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12. September 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Schatten über dem Kabinett: Chaos vier Posten in der Volksrepublik

12. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen. Peking spricht, Washington schweigt, und dazwischen steht eine Frau, die in beiden Hauptstädten Stühle hatte. Die Affäre um Elaine Chao, Ehefrau des republikanischen Senators Mitch McConnell aus Kentucky, ist ein Fall für das Fact-Checking-Ressort — und ein Beispiel dafür, wie zwei Verwaltungen dieselbe Akte führen und verschiedene Schlüsse ziehen.

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Übersetzungen chinesischer Regierungs- und Staatsmediendokumente, veröffentlicht durch die Daily Caller News Foundation, listen vier Berufungen Chos in chinesische Regierungspositionen seit dem Jahr 2008 auf. Einige dieser Ämter sind nach den Übersetzungen Organen der United Front Work Department (UFWD) zugeordnet — jener Struktur, die das Repräsentantenhaus-Sonderkomitee zur Kommunistischen Partei Chinas als "eine einzigartige Mischung aus Engagement, Einflussaktivitäten und nachrichtendienstlichen Operationen" beschreibt. Die U.S.-China Economic and Security Review Commission formuliert den Zweck technisch: Die UFWD diene Peking dazu, Außenpolitik zu steuern und "Zugang zu fortschrittlicher ausländischer Technologie" zu erlangen.

Was Correctiv bislang verifizieren konnte: Die zeitliche Überschneidung der chinesischen Berufungen mit amerikanischen Kabinettsämtern ist in den übersetzten Dokumenten belegt. Chao amtierte als Arbeitsministerin unter George W. Bush und als Verkehrsministerin unter Donald Trump. Die Amtszeiten überlappen sich nach den Listen teilweise mit den Pekinger Berufungen. Eine Ministerin, die während ihrer Amtszeit beratende Funktionen in einer ausländischen Einflussstruktur ausübt — das ist der belegte Kern des Vorgangs.

Was Correctiv nicht abschließend bestätigen kann, ist die politische Substanz dieser Berufungen. Patrick O'Connor, Sprecher Chos und der Foremost Group, weist die Darstellung vollständig zurück. "Sie hat nie eine Position in einer ausländischen Regierung bekleidet oder im Namen einer solchen gehandelt. Uns ist nicht bekannt, dass sie Vertreter von UFWD-Einheiten getroffen hat", erklärte O'Connor, nachdem ihm Fotos aus chinesischen Staatsmedien der Jahre 2010 bis 2026 vorgelegt worden waren, die Chao bei Treffen mit Funktionären der KPCh und der UFWD zeigen. Den Bericht nannte er "unbegründet, zutiefst verletzend und rassistisch".

Auf die Nachfrage, warum die Prüfung chinesischer Regierungsverbindungen als rassistisch zu werten sei, antwortete O'Connor: "Es ist verdächtig, wenn der Daily Caller Andeutungen über eine ehemalige zweimalige Kabinettsministerin asiatischer Abstammung macht, insbesondere auf Grundlage von Fotos, von denen einige Jahrzehnte alt sind. Die Ministerin ist eine stolze Amerikanerin."

Hier beginnt der Flickenteppich, den Correctiv Stück für Stück aufdröselt. Die chinesischen Originaldokumente, übersetzt vom DCNF, führen die Berufungen namentlich, mit Datum und Organ auf. Die amerikanische Seite verweist auf "fast fünf Jahrzehnte treuer Dienste" für die Vereinigten Staaten. Beide Erzählungen stehen unverbunden im Raum. Correctiv stellt fest: Belegt ist die Diskrepanz zwischen der offiziellen Selbstdarstellung und den in chinesischen Staatsmedien dokumentierten Auftritten und Berufungen. Nicht belegt ist bislang, welche dieser Termine welchen Charakter hatten — ehrenamtlich, repräsentativ oder operativ.

Hinzu kommt ein Formfehler: Chao hat bei ihrer Senatsbestätigung als Verkehrsministerin im Januar 2017 keine der chinesischen Regierungspositionen offengelegt. Die Bestätigungspapiere verlangten die vollständige Auflistung aller in den letzten zehn Jahren bekleideten Ämter. Die Lücke im Papier ist benannt. Eine Erklärung, warum die Positionen nicht angegeben wurden, steht aus.

Das Netz reicht über Chao hinaus. Auch ihre verstorbene Schwester Angela Chao und ihr Vater James S.C. Chao, Gründer der Reederei Foremost Group, tauchen in den chinesischen Dokumenten mit Positionen der Regierung und der UFWD auf. O'Connor bestreitet auch diese Einträge pauschal. Foremost Group reagierte bis Redaktionsschluss nicht auf eine separate Anfrage.

Die Reaktion im politischen Washington folgte dem erwartbaren Muster. Die ehemalige republikanische Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene forderte über X eine förmliche Untersuchung und fragte nach einem "Beweis für das Leben" des Senators aus Kentucky. Gordon G. Chang, Anwalt und Kritiker der KPCh, schrieb auf derselben Plattform: "Die KPCh hat Verbindungen zu denen an der Spitze des amerikanischen politischen Systems. Es ist Zeit, dass unsere Politiker sich entscheiden: Amerika oder China." Das Weiße Haus und das Außenministerium reagierten bis Redaktionsschluss nicht auf Anfragen der DCNF.

Was bleibt, ist eine offene Frequenz. Die chinesischen Berufungen sind in den übersetzten Dokumenten belegt. Die amerikanische Verteidigung steht im Raum. Dazwischen die Frage, was beratende Rollen in einem ausländischen Einflussapparat während einer US-Kabinettsamtszeit bedeuten — und warum sie auf dem Bestätigungsformular fehlten. Correctiv setzt die Prüfung der Übersetzungen und der Reaktion O'Connors fort. Die Leitung bleibt offen.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 2 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Elaine Chao held advisory positions with Chinese Communist Party organizations while serving in the U.S. Cabinet

    „Elaine Chao, McConnell’s Taiwanese-born wife, was named to several United Front Work Department-linked posts, some of which coincided with her time as Labor and Transportation secretary, according to Daily Caller News Foundation translations of Chinese media reports.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT Chinese groups named Elaine Chao to advisory posts overlapping Cabinet service

    „Chinese Communist Party (CCP) officials appointed Sen. Mitch McConnell’s wife to multiple government positions, many of which partially overlapped with her two U.S. Cabinet posts, according to Chinese government and state media reports unearthed by the Daily Caller News Foundation.“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

5 Quellen · 2 davon belegt · 4 externe Belege · 2 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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