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Terminal Tribune

11. September 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

VIER KONZERNE, EIN KRIEG: WAS DIE KI DEM PENTAGON BAUT

11. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Vierhundert Seiten Papier. Freigegeben auf Klage. Vier Konzerne, je ein Vertrag, je zweihundert Millionen Dollar. The Intercept hat gemeinsam mit Legal Advocates for Safe Science and Technology über ein FOIA-Verfahren Vertragsdokumente zwischen dem US-Verteidigungsministerium und vier großen KI-Konzernen erstritten: Anthropic, Google, OpenAI und xAI. Die ursprünglichen Verträge wurden im Juli 2025 unterzeichnet, später ergänzt durch Amendments — Vertragsnachträge, mit denen die Kooperation Stück für Stück erweitert wird.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Was in den Papieren steht, geht über das hinaus, was bisher aus Pressekonferenzen durchsickerte. Die Konzerne sollen Prototypen künstlicher Intelligenz entwickeln, die "militärischen Vorteil verbessern, militärische Nützlichkeit erhöhen oder militärische Entscheidungsfindung verbessern" — über das gesamte Spektrum der Streitkräfte hinweg. Anwendungsfelder: Kriegsführung, automatisierte Entscheidungsfindung, Logistik, militärische Aufklärung. Diese Prototypen sollen, so die Dokumente, die Grundlage für KI-Werkzeuge bilden, die heute bereits auf den klassifizierten Netzwerken des Verteidigungsministeriums laufen — jenen Rechenanlagen, deren Inhalt als geheim eingestuft ist. Ein Vertrag dokumentiert bereits den konkreten Einsatz von OpenAI-Systemen auf einem dieser Netze. Die äquivalenten Papiere der anderen drei Anbieter stehen noch aus.

Es ist kein Geheimnis, dass die großen KI-Labore mit dem Pentagon reden. Was die Verträge offenlegen, ist die Tiefe und Reichweite dieser Zusammenarbeit. "Es scheint das erste Mal zu sein, dass das Ausmaß der Zusammenarbeit zwischen Frontier-AI-Laboren — jenen Forschungseinrichtungen, die an der vordersten Front der Modellentwicklung arbeiten, dort, wo die größten und teuersten Systeme trainiert werden — und dem Pentagon explizit ausbuchstabiert wird", sagt Sophia Goodfriend, Forschungsstipendiatin an der University of Cambridge und Non-Resident Fellow an der Harvard Kennedy School. Besonders bemerkenswert, so Goodfriend, sei die Bedingung, dass Ingenieure "im Gleichschritt mit dem Kriegsministerium" arbeiten, um KI-Systeme für "Überwachung, Zielauswahl und Tötung" zu konstruieren.

Hier muss man die Sprache sortieren, denn die Begriffe sind mit Bedacht gewählt. "Überwachung, Zielauswahl, Tötung" — wer auf den Drähten sitzt, weiß: das ist kein Vokabular für eine Logistiksoftware. "Gleichschritt" — nicht als Drittanbieter, nicht als Werkzeug-Lieferant im Hinterzimmer. Die Ingenieure der Firmen arbeiten an denselben Systemen wie die Stellen, die den Krieg führen.

Vierhundert Seiten, viele Schwärzungen. Was durchscheuert, ergibt ein Bild. Eine öffentlich ausgetragene Trennung zwischen Anthropic und dem Pentagon — offiziell über die Ethik moderner Kriegsführung — hing nach Darstellung der Dokumente an genau einem dieser Verträge, der bis zuletzt unter Verschluss lag. Das Innenleben der Kooperation ist Schritt für Schritt vertraglich geregelt, vom Prototyp bis zum Einsatz auf geheimen Netzen.

Eine zusätzliche Bestätigung liefert das AI Now Institute: die Verträge sehen vor, dass die Konzerne "risk forecasting and threat ideation exercises" liefern — also Voraussagen künftiger Risiken und Gefahren, die ihre eigenen Produkte im Einsatz hervorrufen könnten. Die Entwickler der Systeme sollen zugleich deren Risikoprüfer sein.

Goodfriends Diagnose, festgehalten in einer weiteren Quelle: die Werteerklärungen der Labore, ihre "festen roten Linien" bei autonomen Waffen und Massenüberwachung, seien nach Unterzeichnung dieser Verträge eine Fiktion. Die Verträge selbst sprechen von "autonomen Systemen" für das Militär.

Was die Maschinen heute leisten, ist nüchtern aufgezählt: Mustererkennung in Echtzeit, Sprachverarbeitung, Entscheidungshilfe. Was sie nicht können, steht in keinem Vertrag — sie können nicht erklären, wohin die Entscheidungshilfe führt. Der Preis der Algorithmen wird nicht in den Papieren bezahlt. Der Preis wird dort bezahlt, wo die Systeme eingesetzt werden.

Vier Verträge, ein Begriff, der in den Papieren immer wiederkehrt: "warfighting". Kriegsführung. Die Drähte summen. Wir haben gehört.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 1 von 2 Behauptungen belegt
  1. ZITAT AI technology giants are collaborating with The Pentagon.

    „The contract materials show the close and complex partnership between the Pentagon and the AI industry“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT The relationship is documented and revealed through specific contracts.

    die vorgeschlagene Belegstelle steht so NICHT im Quelltext und wurde deshalb verworfen; das ist eine Aussage ueber den Vorschlag, nicht ueber die Quellenlage

    vorgeschlagene Belegstelle verworfen, weil so nicht im Quelltext: „The documents, many heavily redacted, consist of contract paperwork from deals originally signed in July 2025 between the Department of Defense and Anthropic, Google, OpenAI, and xAI“

Herangezogene Quellen

1 Quelle · 1 davon belegt · 3 externe Belege · 2 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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