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15. September 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Japans Tresor schrumpft — die Kasse füllt sich

15. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

95 Milliarden Dollar weg. So liest sich die Bilanz auf den ersten Blick. Japans Finanzministerium hat diese Woche die August-Zahlen vorgelegt, und sie sehen nach Katastrophe aus. Die Devisenreserven des Landes sind um rekordverdächtige 94,6 Milliarden Dollar eingebrochen — ein Minus von 8,7 Prozent in einem einzigen Monat. Von 1,09 Billionen Dollar Ende Juli auf 995 Milliarden Ende August.

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Was nach Desaster klingt, verkauft die Regierung als Triumph. Die Reserven schrumpfen nicht, weil Geld verloren geht. Sie schrumpfen, weil Japan sie aktiv verkauft.

Die Mechanik ist einfach, auch wenn die Buchhalter sie gerne in Nebel hüllen. Der Yen fällt. Die Bank of Japan fährt seit Jahren Nullzinsen und kauft massiv eigene Anleihen. Die Regierung hat riesige Defizite aufgehäuft. Das Resultat: Die Währung hat seit ihrem Höhenflug im Jahr 2012 rund 48 Prozent ihres Wertes gegen den Dollar verloren. Wenn der Yen zu schnell zu tief fällt, greift das Finanzministerium ein. Es verkauft Dollar-Reserven — fast ausschließlich US-Staatsanleihen — und kauft dafür Yen zurück. Weniger Yen auf dem Markt, der Preis steigt, der Fall wird gebremst.

Im August war es ein Großeinsatz. Gemeinsam mit den USA ging Japan am 31. Juli an den Devisenmarkt und kaufte Yen im Wert von 15,4 Billionen Yen zurück. Bezahlt mit Dollarreserven. Die Folgen zeigen sich jetzt in den Bilanzen.

Die Reserven bestehen aus zwei Töpfen. Wertpapiere — fast ausschließlich US-Treasuries — fielen im August um 87,8 Milliarden Dollar auf 840 Milliarden. Einlagen bei anderen Zentralbanken, darunter das Reverse-Repo-Konto der Federal Reserve für ausländische Notenbanken, schrumpften um 6,9 Milliarden auf 155 Milliarden Dollar. Zusammen ergibt das die besagten 94,6 Milliarden.

Über vier Monate gerechnet — Mai bis August — summieren sich die Abflüsse auf 174 Milliarden Dollar, ein Minus von 14,9 Prozent.

Und hier beginnt das Paradox. Dieselbe Regierung, die eben 95 Milliarden Dollar an Reserven veräußert hat, nennt die Operation „hochprofitabel".

Der Grund liegt in der Zeit. Das Finanzministerium hat den größten Teil seiner US-Staatsanleihen zwischen 2001 und 2011 gekauft. Damals stand der Yen stark. Für jeden Yen gab es mehr Dollar, für jeden Dollar mehr US-Staatsanleihen. Im Februar 2012 erreichten die fremden Wertpapiere im japanischen Besitz ihren Höhepunkt: 1,20 Billionen Dollar. Dann kam Abenomics. Die Notenbank warf die Geldpresse an, die Zinsen sanken auf null, dann darunter. Die Regierung pumpte Defizite in die Wirtschaft. Der Yen stürzte ab.

Heute verkauft Japan diese alten Papiere zu aktuellen Dollarpreisen und tauscht die Erlöse in Yen. Wegen des schwachen Yen bekommt das Finanzministerium für jeden Dollar deutlich mehr Yen, als es damals bezahlt hat. In Yen gerechnet ein massiver Buchgewinn. Die Eingriffe vom Mai, Juli und August — jeder für sich profitabel — haben ausgerechnet diesmal die höchsten Erträge aller bisherigen Interventionen eingebracht, weil es schlicht die größte Operation war.

Wo landet das Geld? Nicht im allgemeinen Haushalt. Die Yen-Erlöse aus den Interventionen und alle Zinserträge aus den ausländischen Wertpapieren fließen in das Foreign Exchange Fund Special Account, kurz FEFSA. Ein Sonderkonto, gesetzlich getrennt vom allgemeinen Staatshaushalt. Der Sinn: Die Politik soll die Interventionsgewinne nicht als frei verfügbares Budget verpulvern können.

Die Regierung streitet bereits, was mit den 31 Milliarden Dollar Gewinn aus dem letzten Fiskaljahr geschehen soll.

Die Frage bleibt offen. Wer profitiert hier wirklich? Die Yen-Halter im Land sehen ihre Kaufkraft stabilisiert. Das Finanzministerium verbucht Buchgewinne auf alte Positionen, die es unter völlig anderen Marktbedingungen aufgebaut hat. Die Federal Reserve sieht Dollar-Abflüsse aus ihrem Repo-System. Die internationalen Anleger beobachten einen der größten Devisenmarkt-Eingriffe seit Jahrzehnten. Und am Ende hat jeder Dollar-Tresor, jeder Yen-Wechselkurs, jede Zinsentscheidung einen anderen Zahler.

Die Bücher sind ausgeglichen. Die Realität ist komplizierter.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 1 von 3 Behauptungen belegt
  1. ZAHL Japan’s Foreign Currency Reserves plunged by $95 Billion

    im Titel der Quelle gefunden

  2. DATUM Die Entwertung ereignete sich im August

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  3. ZITAT These interventions are described as hugely profitable

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

1 Quelle · 1 davon belegt · 0 externe Belege · 3 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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