsereins das nennt. In meinem alten Telegraphenraum hätte es geheißen: "Strippe wird gekappt, das Signal rauscht." Wer zahlt die Rechnung? Nicht die EPA, nicht die Ölkonzerne, nicht deren Aktionäre. Die Atmosphäre zahlt. Die Küstengemeinden zahlen, die in zwanzig Jahren unter steigendem Meeresspiegel leben werden. Die Landwirte im Mittleren Westen zahlen, deren Ernten unter zunehmender Dürre leiden. Die Menschen in den Großstädten zahlen, deren Sommer heißer werden. Die kommenden Generationen zahlen, die mit einem Klima aufwachsen, das wir so nicht mehr kennen werden.
Ich habe für diese Meldung ein einziges offizielles Statement. Eine einzige Quelle, die gleichzeitig Akteur und Kommentator des Vorgangs ist. Das ist wie ein Funkspruch, bei dem Sender und Empfänger in derselben Hand liegen. Ich gebe die Fakten weiter. Aber ich markiere jede Behauptung dieser Quelle als unverifiziert. Wenn die EPA behauptet, die Lockerung sei ein "Verbesserungspaket", dann ist das zunächst einmal eine Behauptung der EPA — keine Feststellung. Wenn die Industrie sagt, sie spare 75 Millionen Dollar, dann ist das eine Rechnung der Industrie. Was die Umwelt spart, hat sie nicht mitgeteilt.
Wer profitiert? Die Öl- und Gasindustrie. Wer verliert? Jeder Mensch, der Atemluft als Selbstverständlichkeit betrachtet. Die Frage ist nicht, ob diese Lockerung politisch gewollt ist. Die Frage ist, wie schnell das Klima auf diese Art von Politik antwortet. Die Antwort steht nicht in einer Pressemitteilung. Sie steht im nächsten Hitzesommer, in der nächsten Überschwemmung, im nächsten Waldbrand.
Bis dahin: Funkstille. Die Drähte summen weiter.
Ada Voss, Terminal Tribune
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