Neunmal abgelehnt — Texas öffnet die Steuerkasse
Achtung, Draht. Hier ist eine Geschichte über Hintertüren. Nicht über Frequenzen, nicht über Röhren — über Paragraphen, die sich biegen lassen, wenn genug Geld auf dem Tisch liegt. Neun Bundesstaaten haben einer privaten Schulkette namens Alpha School die Tür gewiesen. Texas hat sie durch eine andere wieder hereingelassen. Mit dem Schlüssel der Steuerzahler.
Mein Büro riecht heute stärker nach Lötzinn als sonst. Vielleicht liegt es an diesem Stoff.
Alpha School ist ein wachsendes Netz privater Schulen. Ihr Versprechen: Schülerinnen und Schüler „zermalmen" — so das eigene Marketing — Lesen und Mathematik in zwei Stunden täglich. Den Rest des Tages kümmern sich menschliche „Guides" um Motivation und seelischen Beistand. Künstliche Intelligenz übernimmt den Unterricht. Der Slogan: „School is broken, and we're here to fix it."
Zwei Stunden. Eine Maschine lehrt, ein Mensch coacht. Wer in diesem Beruf einmal eine halbwegs vernünftige Schulstunde beobachtet hat, weiß, dass zwei Stunden Mathematik und Lesen für ein Schulkind nicht der Tagesbedarf sind. Aber das ist nicht mein Punkt. Mein Punkt ist das Verfahren.
In den vergangenen zwei Jahren haben Schulbehörden in mindestens neun Bundesstaaten den Antrag geprüft, Alpha als staatlich geförderte Charter-Schule zuzulassen. Alle haben abgelehnt. Das texanische Bildungsministerium, das im letzten Jahrzehnt fast jede Charter-Bewerbung durchgewunken hat, stimmte im Sommer 2024 gegen Alpha. „Ich bin da ein wenig skeptisch bei diesen Fortschritten", sagte der republikanische Vorstandsabgeordnete Keven Ellis. Utah nannte das Modell „ungetestet" und „experimentell". In North Carolina fürchtete ein Vorstandsmitglied, zwei Stunden seien „bei Weitem nicht genug". Eine Behörde in Utah sorgte sich im August 2024, die menschlichen „Guides" könnten eher „Life Coach" als Lehrer sein.
Bis zum Frühjahr hatte Alpha nach eigenen Angaben in mindestens zehn Bundesstaaten Charter-Anträge gestellt. Nur Arizona sagte ja.
Dann öffnete sich eine andere Tür. Während Alpha an den Charter-Toren abblitzte, lief in Texas ein neues Programm an: ein Voucher-Programm. Eltern sollten Steuergeld erhalten, um ihre Kinder auf Privatschulen oder in Heimbeschulung zu schicken. Eine andere staatliche Behörde — nicht das Bildungsministerium — ließ daraufhin die meisten Alpha-Standorte für dieses Programm zu. Die Schulaufsicht sagt nein. Eine andere Stelle sagt ja. Das ist die Konstruktion.
Die Architektur des Loophole liegt offen zutage: Wird der eine Zugang versperrt, öffnet sich der andere über einen anderen Verwaltungsweg. Das Charter-Verfahren verlangt eine pädagogische und politische Prüfung durch das Bildungsministerium. Das Voucher-Verfahren nimmt die Schulen über eine andere Logik auf. Alpha School ist also nicht trotz, sondern parallel zu den gescheiterten Charter-Bewerbungen für ein neues Steuerkassenprogramm zugelassen worden.
Nun die Spenden. Die Mitgründerin MacKenzie Price und ihr Mann Andy haben vor und nach der Verabschiedung des texanischen Voucher-Programms mehr als zwei Millionen Dollar an texanische Gesetzgeber und politische Aktionskomitees gespendet — an dieselben Leute, die das Programm beschlossen haben und es beaufsichtigen. Price sprach auf Instagram von Treffen mit Vertretern des Weißen Hauses und „Entscheidungsträgern, die das Schicksal unserer Gesellschaft in den Händen halten".
Zwei Millionen Dollar Spenden sind kein Verbrechen. In der amerikanischen Demokratie sind solche Zuwendungen legal. Eine jüngere Wählerumfrage aus Texas zeigt indes: Die Mehrheit der Texaner lehnt die Verwendung von Steuergeldern für Privatschulgelder ab. Das Programm, das Alpha School jetzt aufnimmt, geht also gegen den Willen der Steuerzahler vor, die es finanzieren sollen.
Ob und in welcher Höhe tatsächlich Voucher-Mittel fließen werden, ist durch die vorliegenden Quellen nicht abschließend belegt. Die Einladung in das Programm, die behördliche Zulassung, die Spenden — diese drei stehen dokumentiert auf dem Draht. Sie ergeben, zusammengenommen, ein Bild, das jeder für sich lesen muss.
Ada Voss, Terminal Tribune. 1937. Die Drähte summen. Ich übersetze.
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