Sand, Recht, Souveränität: Malibus teurer Vergleich
In Malibu zählt ein Baggerstrich am Strand mehr als ein halbes Jahrhundert Küstenrecht. Mark Attanasio, Eigentümer der Milwaukee Brewers, hat sich mit der California Coastal Commission geeinigt: Zwei Millionen Dollar Strandgrundstück gehen an die Öffentlichkeit, eine private Treppe und eine Felsmauer müssen verschwinden, die beschädigte Küste wird restauriert. Einstimmig beschlossen. Klingt nach Sieg des Gemeinwohls. Ist es nicht.
Was hier verhandelt wurde, ist kein Diebstahl von Sand. Es ist die legale Fortschreibung einer Ordnung, in der öffentlicher Raum zur Disposition privater Bauspekulation steht. Attanasios Firma 2XMD Partners LLC schickte einen Bagger in ein Meeresschutzgebiet, holte Sand, Kiesel und Felsbrocken heraus und schüttete damit eine Spundwand an seinem Anwesen auf. Adresse: 31000 Broad Beach Road, fast dreißig Millionen Dollar wert. Genehmigungen gab es für die Spundwand. Genehmigungen gab es keine für das, was tatsächlich geschah.
Die Firma behauptete, hundert Prozent konform mit den Papieren gewesen zu sein. Das ist die Standardformel. Sie funktioniert, solange niemand die nassen Stellen am Strand fotografiert. James Kohlberg, Nachbar und Sohn eines KKR-Mitgründers, hat genau das getan. Er klagte. Die Behörde ermittelte. Zwei Jahre Schweigen. Dann dieser Vergleich.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob Attanasio bestraft wurde. Zwei Millionen Dollar Strand abgetreten, ein Bauwerk zurückgebaut, ein paar Tonnen Sand wieder hingeschoben, wo er hingehört. Das ist Betriebsausgabe für ein Vermögen, das an der Malibu-Küste ohnehin im zweistelligen Millionenbereich pro Anwesen liegt. Die Strafe ist ein kalkulierter Preis, kein Eingriff in die Souveränität des Kapitals.
Die eigentliche Geschichte steht hinter dem Deal: Wie kann eine Vermögensmasse dieser Größenordnung fast unangreifbar handeln? Attanasio kaufte sein Broad-Beach-Anwesen 2007 für 23 Millionen Dollar, zehn Jahre später das Nachbargrundstück für 6,6 Millionen. Kohlberg sitzt mit KKR-Erbe daneben. Zwei Milliardäre, ein Strandabschnitt, zwei Rechtsauffassungen, die sich gegenseitig aufreiben. In der Zwischenzeit baggert einer.
Die Kommission spricht von einer seltenen Gelegenheit, den öffentlichen Zugang am Strand zu sichern. Aaron McLendon, stellvertretender Leiter der Vollstreckung, nennt es die richtige Lösung. Kate Huckelbridge, Geschäftsführerin der Kommission, zeigt sich dankbar. Dankbar wofür? Dafür, dass ein öffentliches Gut, das nie hätte angetastet werden dürfen, nach zwei Jahren Verhandlung als Gnadenakt zurückgereicht wird? Das ist keine Politik. Das ist Mangelverwaltung.
Die Paragraphen, die hier greifen sollten, sind vorhanden. Die Genehmigungen verboten schwere Maschinen im Gezeitenbereich. Sie verboten Sandentnahme aus dem öffentlichen Strand. Beides geschah, dokumentiert auf Fotos, die im Anhang der Klage liegen. Bagger im nassen Sand, Löcher in der schmalen Küstenlinie. Die Konsequenz: ein Vergleich, der das Kapital nicht wirklich berührt. Wer das Öffentliche aufzehrt, zahlt in Malibu einen Aufpreis und wird gelobt für die Einsicht. Die Formel heißt Vergleich statt Verfahren. Die Bilanz bleibt freundlich.
Der Strand gehört niemandem und jedem. Er ist das letzte Stück Boden, das sich nicht privatisieren lässt, ohne dass es jeder sieht. Wer hier baggert, schreibt keine Kavaliersdelikte. Er verändert die Linie, an der das Meer aufhört und das Land beginnt. Das ist Geographie. Das ist Recht. Das ist Ökologie. Das ist eine Frage der Souveränität des Gemeinwesens gegenüber dem, was sich Souveränität kauft.
In Malibu hat das Kapital die Geographie verändert. Die Rechtsordnung hat zwei Jahre gebraucht, um eine Entschuldigung zu formulieren. Die Küste schweigt. Sie schweigt weiter, bis das nächste Grundstück ansteht, der nächste Bagger rollt, die nächste Genehmigung das Verbotene durchwinkt. Wer kontrolliert das? Die, die bezahlen können. Wer profitiert? Die, die das Öffentliche in Privat umrechnen. Wer zahlt den Preis? Der Strand. Die Brandung. Die Zeit.
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